Arminias Fans sind nach dem Abstieg ihres Klubs frustriert und wütend. Im Internet diskutieren sie die aktuelle Lage des Vereins und seine Zukunft. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Arminias Fans sind nach dem Abstieg ihres Klubs frustriert und wütend. Im Internet diskutieren sie die aktuelle Lage des Vereins und seine Zukunft. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Arminia-Kritik 2.0

DSC-Fans verschaffen sich im Internet Gehör

VON SVEN STICKLING

Bielefeld. Es kracht gewaltig im Gebälk des DSC Arminia Bielefeld. Vor allem die Fans des Klubs zeigen sich ob der derzeitigen Lage ihres Vereins enttäuscht, irritiert und wütend. Doch anstatt tatenlos das Geschehen rund um den DSC zu verfolgen, organisieren sie sich - im Internet.

Abseits des Rasens entspannt sich nach dem Abstieg eine kaum mehr zu überblickende, multimediale Diskussion zur Situation beim größten ostwesfälischen Fußballklub. Die Fans leiden mit, sie äußern ihr Leid und fordern Konsequenzen – alles digital.

Das Web 2.0 macht's möglich. Unabhängig von Zeit und Raum können im Internet Meinungen geäußert, Kommentare gelesen und erwidert werden. Fans nutzen sogar die Chance sich zu organisieren und untereinander abzustimmen. Immer mehr in Mode kommen zum Beispiel Online-Petitionen. Wo früher eifrige Unterschriftensammler bei Wind und Wetter mit Papierlisten und Stiften in den Innenstädten standen, um Bürger um Unterschriften zu bitten, ist heute nach ein paar Klicks die eigene Petition fertig. Alles ohne großen Aufwand und nasse Füße.

Petition zur Demission

Diesen unkomplizierten Weg haben auch einige besorgte Arminia-Fans gewählt. Unter dem Titel "Für die Demission von Roland Kentsch" fordern sie bei www.ipetitions.com die Ablösung des in ihren Augen untragbar gewordenen Finanzgeschäftsführers. Teilnehmen kann jeder, der bereit ist, seinen Namen und seine E-Mail-Adresse online anzugeben. Innerhalb weniger Stunden hatten am Donnerstag bereits über 100 Internet-Nutzer diese Petition unterschrieben, um ihre Unzufriedenheit mit dem gelernten Diplom-Volkswirt Kentsch auszudrücken.

Doch die Petition ist nur eine von vielen Möglichkeiten der Fans und Vereinsmitglieder, ihrem Ärger Luft zu verschaffen. Ob im dsc4ever-Forum, in Kommentaren zu im Netz veröffentlichten Artikeln hier auf nw-news.de, in privaten Arminia-Weblogs oder in eigens eingerichteten Gruppen bei Webcommunitys wie studiVZ – die Fans verfügen durch das Internet mittlerweile über multimediale Kommunikationsräume, in denen sie sich sogar zu Meinungsführern aufschwingen können.

Kritische Arminen wollen positive Veränderungen

Die "Kritischen Arminen" zum Beispiel setzen gezielt auf die am 22. Juni anstehende Jahreshauptversammlung (JHV) von Arminia Bielefeld. Auf ihrer Internetseite fordern sie schon jetzt alle Vereinsmitglieder dazu auf, sich gemeinsam für "positive Veränderungen im Verein" einzusetzen. Allein über diese Plattform hatten bis Donnerstagnachmittag mehr als 300 ihre Teilnahme an der JHV über eine Umfrage - "Kommst Du zur JHV 2009?" - angekündigt.  Im vergangenen Jahr waren 465 Arminen anwesend.

Die Vereinsmitglieder wollen diesmal Veränderungen, allen voran in Form einer neuen Vereinsführung. Eine auf nw-news.de gestartete Umfrage zeigt deutlich, dass die Schuldigen in der Vereinsführung ausgemacht werden.

Weit mehr als 3.500 Stimmen wurden bis Donnerstagnachmittag allein zu der Frage abgegeben, wer seinen Hut bei Arminia nehmen soll. Das Ergebnis: 58 Prozent der Teilnehmer fordern, dass neben Roland Kentsch auch Vereinspräsident Hans-Hermann Schwick und Sportgeschäftsführer Dammeier zurücktreten sollen. Das Krachen im Vereins-Gebälk dürfte dank Web 2.0 längst in allen Etagen des Vereins angekommen sein. Welche Folgen es hat, ist noch nicht abzusehen. Sicher ist nur, dass die derzeitigen Geschehnisse rund um Arminia Bielefeld auch die digitale Welt in Atem halten.

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