Rechts, Mitte, vorne, hinten

Mittelfeldmann Kirch genießt seine Position und bleibt Bielefeld zunächst bis 2010 erhalten

Bielefeld. Eintracht Frankfurt ist für Oliver Kirch in dieser Saison ein sehr besonderer Gegner. Im Hinspiel, beim 1:1 am 28. September 2008, brach sich der rechte Mittelfeld-Spieler mit Startelf-Garantie die Speiche im linken Unterarm, kurz vor dem Handgelenk, und fiel anschließend sechs Wochen lang aus. Im Rückspiel an diesem Sonntag um 17 Uhr in der Schüco-Arena wird sich sein Vertrag bei Arminia Bielefeld mit dem Halbzeitpfiff gegen 17.45 Uhr um ein Jahr verlängert haben. "20 Einsätze über mindestens 45 Minuten", erklärt Kirch die Vertragsklausel, die eine automatische Verlängerung bis zum 30. Juni 2010 zur Folge hat. Wenn alles normal läuft, Kirch also von Beginn an spielt und nicht – wie einst am Main – in der 37. Minute verletzt raus muss. Ohne den Bruch in Frankfurt wäre es schon vorher soweit gewesen. Dabei war der 26-Jährige "gesprächsbereit, auch darüber hinaus vorzeitig zu verlängern", doch seit Januar sei noch niemand von den Arminia-Verantwortlichen auf ihn zugekommen. Dass es klappt mit der Verlängerung, ist höchst wahrscheinlich. Denn Kirch spielt eine grundsolide Saison auf der rechten Seite. Wobei er in seiner Spielauffassung gar nicht so sehr an der Außenbahn klebt. "Ich zieh auch mal in die Mitte, mache auch weitere Wege, tauche mal vorne und mal hinten auf." Bei Borussia Mönchengladbach, von wo Kirch 2007 – nach der Station beim SC Verl – zu den Arminen gekommen war, habe er auch schon hinter den Spitzen gespielt. "Eine absolute Lieblingsposition habe ich eigentlich nicht. So wie hier kommt es mir schon entgegen. Ich mag nicht nur offensiv sein oder nur defensiv. Ob Raute oder Tannenbaum – ich spiel das", sagt Kirch lächelnd. Seine Trauma mit dem Unterarm bleibt auch vor dem Wiedersehen mit Eintracht Frankfurt auf das Körperliche beschränkt. Kirch: "Ich hab neulich schon überlegt, ob mir das irgendwas ausmacht. Aber mehr als die Narbe und die Metallplatte, die irgendwann mal wieder raus muss, erinnert mich nicht daran. Absolut kein Problem." Wenn überhaupt, beschäftigt ihn heute höchstens noch der Unfallhergang ohne gegnerische Einwirkung: "Ich hab aufs Tor geschossen, ein Frankfurter ist noch dazwischen gegangen und irgendwie bin ich mit dem Standbein weggerutscht. Aber genau weiß ich immer noch nicht, wie das passiert ist." Rutscht Frankfurt in den Abstiegskampf? Das und seine "Vertragsverlängerung vor Publikum" werden ihn am Sonntag wenig interessieren. Ein wichtiges Spiel steht an gegen eine Mannschaft, "die wohl selbst nicht damit gerechnet hat, da unten reinzurutschen", wie Kirch meint. Mit derzeit 23 Punkten steht die Eintracht auf Platz 13, drei Punkte vor der Arminia. Bei einem Bielefelder Sieg ist Frankfurt also dabei im dicksten Schlamassel. Kirch meint, ein Vorteil für Arminia: "Da geht’s jetzt los, dass sie über den Klassenerhalt sprechen. Aber wir spielen schon um den Klassenerhalt und reden nicht nur vom Kämpfen. Wir sind diese Situation gewohnt, kennen ja praktisch nichts anderes." Ein Sieg wäre also perfekt. 23 Punkte, ein weiteres Team in den Abstiegskampf gezogen und ein Trostpflaster auf eine Narbe am Unterarm geklebt.

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