"Ich mag die, die sich reinhängen"

Der neue Vize-Präsident Frank Kottmann über seine Lieblingsspieler, sein Schlüsselerlebnis und sein Konzept

VON RAINER KLUSMEYER
Frank Kottmann, Arminias neuer Vize-Präsident, in seinem Lieblings-Fußballstadion, der Schüco-Arena. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Frank Kottmann, Arminias neuer Vize-Präsident, in seinem Lieblings-Fußballstadion, der Schüco-Arena. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Bielefeld. Seit der zweiten Morgenstunde des 23. Juni gehört Frank Kottmann dem fünfköpfigen Präsidium des DSC Arminia an. Bei der tumultig-turbulenten Jahresversammlung fiel der 41-jährige Vorstand eines der größten deutschen IT-Unternehmens durch seine um Ausgleich bemühte Sachlichkeit positiv auf. Der neue Vize-Präsident, der wegen des aktuellen Urlaubs von Hans-Hermann Schwick derzeit sogar erstmals das Vereinsruder in den Händen hält, stellt sich vor und erklärt seine Vorstellungen von einer wieder positiveren Zukunft des DSC Arminia.

Mein privates Umfeld:
Meine Frau hält mir den Rücken frei für das, was ich nun an ehrenamtlicher Arbeit für den Verein zu leisten habe. Sie kennt meine Leidenschaft für Arminia, die sich bei mir schon mit sechs, sieben Jahren entwickelt hat, als ich regelmäßig von Werther zur Alm gefahren bin.

Mein schwarz-weiß-blaues Schlüsselerlebnis:
Das war gegen den 1. FC Saarbrücken in der Saison 1986/87, als Arminia ganze neun Spieler zur Verfügung hatte und Torwart Wolfgang Kneib im Sturm eingesetzt wurde. So etwas gibt’s wahrscheinlich nur bei Arminia. Bei jedem anderen Verein wäre das Spiel ausgefallen. Wir waren damals zwar nur 2.600 Zuschauer, haben aber die Mannschaft nach dem 1:3 gefeiert wie selten zuvor.

Mein Weg zu konstruktiver Zusammenarbeit mit der Wirtschaft:
Wir müssen wieder eine Vision haben - und die formulieren wir in unserem Konzept "Arminia 2015". Ob sportliche Ziele, Nachwuchsförderung aller Abteilungen oder Marketing - alles muss dazu dienen, den Namen Arminia Bielefeld als Marke wieder besser zu platzieren. Und zwar so gut, dass jeder sagt: "Wow, das ist so toll, da möchte ich dran teilhaben."

Meine Vorstellung von einer guten Außendarstellung:
Das Wichtigste ist, dass jeder bei Arminia öffentlich nur über das redet, wofür er arbeitet, also Kompetenz hat und Verantwortung trägt. Intern können und müssen wir natürlich über alles diskutieren - bei klarer Aufgabenverteilung. Wenn wir dann noch die Fans und Mitglieder mehr einbinden und den Verein einen, dann ist Arminia Bielefeld wieder ein Kultklub. Wenn jeder in und außerhalb von Ostwestfalen wieder stolz darauf sein kann, ein Arminia-Fan zu sein, haben wir einen großen Sprung gemacht.

Mein liebster Armine:
Wenn ich da einen Spieler heraushebe, hieße das, dass ich über 20 andere zurücksetze. Grundsätzlich mag ich die, die sich reinhängen, die kämpfen und auf dem Platz alles für den Verein geben. Wenig anfangen kann ich mit denen, die sich hauptsächlich mit Diskussionen über Geld beschäftigen. Teamspieler müssen es sein - von denen hat Arminia Bielefeld immer gelebt.

Meine Aufarbeitung der jüngsten Vereinsquerelen:
Wir haben intern mit allen Vereinsverantwortlichen Regeln aufgestellt, an die wir uns ab sofort alle halten werden. Eines bleibt aber festzuhalten: Es war ja vorher nicht alles schlecht. Auch das mag ein Grund dafür sein, dass trotz der Dissonanzen seit der Jahresversammlung mehr Mitglieder ein- als ausgetreten sind, dass wir zudem mit 5.500 mehr Dauerkarten verkauft haben als je zuvor in der 2. Liga. Es ist also eine Aufbruchstimmung zu erkennen - und die müssen wir nutzen.

Mein Konzept für den idealen Verein:
Ich komme aus der Wirtschaft, und da lernt man, dass man immer nach mehr streben sollte. Deshalb hat es mir auch sehr gefallen, als unser neuer Trainer Thomas Gerstner gesagt hat: Wir werden die Nummer 1 der Liga. Dazu braucht es hochmotivierte Mitarbeiter - und die haben wir. Ein qualitativ hochwertiges, vernünftiges Konzept. Die Fähigkeit, die Strategie ständig zu überprüfen. Die Vision, einen Stammplatz in der 1. Liga als großes, mittelfristiges Ziel zu haben. Fans, die stolz sind auf das Aushängeschild Arminia. Spieler, die stolz darauf sind, bei Arminia spielen zu dürfen.

Kottmann, Armini-Vater

Geboren wurde Frank Kottmann am 23. Dezember 1967 – genau wie sein Vorstandskollege Andreas Mamerow. Nach 20 Jahren in Werther ging’s zum Studium nach Essen und später beruflich ins Rheinland. Seit 2000 wohnt Frank Kottmann mit Ehefrau Anja in Gütersloh-Isselhorst. Die Kinder Celine (9) und Cedric (5) sind "selbstverständlich" beide längst Arminis.(rk)

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