Rassistisch beleidigt: Jordi Osei-Tutu (r.), der kürzlich von Arsenal London zu Arminias baldigem Gegner VfL Bochum gewechselt ist. - © picture alliance/ RHR-Foto
Rassistisch beleidigt: Jordi Osei-Tutu (r.), der kürzlich von Arsenal London zu Arminias baldigem Gegner VfL Bochum gewechselt ist. | © picture alliance/ RHR-Foto

Im Trainingslager Rassistische Rufe während Testspiel: Zweitliga-Profi verlässt weinend das Feld

Für Rassismus soll im Profifußball kein Platz sein, tatsächlich ereignet er sich aber immer wieder. Nun ist ein Gegner von Arminia Bielefeld betroffen, nämlich ein Spieler von West-Rivale VfL Bochum.

Jan Ahlers
11.07.2019 | Stand 11.07.2019, 07:58 Uhr

Weiler/Bielefeld. Ein Spieler, der Tränen in den Augen hat, sich während des laufenden Spiels erst auf den Rasen setzt und plötzlich ohne ersichtlichen Grund den Platz verlässt. Mannschaftskameraden und gegnerische Profis, die versuchen, ihn erfolglos aufzuhalten. Schließlich nimmt ihn der Trainer in  den Arm, begleitet ihn zur Kabine. All das ereignete sich beim Testspiel von Arminia-Gegner VfL Bochum gegen den Schweizer Erstligisten FC St. Gallen. Doch was ist geschehen? Die Antwort ist so kurz wie erschütternd: Rassismus. Der betroffene Spieler heißt Jordi Osei-Tutu, ist 20 Jahre alt und Rechtsverteidiger. Weil er Engländer mit ghanaischen Wurzeln ist, ist seine Hautfarbe schwarz. Und das führte ganz offenbar dazu, dass ihn ein Gegenspieler in jener 42. Minute des Testspiels rassistisch beleidigte. Der Blick spricht vom tunesischen Profi Slimen Kchouk als Urheber. Unmittelbar nach dem Vorfall ist für viele nicht klar, was passiert ist. Der Kommentator des YouTube-Livestreams, ein Mitarbeiter des VfL, vermutete zunächst einen Platzverweis, der auch optisch eingeblendet wurde. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass Jordi Osei-Tutu auf üble Weise diffamiert worden war. Bochum behält sich weitere Schritte vor "Jordi, wir stehen hinter dir", postete der VfL Bochum am Mittwochvormittag als Reaktion auf Twitter. Und weiter: "Der Vorfall im gestrigen Testspiel wird weiter mit allen Beteiligten aufgearbeitet." Der Verein behalte sich zudem weitere Schritte vor. Eine öffentliche Reaktion beim FC St. Gallen gab es unterdessen nicht. "Sollten sich die Vorwürfe erhärten, hätte das natürlich Konsequenzen für den Spieler", wird deren Pressesprecher Daniel Last aber im Blick zitiert. Video (Szene ab Minute 52): Am Mittwochnachmittag äußerte sich dann auch Jordi Osei-Tutu in Form einer Vereinsmitteilung. "Ich bin sehr enttäuscht, dass ich gestern Abend im Spiel rassistisch beleidigt worden bin", heißt es darin. "Niemand sollte jemals diskriminiert werden, und es ist wirklich schwer nachvollziehbar, wie sich ein Profi-Fußballkollege auf diese Weise respektlos verhalten kann." Im deutschen Profifußball sind rassistische Vorfälle im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa Italien eine Seltenheit, kommen aber vor. Erst kürzlich hatte etwa Sandro Schwarz, Trainer von Bundesligist Mainz 05, rassistische Ausrufe alkoholisierter Fans unterbunden. Bei Arminia fiel im August 2014 ein Fan auf, der während eines Drittliga-Spiels gegen die Stuttgarter Kickers einen dunkelhäutigen Spieler des Gegners mehrfach beschimpfte und anschließend den Hitlergruß zeigte. Andere Fans schritten ein, der Täter wurde damals zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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