Plötzlich ist es aus

Ex-Armine Wieczorek darf nach Schädelbruch nicht mehr spielen

VON PETER BURKAMP
Arminias früherer Jugend- und Regionalligaspieler Christian Wieczorek (l.) muss schon mit 23 Jahren seine Profikarriere wegen eines Schädelbruchs beenden. - © FOTO: ARCHIV, THOMAS F. STARKE
Arminias früherer Jugend- und Regionalligaspieler Christian Wieczorek (l.) muss schon mit 23 Jahren seine Profikarriere wegen eines Schädelbruchs beenden. | © FOTO: ARCHIV, THOMAS F. STARKE

Vaduz/Bielefeld. Am 18. Mai vergangenen Jahres erlitt Landesligaspieler Steven Jones beim Spiel in Verl schwere Kopfverletzungen. Die Meldung, dass der Mindener Stürmer ins Koma gefallen war, erschütterte die heimische Fußballszene. In Ostwestfalen unbeachtet, hatte nur vier Wochen vor Jones’ Unfall einen ehemaligen Arminen in der Schweiz ein ganz ähnliches Schicksal ereilt: Christian Wieczorek, Profi beim Liechtensteiner FC Vaduz, erlitt einen Schädelbruch, der ihn zur Aufgabe seiner Karriere zwang.

Der Anruf aus Bielefeld erreicht Christian Wieczorek beim Training des FC Vaduz. Im Hintergrund hört man, wie Trainer Pierre Littbarski die Spieler über den Platz scheucht. Wieczorek schaut zu. "Der Trainer mag das nicht", erzählt der 23-jährige Bielefelder. Doch es fällt ihm nicht leicht, Abstand zu gewinnen. "Fußball ist mein Leben, und ich bin immer noch gern dabei", sagt er. Seit dem 14. April allerdings nur noch als Beobachter. An diesem Tag bricht während eines Zweikampf seine Schädeldecke. Als Wieczorek "schummrig" wird, hört er auf und wird ins Krankenhaus gebracht. Dort wird der Knochen mit Platten gerichtet. Wieczoreks Eltern, seine Schwester und deren Mann reisen in die Schweiz, um Beistand zu leisten.

Als wenig später die Aufstiegsfeier in die erste schweizer Liga, die Super-League, steigt, ist Wieczorek krank geschrieben und nur mit halbem Spaß dabei. Zuvor trägt er als Stammspieler viel zum Aufstieg bei. Anfangs hat Wieczorek noch die Hoffnung, dass seine Zwangspause nicht von Dauer ist. Im Oktober jedoch raten ihm die Ärzte dringend dazu, nie wieder Fußball zu spielen. "So hart das ist, aber ich bin nicht lebensmüde. Wenn mir das noch einmal passiert, droht ein Leben im Rollstuhl", sagt Wieczorek.

Mühlen der Bürokratie mahlen langsam
Neun Monate nach dem Unfall spürt er noch immer dessen Folgen. Nach dem Joggen plagen ihn häufig Kopfschmerzen. "Ich wache nachts oft auf und träume schlecht", sagt er. Neben dem Versuch, körperlich wieder fit zu werden, kämpft Wieczorek um eine Invaliditätsrente. Die für alle Spieler des FC Vaduz obligatorische Versicherung hat er natürlich auch abgeschlossen. Ob sie nach Vertragsende am 30. Juni eine Rente und wenn in welcher Höhe zahlt, steht nicht fest. "Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. Da sind noch einige Anträge auszufüllen", sagt Wieczorek.

Spätestens im Sommer will er wieder in seine Heimat nach Bielefeld zurückkehren. Auch künftig möchte er sich mit dem Fußball beschäftigen - nachdem er selbst nicht mehr an den Ball treten kann als Trainer. "Ich bin schon in Kaiserau angemeldet. Dort will ich zunächst meine C-Lizenz machen", sagt Wieczorek. Bleibt zu hoffen, dass er nach vier Profijahren auf dem Platz an der Seitenlinie von weiteren Schicksalsschlägen verschont bleibt.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group