Video online Die große Selbstkritik bleibt aus

Detlev Dammeier und Roland Kentsch stellen sich beim Arminen-Stammtisch

Bielefeld (jov). Zwei Tage sind seit dem Erstliga-Knockout für die Arminia vergangen. Wenig Zeit, um die Gründe des Abstiegs zu analysieren, aber viel Zeit, um Schuldige zu benennen. Im Fokus der Kritik befinden sich neben Präsident Hans-Hermann Schwick vor allem die beiden Geschäftsführer Detlev Dammeier und Roland Kentsch. Sie standen am Montagabend beim Arminen-Stammtisch von Radio Bielefeld Rede und Antwort. Doch wer schonungslose Selbstkritik erwartet hatte, wurde enttäuscht. Erstmals wurde der Stammtisch, der traditionell nach der Hin- und nach der Rückrunde stattfindet, nicht öffentlich ausgetragen. Grund dafür sei nicht die Kontaktscheue der DSC-Verantwortlichen, sagte Moderator Uli Zwetz. Vielmehr sei bei der Terminplanung noch nicht entschieden gewesen, wo sich die Arminen wegen der möglichen Relegationsspiele örtlich befunden hätten.   Dammeier und Kentsch betonten beide, dass die herbe Kritik, die Präsident Schwick kurz nach Spielende an Dammeier geäußert hatte, ausgeräumt sei. Schwick hatte bemängelt, dass die sportliche Führung zur Winterpause keinen weiteren Stoßstürmer geholt habe, obwohl das Geld für einen solchen Transfer vom Vorstand bereitgestellt worden wäre."Unterm Strich habe ich keine Argumente" Finanziell seien die Möglichkeiten zu begrenzt gewesen, befand Dammeier. "Ich kenne die Zahlen. In den Spielern, die wir uns hätten leisten können, haben wir keine Verstärkung gesehen". Arminia sei zudem nicht so attraktiv, dass mögliche Kandidaten sagen würden: "Juchee, ich hab ein Angebot von Arminia Bielefeld." Trotz der fehlenden Verstärkung habe es aber nicht an Torchancen gefehlt. Das Team sei intakt und habe zudem 15 Mal einen Rückstand aufgeholt. Die Ergebnisse hätten dennoch gefehlt. "Unterm Strich habe ich keine Argumente, wenn wir absteigen." Die mangelhafte Qualität des Kaders wollte sich Dammeier auch weiterhin nicht vorhalten lassen. "Wir haben aus meiner Sicht nicht viel falsch gemacht." Einen Chris Katongo würde er jederzeit wieder verpflichten, sagte der Sportgeschäftsführer. Er räumte ein, dass sich Talente wie Berat Sadik nicht so entwickelt haben, wie man sich das erhofft hatte. Umstrittene Entscheidungen am Anfang der Saison betreffend des Abgangs der Führungsspieler Hain und Gabriel habe er zu verantworten, so Dammeier. "Der Kritik muss ich mich stellen, davor laufe ich nicht weg. Wir haben uns zusammengesetzt, mir ist das Vertrauen ausgesprochen worden, jetzt planen wir die neue Saison." Roland Kentsch nahm vor allem die Stadt Bielefeld in die Pflicht. Die Kommune trage eine Mitschuld, weil sie anders als Städte anderer Profivereine wie Aachen oder Mainz dem Verein nicht ausreichend unter die Arme greife. "Sämtliche Belastungen des Stadions wurden in die Hände des Klubs gelegt", sagte Kentsch. Dadurch wären die knappen Mittel im sportlichen Bereich zusätzlich begrenzt gewesen. "Die Stadt muss sich fragen, ob man den wichtigsten Imageträger angemessen unterstützt hat."Steine statt Beine? Den Vorwurf, Arminia habe in Steine statt Beine investiert, wies Kentsch scharf zurück. Zum Abschluss des Stadionausbaus sei der Verein wegen der Lärmschutzauflagen verpflichtet gewesen. "Sonst hätte der Spielbetrieb an der Melanchthonstraße aufgegeben werden müssen." Es werde überhaupt nicht gewürdigt, was der Verein geleistet habe, um das Wohngebiet zu befrieden und das Stadion fertigzustellen. Einen neuen Trainer wollen Kentsch und Dammeier zeitnah präsentieren. Wie das Gesicht der Mannschaft aussehen wird, ist ungewiss. In der zweiten Liga stünden nun weitere Einschnitte an, sagte Kentsch. "Die Gehälter werden sich auf acht bis neun Millionen begrenzen müssen."

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