Abschiedstournee im DSC-Trikot: Sören Brandy im Sommer 2018 in einem Testspiel beim FC Gütersloh. - © Henrik Martinschledde
Abschiedstournee im DSC-Trikot: Sören Brandy im Sommer 2018 in einem Testspiel beim FC Gütersloh. | © Henrik Martinschledde

Arminia Bielefeld Für Sören Brandy ist im Sommer Schluss bei Arminia

Der Offensivspieler ist seit Januar 2017 bei den Bielefeldern.

Bielefeld. „Früher", sagt Sören Brandy, als er vom Platz schlurft, „habe ich meine älteren Mitspieler belächelt, wenn sie meinten, dass ihnen nach dem Training alles wehtut." Inzwischen weiß er, wovon sie sprachen. Mit bald 34 ist Brandy der älteste Spieler in Arminia Bielefelds Profikader, seine Karriere als Berufsfußballer neigt sich dem Ende entgegen. Brandys Vertrag läuft am 30. Juni aus, von Sportchef Samir Arabi hat er schon erfahren, dass es für ihn – sofern nicht noch völlig überraschende Dinge passieren – keinen Nachschlag geben wird. „In meinem Alter wird es schwierig" „Ich bin ja nicht blauäugig", sagt Brandy. Was eine zutreffende Aussage ist, weil seine Augen braun sind. Richtig liegt er aber auch mit der Einschätzung, dass andere Profiklubs in den nächsten Wochen nicht unbedingt Schlange stehen werden, um ihn zu verpflichten. „In meinem Alter und mit meiner Bilanz der letzten Jahre wird es schwierig", weiß er. 27 Pflichtspiele hat der offensive Instinktfußballer in den knapp zweieinhalb Jahren seit seiner Verpflichtung für Arminia Bielefeld bestritten, dabei einen Treffer erzielt und zwei Tore vorbereitet. In dieser Saison waren es bisher nur fünf Kurzeinsätze. Brandy versucht sich erst gar nicht in Schönrednerei, er sagt: „Das hat der Verein sich anders vorgestellt, das habe ich mir anders vorgestellt." Arminia steckte im Abstiegskampf der 2. Liga, als Brandy im Januar 2017 von Union Berlin in seine ostwestfälische Heimat zurückkehrte. Geboren in Verl und aufgewachsen in Schloß Holte, Abitur an der Hans-Ehrenberg-Schule in Bielefeld-Sennestadt, fußballerisch ausgebildet beim VfB Schloß Holte und beim FC Gütersloh und mit weiteren Stationen in Kiel, Essen, Paderborn und Duisburg. Ein gestandener Profi mit mehr als 200 Einsätzen und 41 Toren in der 2. Liga. Auch mit einer Verletzungshistorie. Und schon 31. Aber wer um den Klassenerhalt bangt, steht unter dem Druck zu handeln. Was in Winterpausen keine ganz einfache Angelegenheit ist. Von seiner Verpflichtung und derjenigen von Reinhold Yabo erhofften sich Arabi und der damalige Trainer Jürgen Kramny eine Belebung der Offensive. "Ich habe meine Gesundheit geopfert" Doch Brandy verletzte sich wenige Tage nach seiner Ankunft in Bielefeld in einem Testspiel: Muskelfaserriss im Oberschenkel. Trotzdem lief er knapp zwei Wochen später gegen 1860 München auf. Arminia siegte 2:1, ein ganz wichtiger Sieg, und Brandy zeigte als hängende Spitze, weshalb man ihn geholt hatte. Die Probleme im Oberschenkel, die Verletzungsanfälligkeit wurde er allerdings nie wieder vollständig los. Zuletzt plagten ihn Schwierigkeiten mit dem Knie. „Ich bin keiner, der sich versteckt", sagt er, „wenn man es etwas überspitzt formulieren will, könnte man sagen: Ich habe für das Spiel gegen 1860 meine Gesundheit geopfert, denn wir wollten unbedingt die Klasse halten." Vielleicht, denkt er heute, wäre es besser gewesen, länger zu pausieren. „Es ist schon ein bisschen schade, dass ich nicht ein bisschen erfolgreicher war in meiner Zeit bei Arminia", sagt er, „denn ich habe viele Freunde und Bekannte in der Kurve." In die ostwestfälische Heimat zurückzukehren, betrachtet er trotzdem noch immer als richtige Entscheidung. In Bielefeld wollen die Brandys möglichst auch bleiben, Tochter Milla kommt im Sommer in die Schule. Der Papa denkt auch für sich selbst über die Schule nach. Seine Eltern sind Lehrer, er hat das vor Jahren begonnene Lehramtsstudium mit den Fächern Mathematik und Sport für die Profikarriere unterbrochen. Die Schule ist sein Plan B, noch besser kann er sich eine Zukunft im Fußballgeschäft vorstellen. Spruchreif, sagt Brandy, sei aber noch nichts. „Fußball ist mein Leben" Am liebsten würde er aber noch ein bisschen spielen. „Fußball ist mein Leben, wenn es etwas unterklassig weitergeht, dann ist es eben so", sagt er, der viele Kontakte zu den Klubs der Region hat, auch zu Regionalligisten wie SC Verl und SC Wiedenbrück. Ein oder zwei Jahre in der 4. Liga traut Brandy sich noch zu. Auch wenn ihm schon jetzt nach dem Training alles wehtut.

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