MIT QUIZ ZU ANSGAR BRINKMANN 20 wahnsinnig wilde Jahre

Brinkmann beendet turbulente Karriere mit Abschiedsspiel in Bielefeld

VON PETER BURKAMP

Bielefeld. "Das Leben ist ein bunter Teller." Wenn Ansgar Brinkmann irgendwann mal ein Buch über sein Leben als Profi-Fußballer schreiben sollte, wäre dieser von ihm gern benutzte Satz sicherlich der ideale Titel. Bunt waren die 20 Jahre von 1987 bis 2007 tatsächlich. Häufig schrill, gelegentlich mal düster, aber nie eintönig.

In seinem Sinn kunterbunt soll es am Freitag, 19.30 Uhr, in der Schüco-Arena zugehen. Brinkmann, der am 5. Juli 40 Jahre alt wird, hat zu seinem Abschiedsspiel geladen. In Bielefeld treffen sich frühere Weggefährten, um gegen eine Arminia-Auswahl noch einmal Spielfreude und Spaß am Fußball zu leben. Thomas Berthold, Sergej Barbarez, Uwe Bein, Mario Basler, Thomas Häßler, Mathias Hain, Fatmir Vata und sogar Boxer Dariusz Michalczewski sowie Handballer Stefan Kretzschmar wollen kommen.

Farbtupfer im Liga-Einerlei
Fehlen wird sicherlich auch der Brinkmannsche Übersteiger nicht. Sein Markenzeichen, das mitverantwortlich dafür ist, dass der Mann aus dem niedersächsischen Bakum zum "weißen Brasilianer" wurde. Brinkmanns Art, Fußball zu spielen, begeisterte die Fans und bleibt in Erinnerung als ein Farbtupfer im Liga-Einerlei, in dem es manches Mal nur darum geht, Tore zu verhindern, anstatt welche zu schießen. "Wenn’s nicht läuft, brauchst du Spieler, die aus einem 0:1 ein 2:1 machen können. Zu denen wollte ich immer gehören", sagt Brinkmann.

Fußball versteht er als Unterhaltung. Sich selbst als eine Art Showmaster. "Wenn keiner mehr etwas wagt, wird es doch langweilig." Riskant, mitreißend und immer wieder den Zweikampf suchend, kennt Brinkmann nur eine Richtung: nach vorn. Wenn nötig mit dem Kopf durch die Wand. "Ich bin nicht einfach", räumt er ein. Das trifft sowohl auf den Spieler als auch auf den Menschen zu. 14 Mal wechselte er den Verein. Mehrfach legte er sich mit seinen Trainern an. Mit Winfried Schäfer bei TeBe, mit Stefan Kuntz in Ahlen und mit Peter Pacult in Dresden. Auch Arminias Trainer Benno Möhlmann hatte Brinkmann die dunkelgelbe Karte gezeigt, als er auf seinem 33. Geburtstag im Trainingslager ausgebüchst war. Brinkmann – ein bunter Vogel.

Taxidach statt Bürgersteig

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In jungen Jahren hinterließ er auf seinem Anrufbeantworter, er sei bis 5 Uhr in seiner Stammkneipe zu erreichen. Manchmal stimmte das wohl auch. Dabei sei er doch schon "nach drei Bier beschwipst", erzählt der Sohn eines Schuhverkäufers. Und ist er mal beschwipst, verschwimmen schon mal die Konturen. Dann verwechselt Brinkmann den Bürgersteig mit Taxidächern oder den Bielefelder Jahnplatz mit einer Toilette. "Ich bin kein Engel und werde wohl nie den Friedensnobelpreis kriegen, aber man kann nicht immer nur bei Grün über die Ampel gehen", verrät er sein ganz eigenes Farbenverständnis.

Über die Episode, als er in Osnabrück mal Freundin und Porsche mitten auf der Straße zurückließ, um sprintend der Polizei und einem Alkoholtest zu entgehen, mag man schmunzeln. Die Verurteilung wegen Körperverletzung in vier Fällen aus dem Jahr 2003 geht derweil kaum als Kavaliersdelikt durch – sicherlich das schwärzeste Kapitel in Brinkmanns Vita. Der selbsternannte Gerechtigkeitsfanatiker fühlte sich provoziert. Aber er provoziert auch selbst.

Der "wahre" Ansgar
"Ansgar Brinkmann ist ein Mensch und kein Schwerverbrecher", sagt er über sich. Niemand kenne ihn wirklich, und viele hätten ein falsches Bild von ihm.
Mit Ausnahme seiner Lebensgefährtin und einiger enger Freunde vielleicht. Die wissen, dass er mal persönlich Hilfsgüter ins ehemalige Jugoslawien gebracht hat. Dass er sich um einen talentierten jungen Fußballer aus seinem Heimatdorf kümmert. Dass er den Fans von Dynamo Dresden 500 Freikarten für sein Abschiedsspiel geschickt hat. Dass er einige hunderttausend Euro an falsche Freunde verloren hat. Dass er Respekt vor dem kleinen Parkhauswächter einfordert, in beschwipsten Momenten einen solchen aber von den Beinen holt.

Ansgar Brinkmanns Leben steckt voller Widersprüche – ein bunter Teller eben. Und er bedient sich mit vollen Händen davon. Zuletzt ist es ruhiger um ihn geworden. Er lebt in Osnabrück, arbeitet als Scout und hat es offenbar geschafft, die faulen Früchte zu erkennen und liegenzulassen.

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