Freud und Leid: Während die Kölner Anhänger einen weiteren Treffer ihrer Mannschaft feiern, sind Arminias Profis sichtlich frustriert. - © Wolfgang Rudolf
Freud und Leid: Während die Kölner Anhänger einen weiteren Treffer ihrer Mannschaft feiern, sind Arminias Profis sichtlich frustriert. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Der DSC ist chancenlos im Kölner Fußballkarneval

Köln. Am vergangenen Mittwoch war mal wieder alles vorbei, mit Aschenkreuzen auf der Stirn beendeten die Kölner beim Fischessen den Karneval. Nur drei Tage später lebte die fünfte Jahreszeit zumindest im Rheinenergiestadion aber schon wieder kurzzeitig auf: Beim 5:1-Sieg des 1. FC Köln im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld stimmten gut 45.000 kölsche Jecken bei jedem Treffer ihres Herzensklubs den Fastelovend-Hit „Wenn et Trömmelche jeht" an. „Man hatte das Gefühl, als wollten wir die Party nicht verderben" Für den Geschmack der ohnehin nicht eben als Karnevalisten bekannten Bielefelder und ihrer 4.000 mitgereisten Anhängern ging die Trommel entschieden zu oft, ihnen blieb bei diesem Fußballkarneval nicht mehr als eine Statistenrolle. „Man hatte das Gefühl, als wollten wir die Party nicht verderben", kritisierte Arminias Sportchef Samir Arabi die passive, von Respekt vor Kulisse und Qualität der Kölner Mannschaft geprägte Vorstellung. Trainer Uwe Neuhaus attestierte seinen Spielern ein Verhalten wie das des „berühmten Kaninchens vor der Schlange". Was für einen Auftritt in der 2. Liga kaum geeignet war, ist immerhin eine sehr schöne Kostümidee für die nächste närrische Session. Wenn die Bielefelder Verantwortlichen der höchsten Saisonniederlage und dem dabei sichtbar gewordenen Klassenunterschied etwas Positives abgewinnen wollen, dann vielleicht die nochmalige Bestätigung dieser Einschätzung: Um unter den inzwischen verbesserten wirtschaftlichen Voraussetzungen künftige sportliche Ambitionen erfolgreich umzusetzen, bedarf es bei Arminia noch einiger Anstrengungen. Auf dem Trainingsplatz genauso wie in der Kaderplanung. „Wir waren immer einen, zwei Schritte zu spät" Der DSC kam in Köln erst gar nicht dazu, seinen Plan auch nur ansatzweise anzuwenden. Statt Gegner und Heimpublikum mit Ballbesitz und stabiler Defensive zu entnerven, geriet Arminia sofort und dauerhaft unter Druck. „Wir wollten die Zweikämpfe nutzen, um ihnen Respekt einzuflößen, aber es war eher andersherum", sagte Neuhaus, der zudem die Vielzahl individueller Fehler und die Schwächen im Aufbau monierte. „Immer einen, zwei Schritte zu spät" seien seine Mitspieler und er selbst gewesen, bestätigte Reinhold Yabo. Der Mittelfeldspieler sprach von einer „absolut katastrophalen" Leistung, Angreifer Fabian Klos stellte selbstkritisch fest: „Wir haben als Mannschaft nicht gut verteidigt. Bei den Stürmern angefangen, denn wir sind nicht gut angelaufen." So konnten die Kölner Taktgeber Marco Höger und Johannes Geis nahezu störungsfrei Angriff auf Angriff einleiten. Dass sie dies in einem Tempo und mit einer Präzision deutlich über Zweitliga-Durchschnitt taten, liefert eine weitere Erklärung für die Bielefelder Pleite. So etwa vor dem frühen Führungstreffer durch Drexler, der dabei zudem von einem Stellungsfehler von Stephan Salger profitierte. "Ecken wie Kanonenschläge" Exemplarisch für die in allen Facetten des Spiels deutlich werdende Kölner Klasse nannte Klos die von Geis getretenen Eckbälle. „Wie Kanonenschläge" seien diese vor dem DSC-Tor eingeschlagen. Kölns Stürmer Simon Terodde nutzte zwei dieser Situationen, in denen die Bielefelder ihren erkrankten Kapitän Julian Börner besonders schmerzlich vermissten, für Kopfballtreffer zum 2:0 und 5:1. Und weil Terodde, der in seiner Karriere nun schon 13 Mal gegen Arminia getroffen hat, zudem per Fuß und gegen den erneut ungünstig postierten Salger das 4:0 erzielte, steht der Goalgetter nun schon bei 26 Saisontoren. Dem 3:0, mit dem der FC dem DSC kurz nach der Pause die letzte Hoffnung nahm, ging eine starke Einzelleistung Cordobas gegen den unglücklich agierenden Behrendt voraus. Für die Gäste reichte es nur zum 1:4 durch Voglsammer nach Clauss-Hereingabe. Den Schlusspunkt setzte der FC. Selbstverständlich in Person von Terodde. Und so ging noch einmal „et Trömmelche", bevor wirklich alles vorbei war.

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