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Plädoyer für Katongo

Frontzeck stärkt überragendem Angreifer den Rücken

VON PETER BURKAMP
04.05.2009 | Stand 05.05.2009, 17:51 Uhr
Plädoyer für Katongo - © ARMINIA
Plädoyer für Katongo | © ARMINIA

Bielefeld. Er ließ sich nichts anmerken, aber es schien beinahe so, als wäre Michael Frontzeck sogar ein wenig dankbar dafür, dass die Sprache auf Chris Katongo kam. Ob es das bisher beste Spiel des Angreifers gewesen sei, lautete die Frage nach dem 2:2 gegen Stuttgart. Anstatt mit einem einfachen und in diesem Fall völlig berechtigten "Ja" zu antworten, setzte Arminias Trainer zu einem Plädoyer an.

"Grundsätzlich" nämlich, lasse er nichts auf Katongo kommen, sagte Frontzeck mit einem Hauch von Trotz in der Stimme. Dem Trainer ist nicht entgangen, dass sein Schützling im Umfeld schon als teuerster Fehleinkauf aller Arminia-Zeiten gehandelt wird. Stürmer werden an Toren gemessen. Das weiß auch Michael Frontzeck. "Ich möchte Katongos Wertigkeit für uns aber nicht allein von Toren abhängig machen", sagte er.

Durch Katongos Vorstellung gegen Stuttgart dürfte er sich bestätigt fühlen. Was das Läuferische betraf, erreichte der Kapitän der sambischen Nationalmannschaft Kaufsche Werte. Seine Allgegenwärtigkeit auf dem Platz half Arminia mehrmals in höchster Abwehrnot und sorgte mit dafür, dass der DSC nach der Pause die Platzhälfte der Stuttgarter beinahe in Dauerbelagerung nahm. "Was Katongo heute geleistet hat – defensiv wie offensiv – war schon überragend", meinte Geschäftsführer Detlev Dammeier.

Katongo-Treffer sind eine Rarität

Nicht zu vergessen sein wichtiges Tor zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Katongo-Treffer sind eine Rarität. Es war erst sein drittes am 30. Spieltag dieser Saison. Auch Arminias Verantwortliche hatten sich mehr versprochen. Frontzeck verschweigt nicht, dass "Chris die eine oder andere Chance hat liegenlassen". Wie im Hinspiel in Stuttgart, oder wie zuletzt in Cottbus. Eben deshalb hat Katongo einen schweren Stand im Umfeld und eben deshalb schlüpft sein Trainer auch in die Rolle seines Verteidigers.

Chris Katongo lässt Stuttgarts Jens Lehmann beim 1:1 keine Chance. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Chris Katongo lässt Stuttgarts Jens Lehmann beim 1:1 keine Chance. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Chris Katongo spürt, dass speziell seine Leistungen mit besonders kritischen Augen verfolgt werden. Bei seinen wenigen Auftritten vor den Medien wirkt er wie ein in die Ringecke gedrängter Boxer. So als müsste er sich Woche um Woche dafür rechtfertigen, dass man mit 1,7 Millionen Euro nicht automatisch auch zehn Bundesligatore eingekauft hat. Gegen Stuttgart hat er wieder getroffen, dazu noch eine starke Leistung geboten – Katongo war dennoch weit davon entfernt, sich damit zu brüsten. Im Gegenteil. Über seine Vorstellung mochte er gar nicht sprechen: "Meine Leistung sollen andere beurteilen." Fußball sei wie Bergsteigen: manchmal komme man eben oben nicht an.

Für ihn sei das Wichtigste, dass Arminia in der Bundesliga bleibe, versichert Katongo. Dafür werde er bis zum Schluss kämpfen. Zusammen mit dem Team. "Ich bin nicht allein für das Abschneiden verantwortlich", sagt Katongo und lässt durchblicken, wie gern er den Fans gefallen würde: "Wenn wir drinbleiben, bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt."

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