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Früher Rückstand: Die Fürther bejubeln ihr Tor zum 1:0 in der 4. Minute nach einem Fehler von Arminias Torhüter Stefan Ortega Moreno im Spielaufbau. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Früher Rückstand: Die Fürther bejubeln ihr Tor zum 1:0 in der 4. Minute nach einem Fehler von Arminias Torhüter Stefan Ortega Moreno im Spielaufbau. | © Foto: Andreas Zobe/NW

Arminia Bielefeld Aufgeregte Debatte um Arminias Spielidee

Riskante Pässe im und am eigenen Strafraum sorgen für Unmut auf den Rängen

Philipp Kreutzer
02.09.2019 | Stand 02.09.2019, 08:32 Uhr

Bielefeld. Den anvisierten Heimsieg hatten sie verpasst. Und dennoch wirkten Trainer und Spieler von Arminia Bielefeld nach dem leistungsgerechten 2:2 gegen die SpVgg Greuther Fürth recht zufrieden. Klar, schließlich hatten sie in einem trotz hoher Temperaturen temporeichen Spiel einen 0:2-Rückstand wettgemacht. „Das zeigt, was für einen Charakter die Mannschaft hat", sprach Kapitän Fabian Klos seinen Kollegen und sich selbst ein berechtigtes Lob aus. Arminia geht ungeschlagen in die Länderspielpause. Gänzlich abgehakt ist die unterhaltsame Begegnung, in der zunächst die anfangs starken Fürther dominierten und Arminia spätestens in der zweiten Halbzeit die Kontrolle übernahm, aber längst nicht. Weder für die DSC-Profis noch für die Zuschauer. Eine Szene in der 4. Minute hatte auf den Rängen eine aufgeregte Grundsatzdebatte um Arminias Spielidee ausgelöst, die angesichts nun kommender Gegner wie Hannover, Stuttgart und HSV vorerst anhalten dürfte. Fürther lauern wie ein Überfallkommando Was war passiert? Beim Versuch, sich wie von Trainer Uwe Neuhaus gefordert mit kurzen Pässen aus dem Strafraum zu kombinieren, verlor Torwart Stefan Ortega Moreno den Ball an Hrgota – 0:1. Die Franken hatten es darauf abgesehen, sie lauerten mit drei Angreifern wie ein Überfallkommando an der 16-Meter-Linie auf den ersten Ballkontakt des Keepers, der zunächst Manuel Prietl suchte und das Spielgerät kurz darauf trotz Gegnerdrucks von Amos Pieper zurückerhielt. So traf den 21-jährigen Innenverteidiger, der für den verletzten Brian Behrendt in der Startelf stand, eine Mitschuld. Pieper steigerte sich zu einer ordentlichen Leistung, doch auch er konnte das 0:2 durch Nielsens Kopfball nicht verhindern (22.). Diejenigen auf den Tribünen, die den risikobehafteten Aufbau schon seit Beginn von Neuhaus’ Wirken in Bielefeld kritisch beäugen, fühlten sich durch das 0:1 bestätigt. Machte Ortega Moreno nicht sofort Anstalten, den Ball hoch und weit nach vorn zu befördern, reagierten sie erneut mit Pfiffen. Der Torhüter verzichtete fortan mit wenigen Ausnahmen auf den gepflegten Kurzpass, der unter Neuhaus’ Führung zum Merkmal des DSC-Spiels geworden ist. „Dass das Wirkung hinterlassen hat und wir nicht allerletztes Risiko gegangen sind, ist okay", äußerte der Trainer Verständnis für den Keeper: „Das ist normales menschliches Verhalten." "Das haben die Mannschaft und Tego nicht verdient" Mit etwas größeren Anteilen der Methode „Hoch und Weit" als vom Trainer gewünscht, reichte es für Arminia zwar für Tore durch Klos per Strafstoß (28.) nach Foul von Sarpei an Edmundsson und durch Edmundsson mit einem Kopfball nach wunderbarer Flanke von Clauss (62.). Neuhaus stellte aber unmissverständlich klar: „Die Zuschauer haben bezahlt und dürfen alle Emotionen rauslassen. Ich finde nur, dass die Mannschaft und insbesondere Tego (Ortega Moreno, d. Red.) das nicht verdient haben. Wir haben genau mit dieser Art des Fußballs schon so viele tolle Szenen herausgespielt. Das werde ich weiterhin verlangen. Diese Spielweise hat uns mit viel Selbstvertrauen ausgestattet, und das wollen wir weiter nutzen." Ähnlich äußerte sich Klos: „Das ist die Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen. Das wird sich nach der Länderspielpause nicht geändert haben, und das wird sich auch bis Weihnachten nicht geändert haben. Das ziehen wir bis zum Schluss so durch." Das Publikum darf sich also darauf einstellen, auch weiterhin gelegentlich die Luft anhalten zu müssen.

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