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Voller Vertrauen und Sicherheit

Munteanu besorgt am Tag nach der Geburt seines Sohnes den 2:2-Ausgleich gegen Stuttgart

VON UWE KLEINSCHMIDT
04.05.2009 | Stand 04.05.2009, 07:40 Uhr
Voller Vertrauen

und Sicherheit - © ARMINIA
Voller Vertrauen
und Sicherheit | © ARMINIA

Bielefeld. Die Angelegenheit kommt daher wie eine Rosamunde-Pilcher-Geschichte. Vlad Munteanu, Winterzugang von Arminia Bielefeld, wird am Freitagmorgen um 8.42 Uhr in Bukarest erstmals Vater ("Ich habe alles gefilmt!"), kehrt dann über fliegerische Umwege zurück zur Mannschaft, wird am Samstag beim Stand von 1:2 eingewechselt, 18 Sekunden später gibt es Elfmeter, er schnappt sich den Ball und verwandelt zum 2:2 und damit Happyend.

Beim Abspann boten die Bielefelder Fans dem jungen Papa und seinen Kollegen ihre Ovationen stehend dar. Das Remis gegen den zuvor fünfmal in Reihe siegreichen VfB Stuttgart hatte die Züge eines Sieges. Selten war die Stimmung auf den Rängen so überbordend gewesen, selten so zuversichtlich. DSC-Präsident Hans-Hermann Schwick wähnte sich kurz in einstigen, ruhmreichen Zeiten der Heimspiel-Festung: "Das war wieder die alte Alm . . . pardon, das darf ich ja nicht mehr sagen: Schüco-Arena natürlich. Die alte Schüco-Arena-Stimmung."

Vlad Munteanu verwandelt gegen Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann sicher zum 2:2 – eine Minute nach seiner Einwechslung. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Vlad Munteanu verwandelt gegen Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann sicher zum 2:2 – eine Minute nach seiner Einwechslung. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Das 0:1 nach dreieinhalb Minuten durch Matthieu Delpierre hatten die Arminen klaglos hingenommen und mit Chris Katongos drittem Saisontreffer zum 1:1 beantwortet. Und auch das schwäbische Dusel-Tor (weil abgefälscht) von Thomas Hitzlsperger zum 1:2 schockte die Gastgeber auf dem Weg Richtung Klassenerhalt nicht. Sie kämpften, spielten – und erzwangen das Glück. Als Hitzlsperger in der 67. Minute den entwischten Thorben Marx im Strafraum fällte, war das eine Bilderbuch-Szene aus dem Foulelfmeter-Katalog. Die drei zuvor benannten Schützen: Chris Katongo, Thorben Marx oder Andre Mijatovic. Doch Munteanu, "mit dem Kind im Rücken", wie Trainer Michael Frontzeck es umschrieb, klärt die Situation sofort und erledigt seinen ersten Ballkontakt mit der Hand. Mit dem Ball in derselben geht er zielsicher zu Punkt.

"Ich war mir einfach sicher"

"Ich habe ihn gefragt, ob er ihn reinmacht", erklärte Marx die extrem kurzen Verhandlungen später. "Und Vlad hat gesagt: ’Ja, ich mach ihn rein.’ Damit war das für mich erledigt." Munteanu: "Ich hatte überhaupt keine Angst, nur volles Vertrauen. Egal, ob da der Lehmann im Tor steht oder sonstwer. Ich war mir einfach sicher." Munteanu läuft also an wie ein Sprinter, schickt den Sommermärchen-Torwart in die rechte und schießt den Ball in die linke Ecke. Den Jubellauf bestreitet der Rumäne mit dem rechten Daumen im Mund. Ein Gruß in die Heimat und an Sohn David, bevor die Mannschaftskameraden Munteanu zu fassen bekommen.

Bei einem Pfostenschuss des diesmal erfolglosen Stuttgarters Mario Gomez haben die Arminen noch Glück, sind aber in der zweiten Halbzeit zur Überraschung der 25.800 Zuschauer die spielbestimmende Mannschaft. Und haben sich zumindest diesen einen Punkt gegen einen Favoriten redlich verdient. "Bielefeld ist besser als der Tabellenplatz aussagt. Es ist schwer, hier zu gewinnen", anerkannte Hitzlsperger. Michael Frontzeck brach eine weitere Lanze für sein Team: "Ein fantastisches Spiel für die Fans. Meine Mannschaft hat eine unglaubliche Moral bewiesen. Das, was sie nach drei Heimniederlagen und dem 0:1-Rückstand in Mönchengladbach hier geboten hat, fordert mir den allerhöchsten Respekt ab."

Arminia Bielefeld - VfB Stuttgart 2:2 (1:2)

Bielefeld: Eilhoff - Kucera, Mijatovic, Bollmann, Schuler - Kauf, Marx - Kirch, Tesche, Halfar (67. Munteanu) - Katongo
Stuttgart: Lehmann - Träsch, Boulahrouz, Delpierre, Magnin - Hilbert (60. Simak), Khedira, Hitzlsperger (85. Elson), Lanig - Gomez, Cacau (76. Marica)

Tore: 0:1 Delpierre (4.), 1:1 Katongo (30.), 1:2 Hitzlsperger (35.), 2:2 Munteanu (68., Foulelfmeter)

Zuschauer: 25.800

Schiedsrichter: Felix Brych (München)

Gelbe Karten: Halfar (5) - Delpierre (5), Hilbert (3), Magnin (3)

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