Friedrich Straetmanns: "Es fehlt der aufrechte Gang"

INTERVIEW: Aufsichtsratmitglied sieht ein Versagen der Kontrollmechanismen

09.02.2010 | Stand 09.02.2010, 12:37 Uhr
Friedrich Straetmanns will einen vollwertigen Sitz im Aufsichtsrat. - © FOTO: Christian Weische
Friedrich Straetmanns will einen vollwertigen Sitz im Aufsichtsrat. | © FOTO: Christian Weische

Bielefeld. Aus der Gruppe der "Kritischen Arminen" hervorgegangen, ist Friedrich Straetmanns (48) seit einiger Zeit co-optiertes Mitglied des Aufsichtsrats von Arminia Bielefeld. Er berät mit, darf aber nicht abstimmen. Am Freitagabend stand er mitten unter den Fans. Im Gespräch mit Peter Burkamp rät der Sozialrichter, das Fan-Umfeld ernst zu nehmen, und sieht im Verkauf des Stadions eine Option zur Verbesserung der Finanzen.

Herr Straetmanns, die Meldungen über Arminias Finanzkrise haben viele Fans aufgeschreckt. Wie bewerten Sie die Lage?
FRIEDRICH STRAETMANNS: Die Gefahr einer Insolvenz sehe ich nicht. Aber es ist eine Situation, in der wir realistische Lösungen brauchen und uns erarbeiten müssen. Das Modell des Stadionverkaufs sehe ich als mögliche Option. Der Verkauf ist nicht die Wunschlösung, aber er scheint auf den ersten Blick von allen Szenarien die bessere Variante. Wichtig ist mir dabei, dass die Mitglieder nicht alle Rechte abgeben. Dies könnte durch die Rückkaufoption gewährleistet werden. Das sollte vor der nächsten Hauptversammlung technisch soweit geklärt sein.

Wie konnte es überhaupt zu dieser kritischen Lage kommen?
STRAETMANNS: Wir sind dabei, uns in die Zahlen zu vertiefen. Man hat Ähnliches zuletzt bei großen Banken und Wirtschaftsunternehmen erlebt. Ohne jemandem Vorwürfe machen zu wollen, aber die Kontrollmechanismen haben da versagt. Wir müssen das Ganze aufarbeiten, ein "weiter so" kann es nicht geben.

Im Dezember haben Sie Ihre erste Aufsichtsratsitzung erlebt. Hat die Realität bei Ihnen für Ernüchterung gesorgt?
STRAETMANNS: Das will ich nicht sagen. Manche Entscheidungen, die ich von außen nicht verstanden habe, sind für mich nachvollziehbarer geworden. Bei anderen bin ich sehr diskussionsfreudig. Insgesamt ist der zeitliche Aufwand für alle Beteiligten höher als wahrscheinlich von außen wahrgenommen.

Die Finanzkrise ist von den Verantwortlichen offen dargestellt worden. Ist das der richtige Weg?
STRAETMANNS: Diese Transparenz ist absolut in Ordnung und außerdem eine vertrauensbildende Maßnahme. Es gibt aber auch Themen, die gehören nicht in die Öffentlichkeit, weil das kontraproduktiv wäre.

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