Ungewohnte Rolle: Als Torschütze nimmt Jonathan Clauss (2. v. r.) in Berlin Glückwünsche der Mitspieler entgegen. - © Wolfgang Rudolf
Ungewohnte Rolle: Als Torschütze nimmt Jonathan Clauss (2. v. r.) in Berlin Glückwünsche der Mitspieler entgegen. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Jonathan Clauss: "Das war mein schönster Moment bei Arminia“

Bielefeld. Wenn Jonathan Clauss irgendwann einmal auf seine Karriere als Profifußballer zurückblicken wird, dann werden wohl auch Bilder von Arminia Bielefelds jüngstem Spiel vor seinem geistigen Auge erscheinen. Das 1:1 bei Union Berlin hat einen besonderen Platz in seinem Gedächtnis, weil der Rechtsverteidiger eine gute Leistung mit seinem ersten Treffer für den DSC krönte. „Ja, das war bis jetzt mein schönster Moment bei Arminia", bestätigt er. Clauss ist seit August des vergangenen Jahres in Bielefeld, er war zuvor mit US Quevilly in die 3. französische Liga abgestiegen und vereinslos. Als Arminias Cédric Brunner am zweiten Spieltag in der Begegnung gegen Dresden eine Knieverletzung erlitt, reagierte Sportchef Samir Arabi mit der Nachverpflichtung des Außenverteidigers mit Offensivqualitäten. In der Partie beim Hamburger SV bekam er seine ersten Minuten. „Jonathan ist ein unkomplizierter Typ, aber auch er hat Anlaufzeit benötigt" Auf 17 Zweitliga-Einsätze hat Clauss es bislang gebracht, doch nur sieben davon absolvierte er über die vollen 90 Minuten. Denn nach seinem gelungenen Startelfdebüt beim 5:3 gegen Regensburg kehrte der genesene Brunner in die Anfangsformation zurück, Clauss tat sich häufig schwer. Wenn er spielte, genügten seine Leistungen nach Meinung mancher Beobachter nicht immer Zweitliga-Ansprüchen. „Jonathan ist ein unkomplizierter Typ, aber auch er hat natürlich Anlaufzeit benötigt", relativiert Arabi. Inzwischen hat Clauss sich in Bielefeld eingelebt, bei Arminia kennt er nun die Menschen und Abläufe, zudem hat der Straßburger sein Deutsch verbessert. „Ich habe den Kopf frei und fühle mich gut", erzählt er. Eine mindestens genauso wichtige Voraussetzung für die positive Entwicklung, die er genommen hat, ist seine große Bereitschaft. Bei einem deutschen Zweitligisten unterzukommen, erschien Clauss noch im vergangenen Sommer unvorstellbar. Die Chance, die sich ihm unverhofft bot, möchte er unbedingt nutzen und herausfinden, bis wohin er seine Leistungsgrenze verschieben kann. „Ich arbeite jeden Tag dafür, und wenn du gut arbeitest, bekommst du irgendwann etwas zurück", sagt er und sieht sich in dieser Einschätzung durch die jüngsten Geschehnisse bestätigt: Brunner, der zuvor in Regensburg eine starke Partie inklusive Premierentor für Arminia gezeigt hatte, fiel für die Spiele gegen Magdeburg und in Berlin krankheitsbedingt aus, Clauss nutzte die Gelegenheit mit einer ordentlichen und einer noch besseren Vorstellung. „Schade für Cédi, aber gut für mich" „Schade für Cédi, aber gut für mich", sagt er und hofft, trotz Brunners gestriger Rückkehr ins Mannschaftstraining auch am Sonntag gegen Darmstadt (Anstoß: 13.30 Uhr) der ersten Elf anzugehören. Trainer Uwe Neuhaus lobte Clauss nach der Partie bei Union, sieht beim 26-Jährigen aber auch weiterhin Steigerungspotenzial: „In der ersten Halbzeit hätte er die eine oder andere Situation mehr nutzen können, um so wie nach der Pause mit nach vorne zu kommen. Aber natürlich bin ich zufrieden, er hat defensiv wenig anbrennen lassen." Zeigt seine Leistungskurve weiter nach oben, ist es vorstellbar, dass Arminia die im Vertrag enthaltene Möglichkeit nutzen wird, über den 30. Juni dieses Jahres hinaus mit dem Spieler zu verlängern. Clauss wäre das nur recht. „Ich bin hier sehr zufrieden", sagt er, „wenn Arminia mit mir weitermachen möchte: kein Problem, das mache ich sofort." Es sollen schließlich noch möglichst viele weitere unvergessliche Momente im DSC-Trikot folgen.

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