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Das Drunter und Drüber nach der 2:0-Führung ist im Gesicht des DSC-Trainers Uwe Neuhaus abzulesen. - © Wolfgang Rudolf
Das Drunter und Drüber nach der 2:0-Führung ist im Gesicht des DSC-Trainers Uwe Neuhaus abzulesen. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Wundertüte Arminia: „Wildes Spiel“ in Bochum lässt Fans und Trainer rätseln

Dennis Rother
04.08.2019 | Stand 04.08.2019, 22:08 Uhr

Bielefeld. Licht, Schatten und allmögliche Grauzonen dazwischen: Arminia Bielefeld hat in 90 Minuten Zweitliga-Fußball beim VfL Bochum Facetten gezeigt, die für eine ganze Halbserie reichen. Schöne Spielzüge, starke Einzelaktionen, taktisches Chaos, Kampf, Krampf und Patzer – das 3:3 hatte alles. Die Frage ist: Wie ordnet man so eine kaum erklärbare Achterbahnfahrt sportlich ein? „Es war ein ausgesprochen wildes Spiel", konstatierte Trainer Uwe Neuhaus unmittelbar nach Abpfiff am Freitagabend. „Ich weiß gar nicht, ob ich das jetzt schon alles chronologisch auf die Reihe bekomme." Das Aufdröseln der ereignisreichen zweiten Hälfte dürfte Zeit brauchen. Erst kompakt und kontrolliert, dann völlig eingeknickt In Phasen wirkte Arminia im 4-3-3-Grundgerüst jedenfalls durchaus reif. Allemal reifer als die über lange Strecken ideenlosen Hausherren. Kompakt, kontrolliert, und wach agierte der DSC – und knickte nur Minuten später nicht nur spielerisch, sondern auch mental völlig ein. Die positiven und negativen Lehren aus solch einer Leistung kürzen sich auf den ersten Blick fast gegenseitig weg. Das hieße: kein Fortschritt im Vergleich zur Vorsaison. Auch ohne Tiefenanalyse stach für Uwe Neuhaus vor allem das abermalige Comeback nach Rückstand hervor. Arminia kann sich offenbar berappeln, egal was passiert. Seine Schützlinge hätten es absolut verinnerlicht, nie aufzugeben, sagte Neuhaus. Und die Willensstärke hätte er auch anerkannt, wenn das 3:3 nicht gefallen wäre, fügte er mit Nachdruck an. Neuhaus sieht in der Moral seiner Truppe ein starkes Fundament. Verheerende Abwehrpatzer unter Dauerdruck Ebenfalls positiv: Fabian Klos und Andreas Voglsammer als Offensivmotoren. Sie attackierten früh, rackerten, rieben sich auf und trafen. Klos stellte mit Zweitligatreffer Nummer 59 den Rekord von Norbert Eilenfeldt ein. Den Titel des „Geheimfavoriten" muss Arminia sicher nicht wegen des Angriffs-Duos ablegen – im Gegenteil. Im Abwehrverhalten haperte es dagegen. Und das betrifft Klos und Voglsammer ebenso. Der Glaube an die eigene Defensive ist offenbar nicht gefestigt genug, um bei Dauerdruck einen kühlen Kopf zu bewahren. In der ersten Halbzeit, als beide Mannschaften taktische Dinge noch nicht über den Haufen geworfen hatten, wackelte Arminia kaum. „Bis zum 2:0 war die Leistung absolut okay", resümierte auch Uwe Neuhaus. Als die Gastgeber dann aber mit ihren aufgepeitschten Fans im Rücken richtig Alarm machten, brachen beim DSC die Dämme. Ortega: "Das war dämlich" Die Spieler agierten umständlich, fahrig und hölzern; manch einer irrlichterte durch den eigenen Sechzehner, als sei er auf unbekanntem Terrain unterwegs. Das monierte auch Stefan Ortega. "Dämlich" fand der schwer angefressene Torhüter, wie leichtfertig das Team die klare Führung herschenkte. „Wir haben nach dem 1:2 dann so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte", ergänzte Uwe Neuhaus kopfschüttelnd. Eigene Eckbälle wurden zu Bochumer Kontern, selbst eigene Einwürfe mündeten in Bochumer Torchancen. „Ich hätte mir ein bisschen mehr Souveränität gewünscht." Standortbestimmung steht noch aus Folgerichtig schwankte Neuhaus’ Gemütszustand. Loben, schimpfen oder einfach erleichtert durchatmen? Auf die Schnelle schwer zu beantworten, ließ der Trainer gegenüber den Medienvertretern durchklingen. Gerechtfertigt ist am Tag danach nun von allem etwas. Für Fans, die der Mannschaft in dieser Saison Großes zutrauen, war das 3:3 aber wohl ein Dämpfer. Das Remis ernüchtert nach dem 1:1 gegen St. Pauli endgültig. Eine tatsächliche Standortbestimmung steht für den DSC indes noch aus. Und die gibt es auch im nächsten Spiel nicht: Am Samstag geht’s im DFB-Pokal zu Regionalligist Viktoria Berlin (Anstoß 15.30 Uhr).

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