Abstieg stürzt Arminia ins Chaos

Fans greifen Vorstand an / Schwick kritisiert sportliche Leitung / Dammeier korrigiert Klubchef

VON TORSTEN ZIEGLER
Artur Wichniarek scheitert in der 87. Minute an Florian Fromlowitz. Der 2:2-Ausgleich des Polen in der 90. kommt definitiv zu spät. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Artur Wichniarek scheitert in der 87. Minute an Florian Fromlowitz. Der 2:2-Ausgleich des Polen in der 90. kommt definitiv zu spät. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Abstieg stürzt 

Arminia ins Chaos - © ARMINIA
Abstieg stürzt
Arminia ins Chaos | © ARMINIA

Bielefeld. Beim Katertreffen im Stadion am Morgen nach dem Abstieg sieht Rüdiger Kauf noch eine Spur blasser aus als sonst. "Ich habe ganz schlecht geschlafen", sagt er. Es gilt, den Abstieg aus der Bundesliga zu verarbeiten. Es fällt ihm, dem wackeren Arminen, der immer alles gibt, brutal schwer: "Das ist sehr, sehr bitter, obwohl wir am Ende klar sagen müssen, dass der Abstieg völlig verdient ist."

Mit dem 2:2 gegen Hannover war Arminia sogar vom 16. erstmalig auf den 18. Platz gerutscht. Letzter - eine finale Watschn in dieser Saison, die den siebten Erstliga-Abstieg der Klubgeschichte einträgt. Den Rekord teilt sich Arminia mit Nürnberg, ansonsten bedeuten auch die 16 Unentschieden eine Saisonhöchstmarke. Die verloren gegangene Heimstärke (zwei Siege, der letzte im November) nannte Kauf als Grund für den Abstieg. Im Auftritt gegen Hannover sah er "ein Spiegelbild für die ganze Saison".

Diesmal war es der gegen Ende der Saison völlig ausgelaugt wirkende Artur Wichniarek, der große Chancen ausließ, drei an der Zahl. Mit jener in der 40. Minute hätte er nach dem frühen Eigentor von Mario Eggimann (2. Minute) den Glauben an die Retterkräfte von Kurzzeittrainer Jörg Berger manifestieren können. Radim Kucera passte perfekt in den Rücken der Hannoveraner Abwehrspieler und gut 25.000 Fans in der ausverkauften Schüco-Arena hätten sich in diesem Augenblick den Wichniarek der Hinrunde in den Strafraum gewünscht.

Schwächen wurden in der Saison bestraft

Der hätte wohl mit verbundenen Augen das 2:0 erzielt und 96 hätte wahrscheinlich nicht mehr in die Partie zurückgefunden. Zermürbt von dem ewigen Einzelkampf in Arminias Angriff schoss der Pole zu unplatziert und Ersatzkeeper Florian Fromlowitz wehrte per Fuß ab. Schwächen wie diese wurden oft genug in dieser Saison bestraft. Den Gästen gelang das, weil Arminia sich eben nicht wie von Berger gefordert, "läuferisch klar von Hannover" abhob. Jiri Stajner (57.) und Sergio Pinto (84.) drehten die Partie mit zwei Toren. Als Wichniarek endlich ausglich, lief schon die 90. Minute. Es war der 13. Treffer des 32-Jährigen, 13 von 29, die Arminia insgesamt erzielte und auch damit den Negativ-Wert der Liga aufstellte.

Diese Bilanz brachte den Klubchef Hans-Hermann Schwick dermaßen auf, dass er gegen die eigene sportliche Leitung schoss. Draußen tobten die nur durch erheblichen Einsatz von Ordnern und Polizisten in Schach zu haltenden Fans und stellten Rücktrittsforderungen ("Vorstand raus"), drinnen berichtete Schwick: "Ich habe die sportliche Leitung vor der Saison darauf hingewiesen, dass die Struktur in der Mannschaft nicht stimmt und das dann zwei Mal wiederholt, einmal verbunden mit der öffentlichen Forderung, dass wir in der Winterpause zwei Stürmer holen müssen. Am Finanziellen wäre es nicht gescheitert, aber die sportliche Leitung hat nicht einmal gefragt, wie viel Geld zur Verfügung steht. Wir sind abgestiegen, weil nur ein Artur da war und kein zweiter Stoßstürmer."

 "Durcheinander im Verein"

Auf die Frage, warum Arminia angesichts dieser fundamentalen Kritik im Dezember den Vertrag mit Sportchef Dammeier verlängerte, schränkte Schwick ein, hauptsächlich Ex-Trainer Michael Frontzeck gemeint zu haben: "Sie können doch am Trainer vorbei keine Spieler verpflichten, die er nicht will." Der Dortmunder Diego Klimowicz wäre für den Vorstand ein geeigneter Mann gewesen, ihn schnappte sich Bochum. Den Eindruck eines "Durcheinanders im Verein" (Kauf) komplettierte Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier: "Ich kenne Arminias Zahlen genau. Wenn kolportiert wird, wir hätten Klimowicz kriegen können, ist das falsch."

Berger rät: Neue Ziele setzen

Trotz seiner missglückten Mission nimmt Jörg Berger "etwas Positives" mit aus Bielefeld heim: "Die Mannschaft ist intakt. Trotz der kurzen Zeit hatte ich einen guten Draht zu den Spielern." Der Kenner der 2. Liga empfahl den DSC-Profis bei seinem Abschied aus Bielefeld, dass "sie umdenken müssen. Für die 2. Liga sollten sie sich neue Ziele setzen". Noch am Samstagabend hatten sich Berger und die Klubführung geeinigt, die Zusammenarbeit zu beenden. (pep)
     

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