Arne Feick, Pavel Fort, Andre Mijatovic und Rüdiger Kauf (v. l.) verlassen in fast identischer Körperhaltung enttäuscht die Stätte der 1:3-Niederlage. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Arne Feick, Pavel Fort, Andre Mijatovic und Rüdiger Kauf (v. l.) verlassen in fast identischer Körperhaltung enttäuscht die Stätte der 1:3-Niederlage. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Arminias Achterbahnfahrt endet unten

Bielefelder haben großen Anteil an begeisterndem Fußballspiel bei der 1:3-Niederlage in Augsburg

VON RAINER KLUSMEYER

Augsburg. Der Meinung von Jos Luhukay werden sich alle Beteiligten und auch die 15.477 zahlenden Augenzeugen anschließen. "Ein fantastisches Spiel" hatte der Trainer des FC Augsburg gesehen. Eine Partie, mit allen Zutaten, die der Fan im schwärmerischen Träumen – und das bedeutet ja Fantasie – zusammenmischen würde: Ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten, spektakuläre Treffer, ein kleines menschliches Drama, heiße Diskussionen um einen Feldverweis. Nur eines stimmte nicht. Zumindest aus Bielefelder Sicht: Das Resultat.

Mit 1:3 (0:1) verlor der DSC Arminia das Zweitliga-Spitzenspiel bei Luhukays FC Augsburg, der nun im Kampf um Relegationsplatz drei der Zweiten Liga einen Drei-Punkte-Vorsprung auf Arminia, Fortuna Düsseldorf und den MSV Duisburg herausgearbeitet hat. Das schnöde Zahlenwerk störte das eigentlich positive Bielefelder Bild gehörig. "In mir schlagen zwei Herzen", schilderte DSC-Cheftrainer Thomas Gerstner: "Das des Fußballers und das des Arminen." Erstgenannter freute sich, dass "wir dazu beigetragen haben, dass dieses Spiel noch lange in den Köpfen bleiben wird". Letztgenannter muss erst einmal verdauen, erneut ein Duell bei einem Aufstiegsmitbewerber überflüssig-unglücklich verloren zu haben – wie schon in Kaiserslautern (0:1) und Düsseldorf (2:3).

Das Unheil nahm seinen Lauf mit einer Szene in der 9. Minute. Marcel Ndjeng, Ex-Armine mit ausgeprägtem Hang zum hammerharten Weitschuss, zog aus 30 Metern ab, DSC-Keeper Rowen Fernandez strauchelte leicht beim Versuch, den Ball im Rückwärtslaufen abzuwehren – und als der Südafrikaner kurz liegen blieb und sich das rechte Knie hielt, deutete sich an, dass dem Keeper mal wieder etwas Schlimmes passiert war. Bald darauf musste Fernandez mit Innenbandriss und Verdacht auf Riss des hinteren Kreuzbandes das Feld verlassen.

Thurks Extra-Klasse

Mit Niklas Hartmann kam der verständlicherweise übernervöse Vertreter des Eilhoff-Vertreters, tat sein Möglichstes, erwehrte sich der Attacken der offensivstarken Augsburger nach Kräften, konnte aber der Abwehr natürlich nicht die erforderliche Stabilität geben. Mit dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" hielt der DSC das turbulente Geschehen weitgehend von Hartmann entfernt – und kassierte doch drei Treffer.

Das lag zum einen an der Extraklasse des Zweitliga-Top-Torjägers Michael Thurk – Gerstner: "Hätten wir den in unseren Reihen gehabt, wären wir vielleicht als Sieger vom Platz gegangen" –, zu einem hohen Prozentsatz aber auch am fehlerhaften taktischen Verhalten der Gäste beim Umschalten von Offensive auf Defensive. "Es kann ja nicht sein, dass wir drei, vier Mal nach unseren Standards in Konter laufen", monierte Abwehrroutinier Markus Schuler, selbst mit einer unfreiwilligen Kopfballverlängerung auf Thurk am 0:1 (25.) beteiligt.

Der Treffer fiel nach dem Schema F. F wie Freistoß für Arminia. Abgewehrt, Diagonalpass von der verwaisten linken Seite auf Thurk, Tor oder zumindest Torgefahr. Auch den zweiten Treffer des zielstrebigen Stürmers steckte Arminia weg, schaffte durch den nach der Pause endlich zu alter Form zurückfindenden Giovanni Federico den 1:2-Anschluss. Und fand in Überzahl (Stefan Buck hatte in der 61. Minute gelb-rot gesehen) plötzlich nicht mehr die Mittel, den FCA-Abwehrblock ein weiteres Mal zu knacken. Thurk ging, Sandor Torghelle kam – und brauchte ein paar Sekunden, um mit dem Heber zum Last-Minute-3:1 dem Klassespiel ein spektakuläres Ende zu bereiten.

FC Augsburg - Arminia Bielefeld 3:1 (1:0)

Augsburg: Jentzsch - Strauß (67. Brinkmann), Möhrle, de Roeck, Buck - Ndjeng (90.+2 Bellinghausen) - El Akchaoui, Hegeler, Sinkala - Traore - Thurk (89. Torghelle)

Bielefeld: Fernandez (12. Hartmann) - Kucera, Lamey (74. Feick), Mijatovic, Schuler (81. Janjic) - Kauf - Kirch, Delura, Federico, Guela - Fort

Tore: 1:0 Thurk (25.), 2:0 Thurk (48.), 2:1 Federico (53.), 3: 1 Torghelle (90.)

Zuschauer: 15.477

Schiedsrichter: Jochen Drees (Münster-Sarmsheim)

Gelb-Rote Karte: Buck wegen wiederholten Foulspiels (61.)

Gelbe Karten: Brinkmann (2) - Kirch, Schuler, Lamey (5/1), Kauf (3), Kucera

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