OWL-Wirtschaft macht Druck auf Arminia

Schüco-Chef Hindrichs zeigt sich über Finanzkrise des Fußballklubs überrascht

VON STEFAN SCHELP, PETER BURKAMP UND CARSTEN BLUMENSTEIN
06.02.2010 | Stand 06.02.2010, 11:40 Uhr

Bielefeld. Die ostwestfälische Wirtschaft ist nicht bereit, kurzfristig die Millionenlöcher bei Arminia Bielefeld zu stopfen. Das hat Dirk U. Hindrichs, geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter der Schüco International KG, im Interview mit dieser Zeitung bestätigt. "Würden Sie in ein schwarzes Loch investieren?", fragt er stattdessen provokativ.

Jetzt müssten sich alle zusammensetzen und dafür sorgen, dass es ein belastbares Zahlenwerk über die finanzielle Situation von Arminia Bielefeld gibt. Dann werde man die Situation neu bewerten. Zugleich warnt Hindrichs vor überzogenen finanziellen Erwartungen an die Unternehmen. Rund 15 Unternehmer sollen auf der Unterstützerliste stehen. Er gehe nicht davon aus, dass jedes dieser Unternehmen im Schnitt eine Million Euro bereitstellen werde.
Das Engagement der Unternehmen werde auch nicht dauerhaft sein, stellt Hindrichs klar. "Die Wirtschaft ist nicht bereit, sich kontinuierlich zu engagieren. Sie ist lediglich bereit, einmal die Differenz zu überbrücken zwischen der tatsächlichen und der gewünschten Situation."

Informiert habe ihn der Verein noch nicht über die neue Entwicklung, sagt Hindrichs. Er habe vom finanziellen Engpass aus der Zeitung erfahren. "Die Situation ist ernst", sagt Hindrichs, er gehe aber nicht davon aus, dass der Verein Insolvenz anmelden müsse. Die Köpfe der Verantwortlichen fordere er nicht. "An der Entwicklung trägt nicht eine einzelne Person die Schuld." Vom Verein verlangt Hindrichs, die Leitungsstrukturen zu verändern. Der Plan der Wirtschaftsunternehmen sieht vor, dass sie eine Person ins Management schicken, "die sich mit Zahlen auskennt".

Die Zahlen einer "gewagten Budgetplanung" (DSC-Geschäftsführer Heinz Anders) für die neue Saison sind es, die Arminia in die Krise stürzten. Im Lizenzantrag wurde mit überzogenen Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen kalkuliert. "Allein die Umstände der turbulenten Jahreshauptversammlung haben uns etwa 3,5 Millionen Euro an Sponsorengeldern gekostet", sagte Aufsichtsratsmitglied Klaus Langenscheidt, der moniert, dass der nun "knapp 19 Millionen Euro" teure Stadion-umbau "überdimensioniert" sei. Das durch sportlichen Abstieg und Personaldebatten beschädigte Image des Klubs sowie die allgemeine Wirtschaftskrise kommen den Klub teuer zu stehen. Nun wächst das Defizit von Monat zu Monat.

Intern wird geprüft, ob die Verantwortlichen juristisch zur Rechenschaft gezogen werden können. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat auf die besorgniserregenden Zahlen reagiert. "Wir haben die Klubspitze kurzfristig zum Gespräch eingeladen", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Müller. Die DFL prüft in erster Linie die Liquidität der Bundesligisten.

Vor der Zahlungsunfähigkeit stehe der DSC aber nicht, betonte Arminias Geschäftsführung in einem offenen Brief "an alle Arminen". Das Stadion sei mittlerweile durchfinanziert, und das Defizit werde "voraussichtlich gut zwei Millionen Euro betragen", so Heinz Anders und Detlev Dammeier.
Ähnlich zurückhaltend wie
die Wirtschaft sieht es im Übrigen auch Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD). Sympathie ja, finanzielle Unterstützung nein. Clausen: "Ich bin immer ansprechbar. Aber auch unsere Kassen sind leer." Sein einziges Versprechen: "Ich werde den Verein als Fan unterstützen."

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