Benötigt eine Millionensumme: Der 1. FC Kaiserslautern ist einer von mehreren Fußballklubs, für die es derzeit (mal wieder) um das finanzielle Überleben geht. - © picture alliance/dpa
Benötigt eine Millionensumme: Der 1. FC Kaiserslautern ist einer von mehreren Fußballklubs, für die es derzeit (mal wieder) um das finanzielle Überleben geht. | © picture alliance/dpa

Fußball Fünf ehemalige Arminia-Rivalen kämpfen ums Überleben

Finanzprobleme: Eine Reihe von prominenten Fußballvereinen ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Fünf Beispiele für Klubs, die ihre Defizite mit harten Sparkursen bekämpfen.

Bielefeld. Der SC Paderborn auf dem Weg in die Bundesliga, Arminia Bielefeld wirtschaftlich konsolidiert: Den beiden größten ostwestfälischen Fußballklubs geht es derzeit prima. Doch beide Vereine brauchen für die Erinnerung an äußerst unsichere Zeiten und Sorgen vor der Zahlungsunfähigkeit nur wenige Jahre zurückzublicken. Aktuell ist eine ganze Reihe von Traditionsvereinen – teils wiederkehrend – in Nöten. Einige sind langjährige Weggefährten der OWL-Vereine, insbesondere der Arminia. Die Situation von fünf Klubs mit ungewisser Zukunft stellen wir näher vor. Die Ursache ist in vielen Fällen ähnlich. MSV Duisburg Gerade abgestiegen in die 3. Liga, müssen die Zebras bereits darum kämpfen, überhaupt die Zulassung für die neue Spielklasse zu erhalten. Knackpunkt sind die Fernsehgelder. Schüttete die DFL über ihren stattlichen Vertrag mit Sky und Eurosport in dieser Saison immerhin noch 8,1 Millionen Euro an den MSV aus, so gibt es eine Klasse tiefer nur noch 1,3 Millionen Euro. Als Folge muss der Etat massiv gekürzt werden. Um überhaupt die Zulassung zu erhalten, unterstützt auch die Stadt Duisburg den MSV nun mit einer Million Euro, sodass die Stadionmiete um gut die Hälfte reduziert werden kann. Erinnerung: Erst 2013 war Duisburg, damals leitete Ex-Armine Roland Kentsch als Geschäftsführer die Geschicke, die Zweitliga-Lizenz verweigert worden. Ein Zwangsabstieg war die Folge. 1. FC Kaiserslautern Gut zwölf Millionen Euro benötigt der frühere Deutsche Meister aus der Pfalz zeitnah, um in der 3. Liga ein weiteres Jahr zu überleben. Zu einem Fehlbetrag von fünf Millionen haben sich weitere 6,7 Millionen Euro aus früheren Fananleihen dazugesellt, die nun fällig werden. In seiner Not suchen die Roten Teufel händeringend nach Investoren, allerdings arbeiten die führenden Kräfte im Klub gegeneinander. Ob tatsächlich ein Geldgeber einspringt, ist ungewiss. Aus eigener Kraft ist der FCK kaum mehr handlungsfähig, zumal das Stadion auf dem Betzenberg mit einer Kapazität von fast 50.000 Plätzen für die Liga überdimensioniert und zu teuer ist. Jedes Jahr in der 3. Liga verschlimmert die finanzielle Lage weiter. Am Donnerstagabend erklärte der Klub, das Angebot des des umstrittenen Investors Flavio Becca aus Luxemburg anzunehmen. Becca hatte als Voraussetzung für sein Engagement den Rücktritt von Michael Littig, Beiratsmitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrates, gefordert. Littig gab seine Ämter ab. Eintracht Braunschweig Selbst einen über lange Zeit vernünftig wirtschaftenden Verein wie Eintracht Braunschweig hat der Absturz in die Drittklassigkeit vor einem Jahr schwer getroffen. Sportlich war der Klassenerhalt in der 3. Liga lange fraglich, dürfte nun aber erreicht werden. Finanziell federte der BTSV die geringeren Einnahmen mit Eigenkapital ab, das Minus beträgt allein in dieser Spielzeit Schätzungen zufolge bis zu sechs Millionen Euro. Für das zweite Drittliga-Jahr muss massiv gespart werden: Viele Mitarbeiter müssen gehen, die U23 wurde abgemeldet, ein Fanshop in der Innenstadt geschlossen. Die Zulassung gab’s nur unter Auflagen. 1860 München Auch bei den Sechzigern ist die Erinnerung an eine Lizenzverweigerung noch frisch: 2017 ging es von der 2. Bundesliga direkt in die Regionalliga, weil Investor Hasan Ismaik nach dem Abstieg die erforderlichen Geldreserven nicht hinterlegen wollte. Grund: Der Jordanier befand sich als Gesellschafter der ausgegliederten Profimannschaft in einem bis heute andauernden Machtkampf mit dem eingetragenen Verein. Das führt nun dazu, dass Ismaik weiterhin kein Geld zahlt und Vereinspräsident Robert Reisinger deshalb einen strikten Sparkurs ausgerufen hat. Drei Millionen Euro hat der TSV in der 3. Liga 2019/20 nur noch für den Kader zur Verfügung, Experten bezeichnen die Löwen als heißen Abstiegskandidaten. Preußen Münster Arminias Erzrivale aus Münster ist ebenso in Nöten, wenn auch nicht akut gefährdet. Ein negatives Eigenkapital von vier Millionen Euro verkündete der Klub auf der Jahreshauptversammlung im Januar, auch die Adlerträger müssen deshalb kräftig sparen. Die Zulassung für eine weitere Saison in der Drittklassigkeit, die aufgrund des schwierigen Einnahmen-Ausgaben-Verhältnisses für eine Menge Vereine nicht langfristig zu stemmen ist, wurde an die Bedingung geknüpft, weitere Sponsorengelder nachzuweisen. Ohne ein siebenstelliges Darlehen von Multimillionär Walther Seinsch hätte der SC Preußen wohl schon im Vorjahr in die Regionalliga zwangsabsteigen müssen.

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