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Auch im Fanblock wurden damals auf Bielefelder Seite zahlreiche Bengalos entzündet. - © Christian Weische
Auch im Fanblock wurden damals auf Bielefelder Seite zahlreiche Bengalos entzündet. | © Christian Weische

Versmold/Bielefeld Versmolder Arminia-Fan zündet Bengalos und bekommt Stadionverbot in Bielefeld

Ein Versmolder Fußballfan zündete auf dem Weg zum Bochumer Stadion vier Bengalos. Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich der 20-Jährige jetzt vor Gericht verantworten.

Jens Reichenbach
16.07.2019 | Stand 16.07.2019, 15:11 Uhr
Herbert Gontek

Versmold/Bielefeld. „So etwas habe ich in 13 Jahren noch nicht gesehen", erinnerte sich am Montag ein 44-jähriger Polizist im Zeugenstand. Rund 150 von 800 Fans von Arminia zündeten am 29. Januar 2018 auf dem Weg zum Bochumer Stadion zahlreiche Bengalos und Knaller. „Ich stand mitten im Rauch, rund 45 Minuten lang und habe erhebliche Rauchverletzungen erlitten", schilderte der Beamter. Mittendrin der 20-jährige Versmolder, der sich deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten hatte. Die Bengalos, die eigentlich als Seenotrettungsfackeln auf dem Markt sind, erzeugen ein grelles rotes Licht, aber auch eine starke Rauchentwicklung und sind ausdrücklich rund um den Fußballbetrieb verboten. Er zog sich eine Maske über das Gesicht Das interessierte den 20-jährigen Versmolder offenbar wenig. Er zog sich eine Maske übers Gesicht, um nicht erkannt zu werden, und zündete zusammen mit anderen Bielefelder Fans das gefährliche Feuerwerk. Dabei explodierten auch schwere Knaller direkt neben den Polizeibeamten. Später im Bochumer Stadion brannte die DSC-Ultras reichlich bengalische Feuer ab. Arminia siegte damals beim VfL Bochum mit 1:0. Vor Gericht gestand der Versmolder die Tat ein und entschuldigte sich bei dem Polizisten. Und eigentlich verstand niemand im Gerichtssaal, wie der augenscheinlich ordentliche junge Mann auf dem Weg zum Stadion kriminell werden konnte. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe attestierte in ihrem Gutachten dem jungen Mann eine tadellose Entwicklung. Er stehe in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis und habe keine Vorstrafen. Offenbar, so die Jugendhelferin, lebe er in einer Parallelwelt, wenn er zum Fußball gegangen sei. Sie empfahl, den Versmolder behutsam zu bestrafen oder das Verfahren einzustellen. Stadionsperre als zusätzliche Strafe Diesem Vorschlag widersprach die Staatsanwältin energisch. Es liege keine Reifeverzögerung vor, stellte sie fest. Sie forderte sechs Monate Gefängnis auf Bewährung und 1.200 Euro Geldstrafe. Das Urteil: Sechs Monate Gefängnis mit zweijähriger Bewährung, 750 Euro Geldstrafe und 750 Euro Schmerzensgeld für den Polizisten. Der 20-Jährige nahm das Urteil an. Zusätzlich gestraft ist er durch ein dreijähriges Stadionverbot.

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