Arminia-Vorstand erinnert Fans "an das Politbüro"

Der Abstieg frustriert und enttäuscht die Fans, zugleich beflügelt er sie, mehr Einfluss zu nehmen

VON ANSGAR MÖNTER
Arminia-Fans wollen

sich einmischen - © ARMINIA
Arminia-Fans wollen
sich einmischen | © ARMINIA

Bielefeld. Vielleicht denken die Verantwortlichen im Vorstand von Arminia, dass die Woge der Erregung unter den Fans bald abebbt, dass zur Jahreshauptversammlung am 22. Juni noch hier und da gemosert wird, alles in allem aber alles so bleibt, wie es ist. Möglicherweise täuschen sie sich. Denn unter den Anhängern rumort es gewaltig. Einige bereiten sich auf die Versammlung in einem Monat vor, um endlich auf die Vereinspolitik Einfluss nehmen zu können.

"Das Präsidium erinnert an das Politbüro in seinen letzten Zuckungen", sagt Lutz von Rosenberg Lipinsky von der Organisation der "Kritischen Arminen". Mehrere personelle Wechsel seien überfällig. "Wir werden uns einmischen, denn wenn wir es auf politischer Ebene nicht tun, ändert sich nichts."

Die Verantwortung für den sportlichen Niedergang sieht Rosenberg Lipinsky – wie alle anderen aktiven Fans – weniger bei Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier oder Ex-Trainer Michael Frontzeck ("Das waren nur billige Lösungen, die keine Forderungen stellen"), sondern bei denen, die den Verein führen: Präsident Hans-Hermann Schwick, dem untätigen Vorstand, dem nickenden Aufsichtsrat und vor allem dem Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch. Dessen Allmacht im Verein sei falsch. "Das Machtgefüge, das spätestens seit dem Abgang von Thomas von Heesen aus den Fugen geraten ist, muss wiederhergestellt werden", fordert Rosenberg Lipinsky. Das Ziel der Kritischen Arminen ist ein offener, lebendiger Verein mit inspirierendem Fußball. "Ein freies und fröhliches Spiel wurde in den letzten Jahren nicht mehr zugelassen."

Der Ruf nach Konzepten

Auf eine starke sportliche Führung hofft ebenfalls Thomas Brinkmeier, aktiver Fan von der Südtribüne. "Wir brauchen Leute, die Konzepte und Visionen haben", sagt der 24-Jährige. Das sei sogar wichtiger als der direkte Wiederaufstieg. Brinkmeiers größte Sorge ist es, dass es wieder keine Konsequenzen auf Führungsebene gibt, sondern "dass uns nur ein Bauernopfer dargebracht wird". Für ihn waren die Arminia-Fans zu lange zu unkritisch. "Wir haben schon lange gesehen, dass es sportlich abwärts geht."

Die Anhänger von Arminia Bielefeld machen nach dem Abstieg ihrem Ärger Luft. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Die Anhänger von Arminia Bielefeld machen nach dem Abstieg ihrem Ärger Luft. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Als Hauptverantwortlichen haben er und die anderen Fans ebenfalls Roland Kentsch ausgemacht, der zwar in Sachen Finanzen gute Arbeit leiste und sich dadurch "unangreifbar" gemacht habe, für das kritiklose Umfeld innerhalb und außerhalb des Vereins aber die Verantwortung trage. Lutz von Rosenberg Lipinsky hält Kentsch jedoch auch kaufmännisch nicht für unangreifbar. "Nach fünf Jahren Bundesliga ist es nicht gelungen, genug Einnahmen zu generieren, da sind wir immer noch Schlusslicht. Auf der anderen Seite wurde das Geld rausgeblasen für Verträge, die kurz vorher noch verlängert wurden."

Trotz der deutlichen Schelte glauben auch die Kritischen Arminen nicht, dass Finanz-Chef Kentsch abgelöst werden kann. "Der hat einen guten Vertrag." Seine Doppelfunktion als Schatzmeister stehe jedoch zur Disposition. Und auf jeden Fall soll es einen Generationswechsel im Vorstand geben. Rosenberg Lipinsky gibt sich kämpferisch: "Wir lassen uns nicht einschüchtern oder korrumpieren." Er kann sich vorstellen, dass der Vorstand aus den Reihen der Fans aufgefüllt wird. Auf die Jahreshauptversammlung werde man sich jedenfalls gut vorbereiten.

Starker Trainer gesucht

Wie Brinkmeier glaubt Jörg Hansmeier vom Fan-Projekt, dass die Führungsriege nur mit der Präsentation eines starken Trainers wieder ein Stück Ruhe – zumindest vorübergehend – erzeugen kann. "Sollte es aber sportlich nicht laufen, würde die Kritik am Vorstand sofort wieder laut werden", sagt Hansmeier. "Alle Fans haben die Hauptschuldigen für die Situation identifiziert", ergänzt Rosenberg Lipinsky.

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