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Der Wandel bekommt erste Gesichter

Schormann tritt nach 19 Vorstandsjahren sofort zurück und Ex-Schatzmeister Kempa ist als Krisenhelfer im Gespräch

VON TORSTEN ZIEGLER
01.06.2009 | Stand 02.06.2009, 15:18 Uhr
Ex-Schatzmeister Rainer Kempa wird gedrängt, dem DSC zu helfen. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Ex-Schatzmeister Rainer Kempa wird gedrängt, dem DSC zu helfen. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Die Forderungen nach einem Neuanfang auf der Führungsebene von Arminia Bielefeld waren bis gestern gesichtslos. Dann erklärte Conrad W. Schormann nach 19 Jahren als Präsidiumsmitglied des DSC mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt. "Ich bin überzeugt davon, dass unser Verein vom Engagement Jüngerer profitieren kann. Gerade in der jetzigen Situation sind neue Impulse gefragt", begründete der 62-jährige Bielefelder Bestattungsunternehmer, der im Vorstand zuletzt für Sonderaufgaben eingeplant war, seinen seit dem Abstiegswochenende gereiften Entschluss.

Das schwache Erscheinungsbild mit Schuldzuweisungen in diverse Richtungen, das der DSC in der spontanen Aufarbeitung der Gründe des sportlichen Rückschlags abgegeben hat, mag Schormanns Vorhaben beschleunigt haben – obwohl er auch gesundheitliche Probleme als Argument anführt.

Mit Schormann geht dem DSC-Präsidenten Hans-Hermann Schwick ein langjähriger Weggefährte verloren. "Wir sind Conny zu großem Dank verpflichtet. Als wir 1990 gemeinsam anfingen, war Arminia fast am Nullpunkt. Es gab nicht viele, die Verantwortung übernehmen wollten. Conny hat die schwierige Aufgabe angepackt und insbesondere die Beziehung zur Stadt Bielefeld gepflegt", sagt Schwick.

Präsidiums-Nachwahl steht an

Auf der Seite der Abgänge hat Arminia somit den ersten namentlichen Eintrag. Laut Schwick wird deshalb bei der Jahreshauptversammlung am 22. Juni in der Stadthalle auf jeden Fall eine Präsidiums-Nachwahl durchgeführt. Ob es die Opposition der "Kritischen Arminen" dabei belässt oder doch, wie derzeit beabsichtigt, den Antrag auf Abwahl des gesamten Vorstands stellt, hängt maßgeblich davon ab, ob die jetzigen Entscheidungsträger in dieser Woche ihren Willen zu Umstrukturierungen und personellen Konsequenzen beweisen.

DSC-Vorstandsmitglied Conrad W. Schormann. - © ARCHIVFOTO: NW
DSC-Vorstandsmitglied Conrad W. Schormann. | © ARCHIVFOTO: NW

Dafür bietet sich in den Sitzungen von Verwaltungs- und Aufsichtsrat ab Mittwoch Gelegenheit. Die "Kritischen Arminen" fordern die Gremien auf, "keine Entscheidungen zu treffen, die einer nachhaltigen und auf einer langfristigen Konzeption basierenden Vereinspolitik entgegenstehen". Darüberhinaus zögert die Opposition mit der Präsentation eigener Präsidiumsaspiranten. "Zu gegebener Zeit" wolle man "die genauen Inhalte vorstellen und die Persönlichkeiten, welche unsere Konzeption umsetzen wollen". Die Liste möglicher Zugänge für den Umbruch wird von dieser Seite bewusst im Vagen gelassen – fast wie im politischen Wahlkampf, wo Gegenkandidaten eine zu frühe Proklamation scheuen.

Nach Informationen dieser Zeitung gibt es unabhängig von dieser oppositionellen Gruppe eine Person, die von vielen besorgten Arminen bedrängt wird, sich ins operative Geschäft des Fußball-Zweitligisten einzubringen. Es handelt sich um Rainer Kempa, der in der Schüco-Arena mit seinem Finanzdienstleistungsunternehmen "Kempa Consulting" sowie dem "Romantisch Wohnen"-Geschäft seiner Frau auf 300 Quadratmetern arbeitet.

Insolvenz abgewendet

War die Anmietung der Fläche in der Osttribüne schon ein Bekenntnis zur neuen Arminia, so erinnern sich jetzt einflussreiche Freunde des Vereins an die Kompetenz, die der Jurist als Schatzmeister des DSC zwischen 1986 und 1990 verkörperte. Seinerzeit verhinderte Kempa mit seinen Vorstandskollegen Jochen Willmann und Michael Jährling unter dem verstorbenen, hochgeschätzten Präsidenten Wolfgang Walkenhorst mit einem Vergleichsverfahren die drohende Vereins-Insolvenz.

Anfang 2008 erwarb sich der 57-Jährige auch die frische Anerkennung des aktuell amtierenden Arminen-Vorstands. Als es galt, eine Abfindungsregelung für den im Dezember 2007 entlassenen Trainer Ernst Middendorp zu gestalten, schlug Kempas Stunde. Er brachte die delikate Angelegenheit (Middendorps Vertrag war erst kurz zuvor verlängert worden) in den Gesprächen mit Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch zur Zufriedenheit beider Seiten zügig und seriös vom Tisch.

Kempa, der nicht als Berater Middendorps bezeichnet werden will, sondern als dessen "Vertrauensperson", stellt auf Nachfrage dieser Zeitung klar, dass er "nicht in Opposition zu handelnden Personen bei Arminia auftreten möchte". Dafür liege ihm "der Verein zu sehr am Herzen". Was unternommen werden muss und welche Rolle er dabei spielen könnte, damit der Absteiger kurz- und mittelfristig wieder ein erstklassiges Erscheinungsbild abgibt, diese Frage beschäftigt Rainer Kempa derzeit jedoch "beinahe rund um die Uhr".

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