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Total frustriert: Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl nach dem 0:6 in Augsburg. - © Witters
Total frustriert: Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl nach dem 0:6 in Augsburg. | © Witters

30. Spieltag der Bundesliga Kommentar zum VfB Stuttgart: "Weinzierls Team schaffte nur Schrott"

Torsten Ziegler
20.04.2019 | Stand 20.04.2019, 22:34 Uhr

Bielefeld. Der Trainer des VfB Stuttgart knetete seine Finger. Sein Blick wanderte von den Händen zum Boden, dann auf den Rasen. Ratlos. Verzweifelt. Sauer. Markus Weinzierl dürfte schon Mitte der zweiten Halbzeit des 0:6-Debakels beim FC Augsburg gespürt haben, dass er seine Spieler nicht erreicht, vielleicht nie errreicht hat seit seinem Einstieg bei den Schwaben am 9. Oktober 2018 als Nachfolger von Tayfun Korkut. Der VfB Stuttgart ist ein Klub mit anderen Ansprüchen, will ein Premiumprodukt der Bundesliga sein, so selbstverständlich, wie die Auto-Industrie aus der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg Fahrzeuge der Oberklasse produziert. Die Job-Garantie ist nichts mehr wert Doch Weinzierls Team schaffte nur Schrott. Viele der mitgereisten Fans ersparten es sich, den Abpfiff der Demütigung zu erleben. Sie senkten den Daumen und fuhren bereits nach dem fünften Gegentor heim. Da war noch eine halbe Stunde zu spielen. Sie verpassten den blitzschnellen Abgang von Weinzierl. Sein Weg von der Trainerbank in die Katakomben jenes Stadions, in dem er als Trainer seine beste Zeit hatte, betrug kaum zehn Schritte. Kurz genug, dass ihm die Schmähungen der verbliebenen VfB-Fans nicht mehr zu Ohren kamen. Ob er sie nach diesem Tiefschlag überhaupt registriert hätte? Es war ihm klar, dass die Job-Garantie, die ihm Sportvorstand Thomas Hitzlsperger noch vor zwei Wochen ausstellte, nach diesem Offenbarungseid nichts mehr wert war. Hitzlsperger kommt kaum umhin, jetzt zu reagieren. Natürlich wird es den Trainer treffen, weil gravierende Korrekturen im Spielerkader immer nur zwischen den Spielzeiten oder notfalls auch während der Winterpause möglich sind. Ein neuer Trainer aber kann in vier Partien plus möglicher Relegation gegen den Zweitliga-Dritten eventuell noch etwas bewirken. Nach nur einem Sieg in den letzten 15 Spielen hat Weinzierl kein Argument mehr für seine Weiterbeschäftigung. Der direkte Klassenerhalt ist kein realistisches Ziel mehr, sogar der direkte Abstieg ist trotz der gleichzeitigen 0:2-Schlappe des 1. FC Nürnberg in Leverkusen zu befürchten. Denn Nürnberg präsentiert sich seit Wochen mit aufsteigender Tendenz, ganz im Kontrast zum VfB. Der, das macht die Bilanz noch schauriger, seinen einzigen Dreier der vergangenen Monate gegen die desolaten Hannoveraner erzielte. Ein Weinzierl-Nachfolger kann nicht auf ein intaktes Team hoffen Was ein Trainerwechsel bewirken kann, durften die Stuttgarter am Samstag aus nächster Nähe beobachten. Beim FC Augsburg ersetzte kürzlich Martin Schmidt den am Ende glücklosen Manuel Baum. Der FCA ist durch das aktuelle 6:0 so gut wie gerettet. Allerdings lobte Schmidt nach seinem Dienstantritt die Arbeit seines Vorgängers. Er habe ein intaktes und charakterstarkes Team übernommen. Darauf kann ein Weinzierl-Nachfolger ganz offensichtlich nicht bauen. Darauf zu hoffen, in dieser Konstellation irgendwie wenigstens in die Relegation zu stolpern, wäre allerdings fahrlässig. So wartet auf Markus Weinzierl sehr sicher eine unangenehme Oster-Überraschung durch Thomas Hitzlsperger. Wenn denn diese beschämende Darbietung in Augsburg für den sportlich Verantwortlichen überhaupt jemals zu toppen sein wird.

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