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Jonathan Clauss (r.), hier bei seinem Tor zum 1:0 gegen Sandhausen, hat sich zu einem gefragten Spieler entwickelt. - © Wolfgang Rudolf
Jonathan Clauss (r.), hier bei seinem Tor zum 1:0 gegen Sandhausen, hat sich zu einem gefragten Spieler entwickelt. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Arminia und ihre neuen Möglichkeiten

„Unsere jetzige Situation bietet sicherlich Chancen, mit Spielern zu sprechen, bei denen es ansonsten schwieriger wäre“, sagt Sportchef Samir Arabi.

Philipp Kreutzer
28.11.2019 | Stand 28.11.2019, 23:32 Uhr
Jan Ahlers

Bielefeld. Auch nach den Vertragsverlängerungen mit Trainer Uwe Neuhaus und Co-Trainer Peter Nemeth steht Arminia Bielefeld um Geschäftsführer Sport Samir Arabi reichlich Arbeit bevor. Die Zukunft des DSC verläuft auf zwei Pfaden, für beide muss sich der Verein rüsten. Erst- oder Zweitklassigkeit – diese Frage treibt die Macher um. Schon die Frage, welches Szenario wahrscheinlicher eintrifft, hat es in sich. Ist davon auszugehen, dass der DSC seine starke Form beibehält? Und selbst wenn, könnte er den Hamburger SV oder den VfB Stuttgart distanzieren und sich damit die Lotterie Relegation ersparen? Was Spieler und Trainer gerne von sich wegschieben, müssen Geschäftsführer Markus Rejek und Arabi schon jetzt durchplanen. Was die Art und Weise anbelangt, wie der Verein zweigleisig plant, lässt sich der Sportchef ungern in die Karten schauen. Die Planungen seien ein fließender Prozess, sagt Arabi lediglich. Auch den Faktor der TV-Erlöse – Arminia erwartet selbst bei einem Nicht-Aufstieg im Falle einer dennoch guten Tabellenplatzierung ein Plus im mittleren einstelligen Millionenbereich – berechnet Arabi noch konservativ. „Noch ist nicht definitiv vorhersehbar, wie viel Fernsehgeld wir bekommen", sagt der 40-Jährige, der auch einen sportlichen Einbruch in der Rückrunde in seinen Planungen einkalkulieren muss. „Solange Markus Rejek und ich am Ruder sind, werden wir keine verrückten Dinge machen" Auch Spieler und ihre Mittelsmänner wissen, dass Arminia kein bittstellender Klub mehr ist, sondern wirtschaftlich gesundet. Manche Spielerverhandlung wird damit etwas zäher, umgekehrt werden hochwertige Transfers machbarer. Arabi stellt klar: „Solange Markus Rejek und ich am Ruder sind, werden wir keine verrückten Dinge machen oder ’All In’ gehen, um unsere sportlichen Ziele zu erreichen." Das sei respektlos gegenüber jenen Leuten, die dem aktuell solide aufgestellten Klub in der Vergangenheit aus der wirtschaftlich schweren Phase geholfen haben. Ungeachtet dessen erkennt Arabi Möglichkeiten, das sportliche Momentum zum Vorteil des DSC zu nutzen. „Unsere jetzige Situation bietet sicherlich Chancen, mit Spielern zu sprechen, bei denen es ansonsten schwieriger wäre." Aktuell stehen bei Arminia 16 Spieler über das Saisonende hinaus unter Vertrag, darunter die drei Leihgaben Prince Osei Owusu (1860 München) sowie Nikolai Rehnen und Can Özkan (beide Alemannia Aachen). Alle drei spielen in ihren Klubs geringe Rollen, Rehnen ist zudem seit einer Meniskus-OP im August außer Gefecht gesetzt – sie werden Arminia wohl auch perspektivisch nicht verstärken. Ob Sven Schipplock (Vertrag bis 2021) nach vielen Verletzungspausen wieder zur sportlichen Alternative wird, bleibt sehr fraglich. Vertraglich gebundene Akteure, die aktuell zum Ergänzungspersonal gehören, hätten in der Bundesliga einen noch schwereren Stand: Stephan Salger, Anderson Lucoqui, Fabian Kunze und Cebio Soukou gehören dazu, möglicherweise auch Reinhold Yabo. Schwer denkbar ist ein vereinsseitiger Verzicht derweil bei Fabian Klos, Andreas Voglsammer und Marcel Hartel in der Offensive sowie Manuel Prietl, Cedric Brunner, Joakim Nilsson und Amos Pieper in der Defensive. Auch Nils Seufert hat das Potenzial, muss aber körperlich zulegen. „Er wird Angebote bekommen, bei denen er deutlich mehr verdienen kann als bei Arminia" Verlängern möchte Arminia Bielefeld dagegen primär nicht nur mit Torhüter Stefan Ortega Moreno, sondern auch mit dem französischen Flügelstürmer Jonathan Clauss, dessen Antritt, Torgefährlichkeit und Flexibilität im Klub geschätzt werden. „Er wird Angebote bekommen, bei denen er deutlich mehr verdienen kann als bei Arminia", sagt Arabi, der sich dennoch Hoffnungen auf einen Verbleib macht. Schließlich, so lässt der Sportchef durchblicken, habe der Elsässer, der vor 15 Monaten noch vereinslos war, dem Klub seinen persönlichen Aufschwung maßgeblich mitzuverdanken. „Wir haben ihn entwickelt bis hin zur Leistung, die er jetzt zeigt. Der Ball liegt nun bei ihm."

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