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Flottes Dribbling: Hier spielt Cebio Soukou die 96-Defensive aus. Obwohl Hannover aus dem Spiel heraus wenige Lücken anbot, schnappte sich Arminia die Punkte - weil Bielefeld aktuell nur wenige Chancen benötigt. - © Andreas Zobe
Flottes Dribbling: Hier spielt Cebio Soukou die 96-Defensive aus. Obwohl Hannover aus dem Spiel heraus wenige Lücken anbot, schnappte sich Arminia die Punkte - weil Bielefeld aktuell nur wenige Chancen benötigt. | © Andreas Zobe

Arminia Bielefeld Geduldig, abgezockt, stabil: Die Faktoren des Arminia-Aufschwungs

Mit dem 2:0-Auswärtssieg bei Hannover 96 senden die Ostwestfalen ein klares Zeichen an die Liga. Im Duell lange ausgeglichener Kontrahenten fußte der Erfolg des DSC auf mehreren Attributen.

Jan Ahlers
15.09.2019 | Stand 16.09.2019, 15:16 Uhr

Hannover. Hannover-Coach Mirko Slomka war gerade dabei, die 0:2 (0:1)-Heimniederlage der 96er gegen Arminia Bielefeld zu erklären, da schnappte sich DSC-Trainer Uwe Neuhaus auf der Pressekonferenz einen Ausdruck der Spielstatistik und studierte diese kritisch. Würde er ein Haar in der Suppe finden? Kaum. Denn was Bielefeld angeboten hatte, das hatte einige Elemente eines Spitzenteams. Ballbesitz, Zweikämpfe, Pässe – in all diesen Statistiken fand die Zweitliga-Partie vom Samstagnachmittag keinen eindeutigen Sieger, bei den Torabschlüssen lagen die nun umso mehr krisengeplagten Hannoveraner sogar mit 13:7 in Führung. Dass Arminias Torhüter Stefan Ortega während der 90 Minuten dennoch kaum eingreifen musste, sprach für die aufmerksame Defensivleistung. Lesen Sie auch: Die DSC-Profis in der Einzelkritik Kaltschnäuzigkeit, Effizienz, Souveränität: Das sind die Attribute, die den gelungenen Saisonauftakt des DSC begleiten. „Die Art und Weise des Siegs stellt mich absolut zufrieden", sagte Neuhaus nach Abpfiff und hob heraus: „Wir haben endlich einmal alle Standardsituationen gut verteidigt und zum ersten Mal zu Null gespielt." Perez und Nilsson: Souverän beim ersten Zusammenspiel Maßgeblichen Anteil daran hatte das neue Innenverteidiger-Duo, bestehend aus Joakim Nilsson und Alex Perez. Letzterer führte sich mit einer unaufgeregten Leistung ein. Obgleich der Spanier laut Neuhaus Zeit benötige, um auch die vom Trainer gewünschte Verantwortlichkeit im Spielaufbau zu übernehmen, hatte sich der 59-Jährige für das Plus an Erfahrung und daher gegen Amos Pieper entschieden. Dass auf der Gegenseite zwei ruhende Bälle zum Erfolg führten, war folgerichtig. Aus dem Spiel heraus bot Hannover in der ersten halben Stunde wenige Räume, erarbeitete sich zu Beginn sogar leichte Vorteile. „Da waren sie besser", sagte Neuhaus, der anschließend zufrieden feststellen durfte, dass seine Mannschaft auch ohne größere Einwirkung von außen Ruhe bewahrte und allmählich Kontrolle übernahm. Die Belohnung aber kam plötzlich und spielte Arminia in die Karten: Der bis dahin kaum auffällige Fabian Klos köpfte einen Freistoß von Marcel Hartel zum 1:0 ein (32.). „Solch ein Vollblutstürmer bestraft das sofort", ordnete 96-Übungsleiter Slomka, dem ein solcher Spielertyp während der kompletten Spielzeit zu fehlen schien, die Szene ein. Klos abergläubisch, Voglsammer eiskalt Auch beim zweiten Tor war der aktuell unverzichtbare Kapitän beteiligt, als er den hüftsteifen Innenverteidiger Felipe mit einer Schussfinte täuschte und diesen so zum Körperkontakt zwang (63.) – ein eindeutiger Elfmeter. Doch statt selbst den Doppelpack zu schnüren, überließ der 31-Jährige Andreas Voglsammer die Ausführung, der unten links zum 2:0 traf (64.). „Ich schieße ungern, da bin ich abergläubisch", gab Klos nach Spielende zu. Hannover verzweifelte und verlor Waldemar Anton per Ampelkarte (80.) nach Foul an Klos. Die Fans der Gastgeber wurden unruhig und resignierten, Arminia hatte leichtes Spiel. Sechs Spiele ohne Niederlage, dazu nun der Auswärtssieg beim Bundesliga-Absteiger: Es kristallisiert heraus, dass Arminia Bielefeld in dieser Saison vorne mitspielen kann. Offen formulieren will das im Mannschaftsverbund noch keiner. „Wenn wir weiter so punkten wie jetzt, dann könnte man uns vielleicht irgendwann einen Mitfavoriten nennen" – die Vorsicht in der Stimme war Andreas Voglsammer anzumerken. „Bis dahin sind noch viele Spiele zu gehen."

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