Schiedsrichter Felix Brych hatte am Sonntag ein wegen diverser Pyro-Eskapaden sehr schwieriges Hamburger Derby zu leiten. Er tat es souverän und im Dialog mit den Spielern. - © picture alliance / Selim Sudheimer
Schiedsrichter Felix Brych hatte am Sonntag ein wegen diverser Pyro-Eskapaden sehr schwieriges Hamburger Derby zu leiten. Er tat es souverän und im Dialog mit den Spielern. | © picture alliance / Selim Sudheimer

STEINWURF - die Fußball-Kolumne von Uli Stein Ich ziehe den Hut vor Schiedsrichter Brych

Anhänger von St. Pauli und dem Hamburger SV veranstalteten beim Derby eine Pyro-Show, die fast zum Spielabbruch geführt hätte.

Am Sonntag war ich echt in Sorge. St. Pauli gegen den Hamburger SV – dieses so wunderbar emotional aufgeladene Stadtderby in der zweiten Liga stand leider dicht vorm Abbruch. Wieder einmal hätte es ein Häuflein von Selbstdarstellern fast geschafft, ein solches Fußballfest durch das unnötige und brandgefährliche Pyro-Theater vorzeitig zu beenden. Ich ziehe an dieser Stelle gerne den Hut vor Schiedsrichter Felix Brych, der die Situation gottseidank wunderbar souverän im Griff hatte. Es war sicher zum Großteil seiner Spielleitung zu verdanken, dass er die Partie trotz dieser komplett überflüssigen Begleitumstände mit viermaliger Unterbrechung zu Ende brachte. Warum nur müssen diese unbelehrbaren Chaoten immer wieder dermaßen aus der Rolle fallen? Nicht nur beim HSV, denn das ist ja ein Problem, dem sich beinahe jeder Profiklub immer mal wieder stellen muss. Und beim Derby waren es auch beide Fan-Lager, die zündelten. Die echten Fans müssen die Chaoten isolieren Für mich geben diese Leute lediglich vor, Fans zu sein. Sie wissen doch, dass sie dem Verein schaden. Wären sie echte Fans, wollten sie Schaden von ihrem Klub abwenden. Die Geldstrafen sind doch schon hoch, und es kann bei ständiger Wiederholung sogar zu Punktabzügen führen. Keiner, der es ernst meint mit seiner Liebe zu einem Verein, kann das wollen. Also sehe ich nicht nur die Vereine zusammen mit den Sicherheitskräften in der Pflicht, rigoroser als bisher einzuschreiten. Die echten Fans müssen die Chaoten isolieren. Das geschieht oft schon durch Sprechchöre im Stadion, aber in den Problemblocks sollte endlich Selbstreinigung passieren. Dass es jetzt knapp gutgegangen ist und der HSV seine Aufstiegsambitionen mit dem verdienten 4:0 dick unterstreichen konnte, ermutigt hoffentlich nur die Mannschaft und nicht die Pyromanen, es bald noch doller zu treiben. Dann bliebe irgendwann ein Spielabbruch die einzige Möglichkeit. Wie es der Zufall wollte, stand an diesem Sonntag auch die Fortführung eines Erstligaspiels in Frage. Und auch hier hat der Schiedsrichter richtig entschieden, indem er nur kurz vor der Halbzeit einmal unterbrach. Sören Storks rief im heftigen Schneetreiben bei Hannover gegen Leverkusen die Helfer mit Besen auf den Platz, um die Linien wieder sichtbar zu machen. Ein Abbruch war nicht nötig. Bei solchen Bedingungen haben wir früher im Winter häufig gespielt, weil es kaum Rasenheizungen gab. Und dann ist es nicht nur Pech, wenn wie beim Schuss des Hannoveraners Haraguchi der Ball wenige Zentimeter vor der Torlinie vom Schnee gebremst wird. Ein Profi muss wissen, dass man diese Bälle nicht flach schießt. Doch Hannover kann trotz der 2:3-Schlappe etwas zuversichtlicher in die Spiele in Augsburg und gegen Schalke gehen. Die Moral hat gestimmt, spielerisch wirkten sie verbessert. Gegen diese direkten Konkurrenten müssen allerdings sechs Punkte her.

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