Klub steht vor Zahlungsunfähigkeit

Hilferuf an die Wirtschaft

VON PETER BURKAMP
Norbert Leopoldseder.
Norbert Leopoldseder.
Arminias große Geldsorgen - © ARMINIA
Arminias große Geldsorgen | © ARMINIA

Bielefeld. Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld ist so gut wie zahlungsunfähig. Die finanzielle Situation des Klubs ist hochbrisant. Konten waren gesperrt. Zahlreiche Gläubiger warten auf ihr Geld. "Das Wort Insolvenz möchte ich nicht in den Mund nehmen", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Leopoldseder am Abend gegenüber der Neuen Westfälischen. Er bestätigte jedoch, dass der DSC diese Saison mit einem Fehlbetrag von 2,5 Millionen Euro abschließen wird, und sprach von einem "Nothaushalt 2010".

Die Stadt Bielefeld soll auf 90.000 Euro warten, die Deutsche Bahn auf 38.000 Euro für ihre Fanzüge. Diverse Lieferanten sitzen auf unbezahlten Rechnungen. "Es gibt durch die Bank Außenstände", räumt Heinz Anders ein. "Seit September befasse ich mich ausschließlich mit Finanzkrisen-Management", sagt Arminias Geschäftsführer, der seit dem 1. August für den DSC tätig ist.

"Alle Kosten stehen auf dem Prüfstand"

Arminia befinde sich mit allen Gläubigern in "konstruktiven Gesprächen. Es sind Zahlungspläne vereinbart", sagte Anders. Steuern und Sozialabgaben seien unterdessen fristgerecht abgeführt worden. Anders räumte allerdings ein, dass das Finanzamt in Zusammenhang mit einer Umsatzsteuerzahlung DSC-Konten über ein Wochenende gesperrt hat: "Dabei hat es sich um ein terminliches Missverständnis gehandelt."

Heinz Anders.
Heinz Anders.

Arminias Reaktion auf die Finanzkrise: "Alle Kosten stehen auf dem Prüfstand. Es wird unpopuläre Maßnahmen geben", sagte Anders. So wird beispielsweise das Projekt "Arminia on Tour" nicht mehr fortgesetzt. Mitarbeiter in allen Bereichen des DSC sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. Darüber hinaus habe es schon verspätete Gehaltszahlungen gegeben. "In Absprache mit den Betroffenen hat es Verzögerungen gegeben. Die Gehälter sind aber immer bezahlt worden", sagte Anders. "Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen an Lösungen, um uns zu konsolidieren, und es gibt einige Ideen", sagte Arminias Schatzmeister Andreas Mamerow, der zuversichtlich ist, die Probleme kurz- bis mittelfristig in den Griff zu bekommen.

Norbert Leopoldseder sieht zwei Ursachen für die Misere. "Die Kosten für die neue Haupttribüne sind aus mehreren Gründen um 6 von 12 auf 18 Millionen Euro gestiegen." Drei Millionen habe Arminia durch Barmittel aus dem laufenden Erstligageschäft genommen. Damit war die für die aktuelle Saison geplante Rücklage weg.

"Gelder sind uns verloren gegangen"

Die andere Hälfte sei "durch einen Kraftakt" (Anders) aufgebracht worden. Eine Maßnahme neben anderen: Das Inventar der VIP-Räume wurde an die Sparkasse Bielefeld verkauft und zurückgemietet.

Andreas Mamerow.
Andreas Mamerow.

Ein weiterer Grund für die aktuelle Krise sei, dass die Zweitligasaison "viel zu euphorisch geplant worden ist", sagt Anders. Dies geschah im März 2009 unter seinem Vorgänger Roland Kentsch. "Nach fünf Jahren Bundesliga hätte Arminia nie so dastehen dürfen wie jetzt", so Anders. Auch die turbulente Jahreshauptversammlung habe viel Geld gekostet, so Norbert Leopoldseder: "Dadurch sind uns einige eingeplante Sponsoreneinnahmen verlorengegangen."

Wichtigstes Ziel ist es laut Anders nun, "sicherzustellen, dass wir den Spielbetrieb aufrechterhalten". Er und Norbert Leopoldseder werben für einen "Bielefeld-Pakt", an dem sich Fans, Mannschaft, Partner und die heimische Wirtschaft beteiligen sollen. Dirk U. Hindrichs, Chef von Schüco und Sprecher der Unternehmen, die Arminia unterstützen wollen, setzt vor einer Hilfe allerdings voraus, dass Arminia eine professionelle Führung habe, und "das hat auch immer etwas mit Personen zu tun", sagte Hindrichs.

Fußball-Liga zeigt sich überrascht

Erst durch einen Anruf der Neuen Westfälischen erfuhr die Deutsche Fußball-Liga (DFL) von den finanziellen Schwierigkeiten des DSC Arminia Bielefeld. Nach einer einstündigen Recherche gab DFL-Sprecher Kay-Oliver Langendorff zu Insolvenzgerüchten folgendes Statement ab: "Wir haben Kontakt mit Arminia Bielefeld aufgenommen. Uns wurde gesagt, da sei nichts dran." Deshalb könne die DFL zum jetzigen Zeitpunkt auch keine offizielle Erklärung abgeben, erklärte Langendorff. DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher (Gütersloh) war auf dem Rückweg von einer DFB-Sitzung in Frankfurt, als er Kenntnis von den Nachrichten um Arminia Bielefelds prekäre Finanzlage erhielt. "Ich kann es nicht kommentieren. Ich bin sprachlos", sagte ein betroffener Korfmacher.(frz)

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