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Das Ende einer Vorstands-Ära

Daudel als Schwick-Nachfolger vorgesehen / Kentsch bleibt Finanz-Geschäftsführer

VON RAINER KLUSMEYER VON RAINER KLUSMEYER
06.06.2009 | Stand 07.06.2009, 15:35 Uhr
Das Ende einer Vorstands-Ära - © ARMINIA
Das Ende einer Vorstands-Ära | © ARMINIA

Bielefeld. Die Turbulenzen nach dem Abstieg aus der Bundesliga und der öffentlich geführten internen Schlammschlacht haben zu personellen Entscheidungen beim DSC Arminia geführt. Die Ära von Hans-Hermann Schwick als dienstältester Präsident eines Vereins im bezahlten Fußball endet nach 19 Jahren, mit dem Vorsitzenden wird der komplette Vorstand bei der Jahreshauptversammlung am Montag, 22. Juni, in der Bielefelder Stadthalle seine Ämter niederlegen.

Außer Schwick wird nach den Plänen der DSC-Verantwortlichen auch der umstrittene Schatzmeister Roland Kentsch einem zukünftigen Präsidium nicht mehr angehören. "Mit diesem Schritt beabsichtigt der Vorstand die gewachsene Emotionalität von der bevorstehenden Jahreshauptversammlung zu nehmen und damit für eine ruhige und konstruktive Durchführung derselbigen Sorge zu tragen", formulierten die Arminen ihre Absichten in einer Pressemitteilung. Kentsch bedauere es, wenn er "im Rahmen seines Einsatzes für Arminia Bielefeld in der Vergangenheit missverstanden worden ist".

Der Arminia-Vorstand bei der Jahresversammlung 2008: Conrad Schormann hat sein Amt kürzlich niedergelegt, Roland Kentsch und Hans-Hermann Schwick erklärten jetzt ihren Rücktritt, Albrecht Lämmchen und Andreas Mamerow (v. l.) werden bei der Hauptversammlung am 22. Juni für das neue Präsidium kandidieren. - © FOTO: THOMAS F. STARKE
Der Arminia-Vorstand bei der Jahresversammlung 2008: Conrad Schormann hat sein Amt kürzlich niedergelegt, Roland Kentsch und Hans-Hermann Schwick erklärten jetzt ihren Rücktritt, Albrecht Lämmchen und Andreas Mamerow (v. l.) werden bei der Hauptversammlung am 22. Juni für das neue Präsidium kandidieren. | © FOTO: THOMAS F. STARKE

Nach "den ganzen Geschichten", die den Verein in den letzten Tagen durchgeschüttelt haben, ginge es nun darum, "eine neue Linie zu finden", erklärte Albrecht Lämmchen, der sich neben Andreas Mamerow als zweites Mitglied des bisherigen Vorstandes erneut zur Wahl stellen wird. Auch Schwicks Nachfolger ist natürlich längst ausgeguckt: Klaus Daudel (63), früherer AVA-Vorstandsvorsitzender und beim DSC aktuell Aufsichtsratsmitglied, soll neuer Präsident werden. Für die Kentsch-Aufgaben in der Arbeit als Schatzmeister des Vereins ist mit dem Ex-Profi Norbert Leopoldseder ein weiteres Aufsichtsratmitglied vorgesehen.

Lauritzen soll neu dazukommen

Einziger Neuer im Führungs-Quintett soll Thomas Lauritzen werden. Der Schüco-Unternehmenssprecher erklärte spontan seine Bereitschaft, als er am Donnerstag um Mithilfe gebeten wurde. "Als einer der beiden Hauptsponsoren des DSC sehen wir es als eine Verpflichtung an, Verantwortung zu übernehmen und so einen Beitrag dazu zu leisten, dass Arminia wieder dahin kommt, wo wir sie alle am liebsten sehen: in der 1. Liga", sagte Lauritzen.

Klaus Daudel will Hans-Hermann Schwick beerben.. - © FOTO: INDRA KLEY
Klaus Daudel will Hans-Hermann Schwick beerben.. | © FOTO: INDRA KLEY

Alljährlich führe das Unternehmen nach Saisonabschluss Gespräche mit Arminia, daran sei also nichts Besonderes, erklärte der Schüco-Sprecher. Nach dem Abstieg aber sei die Situation eine andere geworden, weil die "Außendarstellung nicht so war, wie wir uns das als Sponsor wünschen". Ein neuer Vorstand jedoch – Lauritzen: "So wir denn auf der Jahresversammlung das Vertrauen ausgesprochen bekommen" – sei hoffentlich in der Lage, "die Wogen zu glätten". Ein Satz, ganz im Sinne von Albrecht Lämmchen, dem Vertreter der kleineren Abteilungen, der sagt: "Alles, was dazu beiträgt, dass unsere Arminia wieder in ruhigere und erfolgreichere Zeiten steuert, kann ich nur begrüßen."

Zweifel allerdings bleiben: Die Rücktritte von Schwick und Kentsch beziehen sich ausdrücklich nur auf ihre Posten im Präsidium. Hans-Hermann Schwick bleibt Vorsitzender des Aufsichtsrates, Roland Kentsch ist als hauptamtlicher Finanz-Geschäftsführer bisher weiter der richtunggebende Mann auf der Führungsebene der Profifußball-Abteilung.


KOMMENTAR: Mogelpackung

VON PETER BURKAMP

Der Berg kreißte und gebar eine Maus. So also stellen sich die Verantwortlichen bei Arminia Bielefeld den Weg aus der Krise vor. Die beiden Hauptziele der öffentlichen Kritik, Roland Kentsch und Hans-Hermann Schwick, räumen ihre Vorstandsposten, ein bisschen Rotation innerhalb der Gremien und mit Thomas Lauritzen wird ein neues Gesicht präsentiert – nach Aufbruchstimmung oder gar Befreiungsschlag sieht das nicht aus.

Wird auf diese Weise Roland Kentsch nicht auch in Zukunft behaupten können, dass er der einzige bei Arminia ist, der machen und sagen kann, was er will? In einer Pressemitteilung bedauert Kentsch, wenn er im Rahmen seines Einsatzes für Arminia missverstanden worden ist. Was gibt es da misszuverstehen, wenn er sich gegenüber Untergebenen wie ein Diktator gebärdet, massiv in den Bereich des Geschäftsführers Sport eingreift und durch sein Auftreten Stadt und Sponsoren verprellt? Kentschs Doppelfunktion in Vorstand und Geschäftsführung zu beenden, war längst überfällig.

Er wird es leicht verschmerzen können, hat er sich doch über die Jahre so viele Abhängigkeiten geschaffen, dass sein Einfluss kaum gelitten haben dürfte. Die Frage ist doch, will und kann sich Arminia dieses System weiter leisten? Es steht zu bezweifeln, dass die geplanten Änderungen dazu führen werden, dass die Aufsichts- und Kontrollorgane des Klubs nun diesen Namen auch wirklich verdienen.

Wer steht mit Kentsch auf Augenhöhe? Wer hat – auch satzungsgemäß – die Macht, ihn klar in die Schranken zu weisen? Dies gilt es nachzuweisen, sonst dürften die Mitglieder bei der Versammlung am 22. Juni von diesem Vorschlag kaum zu überzeugen sein.

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