Bundesliga zur Mittagszeit

Spieler und Fans leiden unter den neuen Anstoßzeiten

VON PETER BURKAMP
Spieler und Fans leiden unter Anstoßzeiten - © ARMINIA
Spieler und Fans leiden unter Anstoßzeiten | © ARMINIA

Bielefeld. Es war noch finster, als die Fans des FC Augsburg Samstagfrüh gegen 4 Uhr in den Bus stiegen. Der eine oder andere mag sich mit einem Fluch in Richtung DFL und TV-Anstalten aus dem Bett gequält haben. Doch wer pünktlich bis 13 Uhr etwa 580 Kilometer inklusive einiger Pausen hinter sich gebracht haben möchte, muss in den sauren Apfel beißen und ein paar Stunden Schlaf opfern.

Als der Bus bei Augsburg auf die Autobahn einbog, lagen Rüdiger Kauf und seine Teamkollegen noch in ihren Betten im Haller Sportpark-Hotel. Die Profis haben es besser als die Anhänger. Sie übernachten schon am Spielort. Trotzdem bedeuten auch für sie die neuen Anstoßzeiten eine erhebliche Umstellung. "Es ist nachgewiesen, dass die körperliche Leistungsfähigkeit zwischen 10 und 11.30 Uhr und zwischen 15 und 17 Uhr am höchsten ist", sagt Professor Dr. Elmar Wienecke. Den Tiefpunkt erreiche der normale Mensch gewöhnlich in der Mittagszeit, also genau dann, wenn die Fußballer in der Zweiten Liga neuerdings auf den Platz müssen: samstags um 13, sonntags um 13.30 Uhr.

Die neuen Anstoßzeiten zwingen die Profifußballer auf den Platz, wenn die meisten Menschen am Mittagstisch sitzen, sich eine Pause gönnen oder - gerade dieser Tage - sich vor der heißen Sonne schützen. - © FOTO: WEISCHE/MONTAGE: GÜNTHER
Die neuen Anstoßzeiten zwingen die Profifußballer auf den Platz, wenn die meisten Menschen am Mittagstisch sitzen, sich eine Pause gönnen oder - gerade dieser Tage - sich vor der heißen Sonne schützen. | © FOTO: WEISCHE/MONTAGE: GÜNTHER

Damit den Kickern nicht die Augen zufallen, wenn sie sprinten sollen, versuchen sie ihren Biorhythmus umzustellen. Früher, zur alten Anstoßzeit um 15.30 Uhr, gab’s vorher ein Frühstück gegen 8.30 Uhr und ein leichtes Mittagessen gegen 12.15. "Jetzt haben wir eine Art Brunch", erzählt Rüdiger Kauf. In Koblenz habe er um 10 Uhr Spaghetti mit Soße genossen - eine ganz neue Erfahrung für Arminias Kapitän. Am meisten vermisst Kauf die kurze Ruhephase, die den Spielern bei den alten Anstoßzeiten nach dem zweiten Essen geblieben war. Der vorgezogene Beginn macht den Ablauf enger.

Neue Trainingszeiten

Trainer Thomas Gerstner versucht, seine Spieler durch die Gestaltung des Übungsplans an die neuen Zeiten zu gewöhnen. So trainiert die Mannschaft am Freitag vor einem Samstagspiel extra um 13 Uhr. "Eigentlich müsste man fünf bis sechs Tage vorher umstellen. Aber das kann man im Spielbetrieb nicht leisten", sagt Saluto-Chef Elmar Wienecke. "Schwierig" findet der Sport- und Gesundheitswissenschaftler die neuen Zeiten und ihre Folgen.

Gerade jetzt im Sommer. Wegen der Hitze und der Ozonbelastung. "Überall wird den Leuten empfohlen, sich vor der Sonne zu schützen. Da gehen wir raus und betreiben Hochleistungssport", sagt Rüdiger Kauf. Eine Feststellung, keine Klage: "Die Sender zahlen viel Geld für den Fußball. Irgendwie werden wir uns anpassen."

Wenn die Temperaturen sinken, dürfte es den Fußballern leichter fallen. Bleibt es mittags weiter heiß, verlängere sich die Regenerationszeit der Aktiven, sagt Wienecke. Die Spieler schwitzen mehr. Eine Folge ist, dass die Muskulatur weniger gut durchblutet wird. Besonders die Mannschaft, die Druck entwickeln muss, leide unter der Hitze zur Mittagszeit:

"Einfacher ist es, wenn man sich hinten reinstellt", sagt Wienecke. Aber diese Taktik kann kein Klub seinen Fans zumuten. Wer zu nachtschlafender Zeit aufsteht, möchte guten Fußball sehen. So wie die DSC-Fans am Samstag. Die Busse nach Fürth starten übrigens erst um 6 Uhr. Einwurf

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