Bielefeld hat den Ruhepuls

Die Fan-Kolumne von Philipp Köster

Es gibt englische Wettanbieter, die nehmen selbst auf obskure Sachverhalte Wetten an. Etwa, dass Olaf Thon überraschend Trainer bei Schalke 04 wird. Oder dass der 1.FC Köln doch nicht mehr Lukas Podolski holen möchte, weil sich der Spieler ganz offenbar zu wenig mit dem Klub identifiziert.

Spätestens seit letztem Wochenende ist sicher auch der Klassenerhalt von Arminia in die Kategorie der eher unwahrscheinlichen Ereignisse gerückt, dem unschönen Restprogramm sei Dank. Nun könnten wir natürlich in diesen Klagegesang einfallen und die letzten Partien als große Abschiedstournee deklarieren. Noch einmal im Westfalenstadion kicken, noch einmal den VfB Stuttgart auf der Alm begrüßen und dann wieder hinab in die Niederungen, in denen Mannschaften heißen wie ein Geburtsvorbereitungskurs (Wehen Wiesbaden) und deren Spitzenspiele an Tagen stattfinden, an denen sich der rechtschaffene Fußballfan vom Wochenende ausruht.

Doch stattdessen sind wir frohgemut. Nicht unbedingt, weil wir glauben, dass Arminia in den letzten Spielen doch noch mal ins Tor trifft. Sondern weil am Ende mal wieder unsere Jahrzehnte lange Erfahrung den Ausschlag geben wird. Während anderswo Trainer und Spieler krampfhaft nach ihren Herztabletten kramen, hat ganz Bielefeld einen medizinisch kaum nachweisbaren Ruhepuls. Weder werden apokalyptische Szenarien entworfen ("Region stirbt") noch bereits Nachfolger des Trainers gehandelt. Denn Arminia wird sich von Punkt zu Punkt würgen, unansehnlich spielen, keine Tore schießen. Und drin bleiben. Wir würden fast drauf wetten.

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