0
Szene aus dem Februar: Hier setzt sich Andreas Voglsammer gegen die Hamburger Defensive durch. Der Bayer war es auch, der damals den Führungstreffer beim 2:0-Erfolg über den favorisierten HSV erzielte. - © Wolfgang Rudolf
Szene aus dem Februar: Hier setzt sich Andreas Voglsammer gegen die Hamburger Defensive durch. Der Bayer war es auch, der damals den Führungstreffer beim 2:0-Erfolg über den favorisierten HSV erzielte. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Arminia Bielefeld freut sich auf volles Haus unter Flutlicht

Trainer Neuhaus erwartet einen besseren HSV als in der Vorsaison, als der DSC mit 2:0 gesiegt hatte. Ex-Hamburger Sven Schipplock ist unter Umständen eine Alternative für den Kader.

Jan Ahlers
20.10.2019 | Stand 20.10.2019, 17:22 Uhr |

Bielefeld. Ob Arminia Bielefeld das Heimspiel gegen den Hamburger SV am Montagabend (Anstoß 20.30 Uhr) nun gewinnt oder nicht, das erste Novum der Saison ist schon vor Anpfiff perfekt: Wenn der Dritte zum Duell mit dem Ersten - Stuttgart verlor überraschend gegen Kiel - lädt, ist die Schüco-Arena mit 26.515 Besuchern ausverkauft. 3.400 Zuschauer drücken den Gästen die Daumen. "Dafür bin ich Fußballer geworden", sagt Verteidiger Florian Hartherz zur Kulisse. Mit drei Zählern winkt der Sprung auf einen direkten Aufstiegsrang. Alle Tickets sind vergriffen: Das ist zum dritten Mal in diesem Jahr der Fall. Die ersten beiden Spiele eint außerdem das Ergebnis, denn sowohl das Derby gegen den SC Paderborn als auch das erste Aufeinandertreffen mit dem HSV im Februar endeten in einem 2:0-Erfolg. Das war es aber bereits mit den Gemeinsamkeiten zu damals, sagt DSC-Trainer Uwe Neuhaus. "Es ist schwer, die Qualität des Gegners zu vergleichen." Hoch sei sie allemal, meint der 59-Jährige, der zudem feststellt: "Hamburg ist stabiler geworden, sie ziehen ihre Stärke aus der Qualität im Ballbesitz. Für uns wird es schwieriger werden als in der vergangenen Saison." Respekt vor der individuellen Qualität der Hamburger Ob Lukas Hinterseer, Martin Harnik oder Bakery Jatta: Vor der individuellen Qualität des früheren Bundesliga-Dinos hat auch Arminia Respekt. Selbst der kurzfristige Ausfall von Aaron Hunt, der in seiner Karriere auf 304 Bundesliga-Einsätze kommt, verleitet Neuhaus nicht zu Optimismus. "Dann bringen sie eben Sonny Kittel von Beginn an." Kittel kommt auf fünf Tore und zwei Vorlagen, wurde aber beim jüngsten 2:0-Erfolg des HSV über Greuther Fürth auf die Bank degradiert. Noch besser eingeschlagen ist einzig Senkrechtstarter Adrian Fein: Die 20-jährige Leihgabe des FC Bayern München dirigiert das Mittelfeld der Elbestädter. "Er ist immer anspielbar, findet Lösungen, ist defensiv robust und zweikampfstark", zählt Uwe Neuhaus auf. Lieber blickt der Trainer auf seine eigene Mannschaft. Dass Fabian Klos nach abgelaufener Gelb-Rot-Sperre zurück in die Startelf kehrt, ist sicher, Andreas Voglsammer weicht auf den linken Flügel aus. Der undankbare Reserveplatz trotz Erfolg in Osnabrück dürfte an Cebio Soukou oder Jonathan Clauss gehen - der DSC hat dort wie auch im offensiven Mittelfeld die Qual der Wahl. Einen Sonderauftrag für Klos gibt es vom Coach nicht. "Er muss nur seine normale Leistung zeigen." Auf übertriebene Motivation, die sich wie gegen Stuttgart in einer frühen Gelben Karte äußert, kann Neuhaus dagegen gerne verzichten. "Das würde eher schaden als helfen." Neuhaus betrachtet Personalsituation als Luxus Fehlen werden nur Brian Behrendt, Jomaine Consbruch und Nils Quaschner. Sven Schipplock, dem der Trainer beim Test in Hannover "kein überragendes", aber ein solides Spiel attestierte, kommt dem Kader dagegen immer näher. Kurzfristig möchte Neuhaus entscheiden, ob der Ex-HSV-Stürmer, dem dort in 30 Bundesliga-Partien kein Treffer vergönnt war, heute zur Joker-Option in der Sturmspitze wird. Der Coach, dessen Vertragsverlängerung Woche für Woche erwartet wird, betrachtet die Personalsituation als Luxus. "Das kann ich aktuell wirklich genießen", sagt Neuhaus. Im Training ist ihm das anzumerken: Lockere Sprüche sind an der Tagesordnung, überhaupt ist mit dem DSC-Erfolg eine entspannte und zugleich konzentrierte Atmosphäre an der Friedrich-Hagemann-Straße eingekehrt. Mit Anspielungen auf einen möglichen Bundesliga-Aufstieg kann er weiterhin wenig anfangen. Auch nicht, wenn sie von (Ex)-Kollegen wie Uli Stein, Bruno Labbadia und Uwe Rapolder kommen, die Arminia Bielefeld allesamt weit vorne in der Endabrechnung sehen. "Ich weiß gar nicht, ob mich das freuen soll", sagt der Coach. Lieber würde er so lange wie möglich unter dem öffentlichen Radar bleiben - wohlwissend, dass die Euphorie spätestens nach dem angepeilten Heimerfolg heute Abend vorläufig kaum noch zu bremsen wäre.

realisiert durch evolver group