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Rüdiger Lamm war bis 2008 Manager bei dem Regionalligisten SVW. - © imago images
Rüdiger Lamm war bis 2008 Manager bei dem Regionalligisten SVW. | © imago images

Steinhagen/Mannheim Betrugsverfahren gegen früheren Arminia-Manager Rüdiger Lamm eingestellt

Dirk-Ulrich Brüggemann
09.09.2019 | Stand 10.09.2019, 09:39 Uhr
Marc Stevermüer

Steinhagen/Mannheim. Das Betrugsverfahren gegen den früheren Mananger von Arminia Bielefeld, Rüdiger Lamm, vor dem Landgericht Mannheim, ist eingestellt worden. Lamm, bis 2008 Manager beim Regionalligisten SV Waldhof Mannheim (SVW), stand gemeinsam mit weiteren Beschuldigten in Verdacht, Spenden zweckwidrig verwendet und in die Vereinskasse des SVW umgeleitet zu haben. Kern der Vorwürfe: Der Bau eines Jugendförderzentrums, für das der bekannte Förderer des Bundesligisten Hoffenheim, Dietmar Hopp, zweckgebunden drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat, sei mit überhöhten Rechnungen künstlich verteuert worden. Die Differenz zwischen tatsächlichen und fiktiven Baukosten sei dann über Sponsor-Verträge in die Vereinskasse geflossen. Die Summe, um die es geht: Rund 350.000 Euro. Der ehemalige Waldhof-Funktionär Lamm muss bis zum 18. September 120.000 Euro an die Dietmar-Hopp-Stiftung zahlen, die Mitangeklagten jeweils 60.000 Euro bis zum 18. September beziehungsweise 2. Oktober. Sollten die Zahlungen nicht fristgerecht erfolgen, muss das Verfahren wieder aufgenommen werden. Doch schon im Sitzungssaal wird klar, dass Lamm die Sache schnell erledigt haben will. Bereits am nächsten Tag könne das Geld da sein, tönt er.Bereits 2012 war Anklage erhoben worden, vor Gericht ging es um die Jahre 2007 und 2008. Doch erst jetzt kam es mit reichlich Verzögerung zum Prozess, was für die Angeklagten unangenehm gewesen sei und berücksichtigt wurde, wie die Vorsitzende Richterin Claudia Kreis-Stephan sagte. Außerdem sei weder Lamm noch Bogoljub M. oder Achim P. nach der Anklageerhebung noch einmal straffällig geworden, erklärte Kreis-Stephan, die einen bisweilen denkwürdigen Prozess erlebte, der hin und wieder tief blicken ließ, seltsame Vorstellungen von Anstand und Moral offenbarte und in dem sie viel Geduld aufbringen musste. Denn bei ihren Befragungen stieß sie immer wieder auf echte – oder plötzlich – auftretende Erinnerungslücken und hörte Sätze wie: „Sicher kann ich das nicht sagen." Oder: „Das weiß ich nicht mehr." Oder: „Es könnte so gewesen sein." Groteske Ansichten Der umtriebige Lamm, der aus Arminia Bielefeld in den 90er Jahren „Arminia Viele-Geld" machte und die Ostwestfalen in die Bundesliga führte, betonte im Laufe des Prozesses stets die guten Absichten seines Handelns. „Ich bin in Mannheim angetreten, um zu helfen, nicht zu betrügen", sagte er und sprach von einer „Win-Win-Situation für alle Beteiligten". Lamm verstieg sich sogar in der These, dass Dietmar Hopp mit dem Vorgehen einverstanden gewesen wäre, wenn man ihn umgehend darüber informiert hätte.Der Mitangeklagte Achim P. gab unterdessen angesichts des scheinbar leicht zu verdienenden Geldes zu, sich auch mal bedienen zu wollen und rückte den in diesem Jahr gestorbenen Ex-Präsidenten Hans-Joachim Bremme in ein schlechtes Licht: „Was da geschieht, wusste doch jeder." Lamms Anwalt Rostek stellte der damaligen SVW-Führung ebenfalls ein miserables Zeugnis aus: „Da waren Chaoten am Werk." Als Lamm im Sommer 2006 zum SV Waldhof kam, sicherte er dem in der Oberliga spielenden Club das wirtschaftliche Überleben. Der Stapel mit Mahnungen sei damals höher als der mit den Rechnungen gewesen, die der Club hätte rausschicken können, berichtete der frühere Geschäftsstellenleiter Andreas Laib vor Gericht von einer schweren Zeit, unter deren Kapitel „Nachwuchsleistungszentrum 2007-2009" jetzt ein Schlussstrich gezogen wurde.

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