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Tribünengast in Gütersloh: Im Heidewaldstadion erlebte DSC-Neuzugang Cebio Soukou das Testspiel gegen Norwich (2:2) mit. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Tribünengast in Gütersloh: Im Heidewaldstadion erlebte DSC-Neuzugang Cebio Soukou das Testspiel gegen Norwich (2:2) mit. | © Foto: Andreas Zobe/NW

Arminia Bielefeld Ein Volksheld aus Benin steht im Kader von Arminia

Neuzugang Cebio Soukou ist endlich in Bielefeld angekommen. Mit der Nationalmannschaft des afrikanischen Landes schaffte Soukou Historisches.

Philipp Kreutzer
15.07.2019 | Stand 15.07.2019, 22:34 Uhr

Bielefeld. Am Samstagabend hatte er noch auf einer Bühne im Stadion der Freundschaft von Cotonou mit Tausenden beninischen Fußballfans gefeiert, am Sonntagnachmittag nahm Cebio Soukou auf der Tribüne des Gütersloher Heidewaldstadion Platz. Dort lernte der Neuzugang von Arminia Bielefeld am Rande des Testspiels gegen Norwich City seine neuen Mitspieler kennen. Der 26-Jährige, der von Hansa Rostock zum DSC gewechselt ist, erlebt gerade ereignisreiche und aufregende Wochen. Mit der Nationalmannschaft des Benin erreichte Soukou sensationell das Viertelfinale des Afrika-Cups in Ägypten. "Es war vorher schon klar, dass es eine besondere Erfahrung wird", erzählte der gebürtige Bochumer in Gütersloh, "aber dass es ein für das Land historisches Ereignis wird, das war schon unerwartet." Benin überstand erstmals die Vorrunde der Kontinentalmeisterschaft - und das, obwohl die Mannschaft mit Ghana und Kamerun schwere Gruppengegner hatte. Der flexibel einsetzbare Offensivspieler, der in der vergangenen Saison mit 16 Scorerpunkten - zehn Tore und sechs Vorlagen - bei Drittligist Hansa Rostock auch das Interesse von Arminia auf sich gezogen hatte, kam in allen fünf Afrika-Cup-Partien des Benin zum Einsatz. Er glänzte mit Vorlagen zu zwei Toren und als Schütze der Standardsituationen seines Teams. Insgesamt hat Soukou nun sechs Spiele für das Heimatland seines Vaters bestritten. Sein Debüt gab er im März in der Afrika-Cup-Qualifikation. Es war eine sehr gelungene Premiere: Beim 2:1-Sieg über Togo bereitete Soukou einen Treffer vor. Umzug nach Bielefeld während des Afrika-Cups Um ermessen zu können, in welchem Ausnahmezustand sich Benin aufgrund des Erfolgs seiner Fußballer zurzeit befindet, muss man wissen, dass das westafrikanische Land, das etwa 10,8 Millionen Einwohner hat und zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, bisher im Weltfußball praktisch überhaupt nicht stattfand. Meistens schaffte Benin die Qualifikation für den Afrika-Cup erst gar nicht. Als es 2010 mal wieder nicht geklappt hatte, löste der nationale Fußballverband frustriert die Nationalmannschaft auf. Nur neun Jahre später folgte der bisher größte Erfolg. Gerne hätten Soukou und seine beninischen Teamkollegen den Triumph länger ausgekostet. Doch die Mannschaft bekam nach dem Ausscheiden im Viertelfinale von Kairo durch eine 0:1-Niederlage gegen Senegal erst drei Tage später einen Flug nach Benin. Gerade mal zweieinhalb Stunden blieben Soukou für die Feierlichkeiten in der Hafenstadt Cotonou. Dann ging es erneut zum Flughafen und zurück nach Deutschland. "Es war schon ein bisschen ärgerlich, was die Feierlichkeiten betrifft", sagte er, "andererseits wollte ich ja jetzt auch langsam mal nach Bielefeld kommen. Und ich bin jetzt auch froh, hier zu sein." Eine neue Wohnung hat Soukou bereits, den Umzug von Rostock nach Bielefeld hat seine Frau schon erledigt, während er beim Afrika-Cup im Einsatz war. Souko verpasst die Vorbereitung mit seiner Mannschaft Soukou hat die komplette Vorbereitung mit seiner neuen Mannschaft verpasst, in Absprache mit Cheftrainer Uwe Neuhaus erhielt er am Sonderurlaub bis einschließlich kommenden Freitag, um sich körperlich wie mental zu erholen. Klar, dass Soukou Zeit benötigen wird, um nun beim DSC zur Alternative für die Angriffsreihe zu werden. "Ich hatte in den letzten sieben Wochen drei Tage frei", erzählte er, "und nach der letzten Saison waren es nur fünf freie Tage. Ich bin zwar grundsätzlich vom Kopf her schon relativ frisch, aber man muss das schon richtig einschätzen, denn die Saison, die jetzt kommt, ist lang." Die freien Tage will Soukou jetzt nutzen, um etwas Ruhe in sein zuletzt aufregendes Leben zu bekommen. Und um danach mit frischer Kraft bei Arminia angreifen zu können.

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