König Artur fürchtet neuen Rekord

Hertha-StürmerWichniarek erlebte schon mit Arminia eine schlimme Niederlagenserie

VON RAINER KLUSMEYER
Artur Wichniarek nach dem Berliner 0:3-Desaster in Nürnberg. - © FOTO: DPA
Artur Wichniarek nach dem Berliner 0:3-Desaster in Nürnberg. | © FOTO: DPA

Bielefeld/Berlin. Für Artur Wichniarek muss es ein ganz böses Déjà-vu-Erlebnis sein. Seine Hertha schlittert von Bundesligapleite zu Bundesligapleite - acht sind’s am Stück, und nur noch zwei Niederlagen fehlen den Berlinern bis zur Einstellung des Negativrekords. Das Schlimme für Wichniarek: Schon 1999/2000 war er dabei, als der DSC Arminia unter Trainer Hermann Gerland souverän den von Tasmania 1900 Berlin und dem 1. FC Nürnberg gehaltenen Allzeit-Rekord einstellte.

Damals wie heute war Andreas Grajewski der väterliche Freund und Berater des Stürmers, kann also die misslichen Situationen bestens miteinander vergleichen. Vor zehn Jahren sei "Artur selbst schuld" daran gewesen, dass es mit dem Toreschießen nicht klappen wollte. "Er hat gedacht, das könne er mit links machen", blickt Grajewski auf die Zeiten zurück, als Wichniarek fast ein halbes Jahr über eine äußerst bescheidene Nebenrolle in Bielefeld nicht hinauskam. Der Berater musste sich gar vom damaligen Arminia-Manager Heribert Bruchhagen die Frage gefallen lassen, ob Artur eventuell einen untalentierten Zwillingsbruder habe, der dem DSC untergeschoben worden sei.

Erst am elften Spieltag bekam der aufstrebende Pole beim 2:2 gegen Werder Bremen die erste Einsatzchance in der Bundesliga - eine Woche, bevor mit dem 0:5 beim Hamburger SV die Unglücksserie begann. Bei acht der zehn Niederlagen stand Wichniarek auf dem Platz, fünfmal sogar in der Startformation. Dabei zeigte sich der Angreifer genauso konstant wie die gesamte Mannschaft: Er erzielte keinen einzigen Treffer und erhielt bei allen fünf Partien die Fachblatt-Note 5,0 vom Kicker. Dass aus dem verhinderten Torjäger der Saison 1999/2000 später König Artur von der Alm wurde, ist hinreichend bekannt. "Wahrscheinlich braucht Artur die Bielefelder Luft", glaubt Grajewski nun, da zum zweiten Mal die Umstellung auf die Hauptstadtluft nichts Positives gebracht hat - abgesehen von einer Gehaltserhöhung vielleicht.

"Besch . . ." sei die Lage bei Hertha BSC, gibt Grajewski unumwunden zu, "nicht nur für Artur, für den ganzen Verein". Das Polen-Duo hat bei der Rückkehr an die Spree gewusst, dass Wichniarek wegen seines missglückten ersten Berliner Gastspiels mit reichlich Gegenwind würde leben müssen. "Artur ist Profi, der kann damit umgehen", behauptet Grajewski. Die bisherigen Auftritte im Hertha-Trikot allerdings lassen eher annehmen, dass der Null-Tore-Stürmer unter dem Druck zunehmend verkrampft ist. Besserung, so des Beraters Hoffnung, ist durch den Trainerwechsel in Sicht. "Friedhelm Funkel hat Artur schon mal zur Seite genommen und ihm erklärt, dass er auf ihn baut, weil Wichniarek als einziger Hertha-Spieler langjährige Erfahrung im Abstiegskampf hat", schildert Grajewski.

Dessen Schützling fehlen "Dynamik und Schnelligkeit", zudem die "Pässe, die ein Stürmer nun einmal braucht, um erfolgreich zu sein". Daheim gegen den VfL Wolfsburg und auswärts in Dortmund sind für Hertha BSC und Artur Wichniarek die letzten Gelegenheiten, den unrühmlichen Eintrag in die Bundesliga-Rekordbücher noch zu verhindern. Alle drei bisherigen Rekord-Vereine sind im Jahr der Schreckens-Bilanz abgestiegen. Grajewski überlegt, wenigstens den persönlichen Abstieg seines Schützlings abzuwenden: "Vielleicht muss ich wieder bei Arminia anrufen."

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