Ab durch die Mitte: Tom Schütz (Mitte) setzt sich bei der 1:2-Hinspielniederlage gegen zwei St.-Pauli-Kicker durch. - © Christian Weische
Ab durch die Mitte: Tom Schütz (Mitte) setzt sich bei der 1:2-Hinspielniederlage gegen zwei St.-Pauli-Kicker durch. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Arminias Tom Schütz: Routinier mit Herzblut

Für den 31-jährigen ist seine achte Saison beim DSC die schwierigste

Bielefeld. Mit 31 ist man als Profifußballer in einem Alter, in dem man sich vielleicht auch mal fragt, was nach dem Karriereende kommen könnte. Es sei denn, man heißt Claudio Pizarro. So wie Bremens 40-jähriger Stürmer, der einfach immer weiterspielt, würde es wohl auch Tom Schütz von Arminia Bielefeld am liebsten machen. Einen schöneren Arbeitsplatz als den grünen Rasen kann es auch für ihn, der mit „Herzblut" bei der Sache ist, wie sein Trainer Uwe Neuhaus sagt, ja nicht geben. Allerdings hat Schütz in den vergangenen Monaten erfahren müssen, welch grundlegende Voraussetzung für eine lange Karriere Gesundheit ist. Vor der Begegnung des DSC am Sonntag beim FC St. Pauli (Anstoß: 13.30 Uhr) sagt er, der schon seit 2011 für Bielefeld aktiv und mit Fabian Klos der dienstälteste Profi im aktuellen Aufgebot ist: „Diese Saison ist die mit Abstand am wenigsten zufriedenstellende für mich." Einem Nasenbeinbruch, den er vor dem vierten Spieltag erlitt, folgten Achillessehnenprobleme und muskuläre Beschwerden in den Waden. Für 13 Zweitliga-Partien dieser Saison stand Schütz verletzungsbedingt nicht zur Verfügung, 14 Punktspieleinsätze – acht davon in der Startelf – sind für ihn im Vergleich zu den Vorjahren eine geringe Quote. „Durchwachsen" ist das Wort, das er für seine persönliche Zwischenbilanz benutzt. „Mit Erfahrung, Ruhe und Sicherheit am Ball" Auch in Hamburg wird der defensive Mittelfeldspieler aller Voraussicht nach auf der Bank Platz nehmen. Für Neuhaus, der anders als Vorgänger Jeff Saibene nur auf einen „Sechser" setzt, gibt es nach sieben Punkten aus den jüngsten drei Spielen eigentlich keinen Anlass zu wechseln. Manuel Prietl wird wohl auch im Millerntor-Stadion die Position vor der Abwehr einnehmen. Schütz stellt sich darauf ein, seiner Mannschaft wie zuletzt nach einer Einwechslung „mit Erfahrung, Ruhe und Sicherheit am Ball" (Neuhaus) zu helfen. Und nicht zu vergessen: mit gefährlich getretenen Ecken und Freistößen. Über seine Verletzungsmisere und die Wochen, in denen er gezwungenermaßen untätig blieb, sagt Schütz: „Es war für mich eine schwierige Situation." Sein Ehrgeiz trieb ihn zu früh wieder auf den Platz, Trainer Neuhaus musste ihn bremsen. Schütz hat gelernt, „dass weniger manchmal mehr ist". Typisch ist für ihn aber vor allem dieser Satz: „Ich bin froh, jetzt wieder dabei zu sein, und will die sechs Spiele, die wir noch haben, nutzen, um so viel wie möglich zu spielen." Schütz kann, was Profisportler können sollten: Vergangenes schnell abhaken und nach vorn schauen, um für die nächste Herausforderung voll konzentriert zu sein. Schütz studiert Sportbusiness-Management Auf die Frage, was er nach seiner Laufbahn tun wird, hat der Familienvater, dessen Vertrag bei Arminia bis Juni 2020 läuft, noch keine konkrete Antwort. Er studiert Sportbusiness-Management, hält die Augen offen und versucht, sich breit aufzustellen. Die Zukunft kann kommen, sein Fokus aber liegt auf der Gegenwart. Es muss ja nicht gleich so sein wie bei Pizarro, aber ein Weilchen dürfte die Fußballkarriere nach seinem Geschmack schon noch andauern. „Was gibt es Schöneres, als am Sonntag bei St. Pauli zu spielen?", fragt Tom Schütz – und gibt die Antwort selbst.

realisiert durch evolver group