Makler Ulrich Möntmann in seinem "Sky Office". Er hatte Arminia frühzeitig entweder Stadion- oder Tribünenverkauf vorgeschlagen. Das sei abgelehnt worden. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Makler Ulrich Möntmann in seinem "Sky Office". Er hatte Arminia frühzeitig entweder Stadion- oder Tribünenverkauf vorgeschlagen. Das sei abgelehnt worden. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Aus 8 wurden 19 Millionen Euro

Die neue Osttribüne der Alm: Von der "Lösung aller Probleme" zur Ursache aller Probleme ohne Lösung

VON ANSGAR MÖNTER
09.02.2010 | Stand 09.02.2010, 12:27 Uhr

Bielefeld. Sie sollte "die Lösung aller Probleme" sein, die im Frühjahr 2006 vorgestellte neue Osttribüne der Alm. Jetzt, vier Jahre später, ist sie die Ursache aller Probleme ohne Lösung. Das Prestige-Bauwerk mit Edel-Logen und "Sky Office" genannten Büroflächen ist der Hauptgrund für die Finanznot von Arminia Bielefeld.

Die Geschichte dieses letzten Bau-Abschnitts des Stadions begann mit Ausbauplänen für 15 Millionen Mark im Jahr 2001. Weil Arminia aber sportlich absackte, verschwand das Projekt vorerst in der Schublade. Erst Ende 2005 wagte sich der damalige Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch wieder an die Materie – diesmal flankiert von Immobilienmakler Ulrich Möntmann und Architekt Frank Stopfel.

Die Gründer der "Möntmann & Stopfel Projekte OHG" hatten ein Jahr zuvor auf einer Rechnung in einem Restaurant die ersten Entwürfe für eine Edeltribüne entworfen. Elf Millionen Euro sollte das Meisterwerk kosten, mit Glasfassade, Logen, Business-Terrasse und 2.100 Quadratmeter Büros mit Blick auf die Stadt. Der Verkauf dieser Flächen sollte fünf Millionen Euro einbringen und von Makler Möntmann abgewickelt werden. Daraus aber wurde nichts. Kein Quadratmeter wurde verkauft. Arminia entschied sich, die "VIP Offices" und "Sky Offices" nur noch vermieten. Damit aber war das eigentliche Finanzierungskonzept dahin. Immerhin: Laut Möntmann sind 95 Prozent der Flächen vergriffen. "Das bringt Arminia jährlich 430.000 Euro", sagt der Makler.

Möntmann berichtet, dass er dem Verein auch frühzeitig andere Finanzierungskonzepte vorgeschlagen hätte: die Veräußerung mit Rückmietung der Haupttribüne für knapp 17 Millionen Euro; oder den Verkauf des Stadions für über 25 Millionen Euro. "Ich hatte Interessenten, alles war vorbereitet. Doch Geschäftsführung und Vorstand haben abgelehnt", sagt Möntmann.

Mittlerweile sind die Kosten auf 19 Millionen Euro für die Osttribüne hochgeschnellt – und die Verkaufspläne wieder auf dem Tisch.

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