0
Mehr als 30 Fackeln und Bengalos brennen im Arminia-Block. Was von außen wie ein spektakuläres rot glühendes Rauchgebilde aussieht, ist in den Augen vieler Fans nicht nur störend. - © Wolfgang Rudolf
Mehr als 30 Fackeln und Bengalos brennen im Arminia-Block. Was von außen wie ein spektakuläres rot glühendes Rauchgebilde aussieht, ist in den Augen vieler Fans nicht nur störend. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Bielefelder Pyro im Stadion - DSC-Anhängerin (21) muss ins Krankenhaus

21-Jährige im Gästeblock muss mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Arminia-Ultras zünden in Duisburg gut 50 bis 60 Bengalos - nicht alle maskieren sich dabei

Jens Reichenbach
30.04.2019 | Stand 30.04.2019, 15:46 Uhr

Bielefeld. Arminia-Fans zündeten am Montagabend mehr als 50 rot leuchtende Fackeln im Gästeblock des Duisburger Stadions (Arminia sicherte sich beim 2:2 den Klassenerhalt). Eine 21-jährige Anhängerin des DSC kam nach Angaben der Polizei Duisburg aufgrund des massiven Rauchs im Block mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Laut Gesetz ist das Abbrennen der roten Bengalos verboten, die Ultras zahlreicher Fußballvereine wollen sich dieses Mittel der Fan-Kultur trotzdem nicht nehmen lassen. Die Fußballvereine müssen anschließend zum Teil empfindliche Strafen zahlen. Das Thema Pyro-Technik ist seit Jahren ein Reizthema zwischen Fans, Vereinen und Sicherheitsbehörden. Doch wie läuft das eigentlich im Stadion ab? Fotos vom DSC-Block am Montag zeigen das organisierte Vorgehen der Fans ziemlich genau. Kurz vor dem Spiel werden noch Gesänge geschmettert und Schals wie auch Fahnen geschwenkt. Die Szenerie ist friedlich. Doch dann folgt das Zeichen zum Start. Eine große Arminia-Fahne - eine Blockfahne - wird über den Köpfen der Fans ausgebreitet. Unter dieser Fahne vermummen sich die Ultras und verteilen die ins Stadion geschmuggelten Bengalos. Die Polizei kennt dieses Verhalten längst. Die Überwachungskameras im Stadion, die von der Stadionleitstelle der Polizei geschwenkt und gezoomt werden können, sehen alles im Block - nur nicht, was unter dieser Fahne geschieht.14 Vermummte vor der großen Pyro-Show Nachdem die Fahne weg ist, sieht man auf dem nächsten Foto mindestens 14 vermummte Fans im Block. Die meisten von ihnen sitzen vorne auf dem Zaun. Vier Vermummte haben sich aber auch weiter hinten positioniert. Eine erste Fackel brennt bereits. Was anschließend passiert, ist für Bielefelder Verhältnisse ungewöhnlich. Innerhalb kürzester Zeit brennen mehr als 50 bengalische Fackeln im DSC-Block. Dicke, rote Rauschwaden ziehen über die Köpfe der Arminia-Fans hinweg. Und nicht nur das: Ein Rollifahrer berichtet vom Nebenblock: "Wir saßen mitten drin in dem Rauch." Nicht alle Anhänger des DSC haben Verständnis für dieses Vorgehen. Die Polizei warnt in der Regel vor der enormen Hitze, die diese Fackeln entwickeln. Von Verbrennungen unter Unbeteiligten liest man allerdings selten. Doch der Rauch in den Augen geht vielen Fans gehörig auf den Senkel. Im Fall der 21-jährigen Arminia-Anhängerin wird aber auch deutlich, dass die giftigen Gase, die von den Fackeln ausgehen, durchaus gesundheitsschädlich sind. Hier endet für viele der Solidaritätsgedanke. In den Fanforen schimpfen einige auf die Bielefelder Pyro-Ultras. Auch für den Verein kann so ein Auftritt teuer werden. Ein neuer Strafenkatalog des DFB sieht für die ersten drei Ligen gestaffelte Bußgelder vor. So kann das Abbrennen eines Bengalos in der Bundesliga den Verein 1.000 Euro kosten, in der zweiten Liga 600 Euro. Das Werfen von Pyro liegt etwa bei 3.000/1.500 Euro. Und zwar pro Fackel: Die Strafe bezieht sich jeweils auf jeden einzelnen pyrotechnischen Gegenstand, der gezündet wurde. Im Duisburger Fall droht dem Bielefelder Zweitligisten eine Strafe in fünfstelliger Höhe. Beim DFB-Pokal-Spiel in Stendal gab es 300 Euro Strafe pro Fackel Arminia distanziert sich stets von solchen Pyro-Auftritten seiner Fans. Hilft der Verein bei der Identifikation der Täter, könnten die Bußen neuerdings sogar gemindert werden. Das neue DFB-Verfahren wurde als Reaktion auf unliebsame Kollektivstrafen konzipiert. Beim DFB-Pokal-Spiel im August 2018 in Stendal brannten sieben Fackeln. Der DFB verhängte schließlich eine Geldstrafe über 300 Euro pro Fackel: 2.100 Euro Strafe insgesamt. Doch wie kommt die ganze Pyro-Technik eigentlich ins Stadion? Werden diese Fans denn gar nicht kontrolliert? Wenn Stadionordner und Polizei das so genau wüssten, gäbe es deutlich weniger Vorkommnisse. Immer wieder ist von Verstecken im Stadion die Rede, die die Fans in der Nacht vor dem Spiel suchen. Doch die Realität ist möglicherweise einfacher: Die Bengalos werden schlicht reingeschmuggelt. In der Unterwäsche, in präparierten Schuhsohlen oder sogar in Körperöffnungen, heißt es immer wieder.

realisiert durch evolver group