Aller Hoffungen beraubt: Die Spieler des Hamburger SV nach dem Schlusspfiff in Paderborn. - © W. Hiegemann
Aller Hoffungen beraubt: Die Spieler des Hamburger SV nach dem Schlusspfiff in Paderborn. | © W. Hiegemann

Kolumne Steinwurf "Das zweite Jahr wird für den HSV ganz hart"

Der Bielefelder und Ex-Nationaltorhüter Uli Stein sieht eine düstere Zukunft für seinen Ex-Verein Hamburger SV.

Das Spiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV, einer meiner ehemaligen Vereine, hat sehr viel gezeigt am Sonntag. Der HSV war chancenlos über 90 Minuten, hätte zur Pause auch schon mit drei oder vier Toren zurückliegen können. Diese Entwicklung war für mich nicht absehbar. Der HSV war Herbstmeister, hatte nach dem 19. Spieltag als Erster noch sechs Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz und ist dann so erbärmlich eingebrochen. Unerklärlich für mich. Möglicherweise stimmt einfach die Chemie zwischen Trainer Hannes Wolf und der Mannschaft nicht mehr. Die stärkste Aussage von Wolf war: „Es ist egal, wen ich aufstelle ..." Das ist eine Bankrotterklärung. Einerseits natürlich für die Spieler, aber letztendlich auch für ihn selbst. Er ist ja für den Zustand der Mannschaft verantwortlich. Die Aussage ist meiner Ansicht nach für ihn zum Bumerang geworden. Mit solch einem Kader, mit so hoch bezahlten Profis, darf ein solcher Absturz nicht passieren. Offenbar hat die Mannschaft, haben viele Spieler keinen Charakter. Und das zweite Jahr 2. Liga wird ein ganz harter Gang für den HSV. Bei den Punktverlusten der Spitzenteams muss man feststellen, dass es selten so einfach war, in die Bundesliga aufzusteigen. Das wird in der neuen Saison sehr wahrscheinlich viel schwerer. "Paderborn spielt mit Leidenschaft" Der SC Paderborn macht praktisch alles besser als der HSV. Erst mal haben Spieler und Trainer Steffen Baumgart einen Enthusiasmus entwickelt. Da steht eine Mannschaft auf dem Platz, in der jeder für jeden fightet, die sehr offensiv ausgerichtet ist und die Spaß am Fußball hat. Und die auf Teufel komm’ raus nach vorne spielt. Paderborn spielt mit Leidenschaft und mit allem, was dazugehört, um erfolgreich zu sein. Auch auf die Gefahr hin, dass es mal hinten rappelt. Der SC Paderborn ist für mich das Eintracht Frankfurt der 2. Liga. Die Paderborner haben dazu alle eine hohe spielerische Qualität. Manager Markus Krösche hat Spieler geholt, die alle zusammenpassen. Vom Charakter und der Spielart her. Alles hat ineinandergegriffen. Krösche hat das Näschen bewiesen, die richtigen Spieler zu sichten und zu holen. Ein Tipp für die Relegation Dass Markus Krösche die Begehrlichkeiten größerer Klubs weckt, ist ganz normal. Bei RB Leipzig ist er aber noch nicht. RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hat mir gesagt, dass es bisher keine Kontakte gibt. Anders als andere Zeitungen das schreiben. Zum Thema Aufstieg: Egal, ob der SC Paderborn oder Union Berlin: Ich glaube nicht, dass einer von den beiden in der Relegation gegen den VfB Stuttgart bestehen kann. Die Stuttgarter haben rechtzeitig in die Spur gefunden und spielen jetzt auch wieder etwas besser Fußball. Insofern geht es nur über den direkten Aufstieg. Die Chancen für den Dritten der 2. Liga sehe ich bei zehn Prozent. Maximal.

realisiert durch evolver group