"Bau auf Blau" ist eine feste Bank

2.700 Arminen feiern die Enthüllung der Wand mit ihren Namen

VON BIRGIT GUHLKE

Bielefeld. Thomas Schüller glaubt an ein Unentschieden des DSC Arminia Bielefeld gegen den VfB Stuttgart – "mal wieder ein Zwei zu Zwei". Julian Gerber denkt auch an ein Unentschieden, "oder Bielefeld gewinnt". Und Ingo Agnesens befürchtet "wieder eine Niederlage". Drei Arminen, drei Meinungen, eine Gemeinsamkeit: Alle sind mit ihrem Namenszug auf der "Blauen Wand" verewigt. Und feiern am Samstag im Unterrang der neuen Haupttribüne der Schüco-Arena die Enthüllung der Wand. Bevor das Spiel des DSC in Stuttgart beginnt.

Die blauen Namen dieser drei Arminen stehen nun auf zwei 3 Meter mal 1,50 Meter großen transparenten Makrolonplatten in Gesellschaft von 2.297 weiteren Namen. Alle stehen für Unterstützung, alle haben Geld gegeben, als Anleihe, um den Bau der neuen Osttribüne mitzufinanzieren. Julian und sein Bruder Gabriel Gerber haben vor gut zwei Jahren ihr Taschengeld und Erspartes zusammengekratzt und die Fan-Anleihe der Aktion "Bau auf Blau" gezeichnet.

Jetzt gehören sie zu den 2.700 Gästen (jeder Zeichner durfte auch Begleitpersonen mitbringen), die an diesem Nachmittag in den Gängen der Haupttribüne flanieren, sich in diesem Bereich einer Stadionführung anschließen oder am kleinem Programm mit Glücksrad und Arminis-Hüpfburg teilnehmen.

Wand mit blauem Tuch verhüllt
Um kurz vor 14 Uhr drängen sich die Gäste vor einer Absperrung in dem Gang zum Fanshop und zum Oberrang der neuen Tribüne. Auf der Ecke ist die Wand mit blauem Tuch verhüllt, ein Podest dient Roland Kentsch als Bühne. Arminias Geschäftsführer Finanzen fasst noch einmal die Baugeschichte der Tribüne zusammen und betont, dass es keine Alternative zu diesem Lückenschluss gegeben habe. Außer: Ein neues Stadion, das dann aber nicht mehr in der Innenstadt beheimatet gewesen wäre. Die Lärmschutzauflagen mussten erfüllt und die Tribüne neu gebaut werden. Jetzt sei alles fertig, eben auch Dank der Unterstützung der Zeichner dieser Fan-Anleihe.

Gut ein Fünftel der Baukosten von rund 15 Millionen Euro hat sich der Verein erst einmal bei seinen Anhängern und den Fans geliehen. Bis 2011 soll alles zurückgezahlt werden. Zwischendurch gibt es Zinsen – 6,5 Prozent. "Das ist sicherer als Lehman Brothers", sagt Albrecht Lämmchen, Mitglied des Vereins-Präsidiums. Und bekommt Recht vom Präsidenten Hans-Hermann Schwick. Weltweite Finanzkrise und insolvente Banken – bei Arminia kein Thema. Kentsch greift kritische Stimmen zur mangelnden Auslastung dieser neuen Tribüne auf, "18 bis 20 Monate" brauche es, bis sich alle daran gewöhnt hätten.

Nach der Enthüllung dürfen die Zeichner schließlich auch zur Wand, suchen ihre Namenszüge, lassen sich mit Fingern auf den Buchstaben fotografieren. Gut 500 bleiben schließlich noch auf der Alm, sehen sich gemeinsam das Spiel an, fluchen gemeinsam über vergebene Chancen und stimmen gemeinsam "Bielefeld-Rufe" an. Und sagen zum Schluss "Bitte". Als sich Arminia mit einer Illumination verabschiedet: Neben funkensprühenden Fontänen leuchtet auf: "Danke".

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