Technisch stark: Arminias Joan Simun Edmundsson im Spiel gegen Regensburg. - © Wolfgang Rudolf
Technisch stark: Arminias Joan Simun Edmundsson im Spiel gegen Regensburg. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Joan Simun Edmundsson: Auf der Suche nach der Schärfe

Ich glaube, dass ich es besser kann. Aber die Knieverletzung aus dem November war die erste schwere in meiner Karriere"

Bielefeld. Joan Simun Edmundsson ist ein gut erzogener, höflicher Mensch. Zuletzt aber hat man den Fußballprofi von Arminia Bielefeld öfter fluchen gehört. Auch vor dem Zweitliga-Heimspiel am Sonntag ab 13.30 Uhr gegen den VfL Bochum. Was genau er da auf dem Platz vor sich hinmurmelt oder herausbrüllt, wissen seine Mitspieler nicht, schließlich sind sie der färöischen Sprache nicht mächtig. Trotzdem spüren sie genau: „Eddy" ist in diesen Tagen nicht zufrieden mit sich und seinen Leistungen. Weder im Training noch im Spiel. Zur herben Niederlage gegen Köln merkt er im Video-Interview an, dass die Mannschaft nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen sei (Minute 0:38). "Wir haben einiges falsch gemacht und sind dafür bestraft worden", sagt Edmundsson. "Wir hatten einen schlechten Tag und es war ein für alle enttäuschendes Ergebnis."(Min. 1:00). Gegen Bochum ist es aus seiner Sicht wichtig, dass die Mannschaft zeigt, dass sie das Selbstbewusstsein und die Energie hat, jedem zu zeigen, dass ihr Arminia wichtig ist und das Beste gibt (1:23). Im Sommer aus Dänemark nach Bielefeld gewechselt, war der Färinger anfangs Arminias effektivster Offensivspieler. Der Linksfuß ist einer für die besonderen, unerwarteten Aktionen und zudem recht abgebrüht vor des Gegners Tor. „Er kann Spiele entscheiden", weiß auch sein Trainer Uwe Neuhaus. Umso mehr ärgert es Edmundsson, dass er sein Können in diesem Jahr noch nicht in voller Pracht entfaltet hat. Zu seinen vier Toren und fünf Vorlagen der Hinrunde kam 2019 bisher lediglich ein Treffer in Dresden hinzu. „Ich glaube, dass ich es besser kann. Aber die Knieverletzung aus dem November war die erste schwere in meiner Karriere", sagt der 27-Jährige in englischer Sprache, „und es hat Zeit gebraucht, zurückzufinden." "Man bekommt eine Antwort, aber die ist oft kurz" "Eddy hat in der Zeit, in der ich in Bielefeld bin, bisher nur angedeutet, wozu er in der Lage ist", sagt Neuhaus. Den Spieler Edmundsson schätzt der Trainer als einen, "der intuitiv viele Dinge richtig macht und viel Qualität hat". Den Menschen Edmundsson kennenzulernen, sei "gar nicht so einfach" gewesen: "Er ist ein zurückhaltender Mensch, der wenig von sich erzählt. Man bekommt eine Antwort, aber die ist oft kurz." Edmundsson ist eben ein ruhiger Typ - von gelegentlichem Fluchen einmal abgesehen. „Eddy" fiel bis zum Ende des Jahres 2018 aus, ist inzwischen aber schmerzfrei und gehört der Stammelf an. Doch die Spiele liefen zuletzt auch für seinen eigenen Geschmack zu oft an ihm vorbei. „Ich möchte wieder wichtiger für die Mannschaft werden", sagt er, lenkt das Gespräch dann aber lieber in eine andere Richtung: „Das Wichtigste ist doch, dass wir gewinnen." Am liebsten schon gegen Bochum. „Ich denke, wir sind zu stark, um abzusteigen. Aber wir sollten sehen, dass wir schnell Punkte holen", sagt er, „wir haben die Qualität und Mentalität, um eine Negativserie wie in der Hinrunde zu vermeiden." Gegen den VfL müsse Arminia - anders als zuletzt beim 1:5 in Köln - "mit Energie, Charakter und Stolz" ins Spiel gehen. "Vielleicht", sagt Edmundsson, "wird der eigentliche Fußball nicht fantastisch sein, aber die Einstellung muss stimmen." „Das ist der Weg, um Schärfe und Fitness zurückzubekommen" Nach der Partie gegen den VfL geht es für Edmundsson erst einmal in die Heimat – und dann quer durch Europa. Mit der Auswahl seiner Heimatinseln spielt der 51-malige Nationalspieler in der EM-Qualifikation auf Malta (23. März) und in Rumänien (26. März). Die Partien sollen, so hofft er, ihn auch im Hinblick auf die Restsaison bei Arminia weiterbringen. „Mehr Spiele zu machen", sagt Edmundsson, „das ist der Weg, um Schärfe und Fitness zurückzubekommen." Und am besten auch ein wenig mehr Zufriedenheit.

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