Klare Vorstellungen: Arminia-Trainer Uwe Neuhaus zeigt an, was er von seiner Mannschaft sehen möchte. Foto: Christian Weische - © Christian Weische
Klare Vorstellungen: Arminia-Trainer Uwe Neuhaus zeigt an, was er von seiner Mannschaft sehen möchte. Foto: Christian Weische | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Für Trainer Neuhaus ist es ein Auswärtsspiel in der zweiten Heimat

Für Bielefelds Coach Uwe Neuhaus ist die nächste Zweitliga-Partie am Freitagabend eine Reise in die Vergangenheit. Als Rekordtrainer von Union Berlin genießt er beim Hauptstadt-Klub noch immer sehr viele Sympathien

Bielefeld. Geboren ist Uwe Neuhaus tief im Westen. In Hattingen im Ruhrgebiet. Das ist die Heimat des 59-Jährigen. Aber nicht seine einzige. Dieses schwer zu beschreibende, gute Gefühl, das Menschen mit dem Begriff „Heimat" verknüpfen, empfindet Neuhaus auch im Osten, in Berlin, wo er von 2007 bis 2014 als Trainer des 1. FC Union tätig war. Und seine heutige Ehefrau Britta, die in der Geschäftsstelle des Klubs aus Köpenick arbeitete, kennen und lieben lernte. Klar, dass es für die beiden keine Zweitliga-Begegnung wie jede andere ist, wenn Neuhaus mit seinem aktuellen Verein Arminia Bielefeld am Freitagabend ab 18.30 Uhr bei Union antritt. Bei seiner Rückkehr ins Stadion An der Alten Försterei wird Neuhaus erleben, was Trainer bei Auswärtsspielen selten erleben: einen herzlichen Empfang als „Fußballgott". „Keiner hat vergessen, was er für Union getan hat", sagt André Hofschneider (48), der zwischen 1998 und 2002 als Profi für Arminia spielte, seinem Freund Uwe Neuhaus während dessen gesamter Zeit in Berlin als Co-Trainer assistierte und heute als Chefcoach des Nachwuchsleistungszentrums der „Eisernen" arbeitet. Neuhaus genießt bei den Unionern höchste Anerkennung, weil sie mit ihm die Entwicklung verbinden von einem Regionalligisten hin zu jenem Klub, der jetzt als Tabellenzweiter unter der Regie von Nachfolger Urs Fischer den Sprung in die Bundesliga anstrebt. Mit modernisierter Arena und verdreifachter Zuschauerzahl, mit verbesserten Trainingsbedingungen, für die der Ex-Trainer intern hartnäckig gestritten hat. Und zwar sieben Jahre lang und damit so lang wie vor und nach ihm kein anderer Cheftrainer bei diesem Verein. Den Bundesliga-Aufstieg hätte Neuhaus am liebsten selbst geschafft, doch Union-Präsident Dirk Zingler war 2014 nicht mehr davon überzeugt, dass es mit diesem Trainer klappen würde, und verkündete das Ende der Zusammenarbeit. Zum Saisonschluss, wohlgemerkt. So viel Respekt muss sein für einen, der eine Ära geprägt hat. Neuhaus ist ein unaufgeregter, gründlich arbeitender Typ, der gern mit seiner Frau und den Hunden in der Natur unterwegs ist und so gar nichts anfangen kann mit der Show, die den Profifußball begleitet und manchmal überlagert. Er will einfach nur trainieren und spielen lassen, das Drumherum würde er am liebsten abschaffen. Journalisten bedauern diese puristische Haltung gelegentlich, die Anhänger des selbst ernannten Arbeiterklubs schätzen ihn genau deswegen. Lob erhält er auch von zwei seiner früheren Spieler. „Uwe Neuhaus ist Mensch geblieben und ein empathischer Trainer", sagt Union-Legende Torsten Mattuschka (38). Michael Parensen (32) bestätigt das und sagt: „Er hat ein sehr gutes Gespür dafür, wie eine Mannschaft und einzelne Charaktere ticken." Der in Bad Driburg (Kreis Höxter) geborene Union-Profi ist seinem ehemaligen Coach dankbar, dass der ihn 2009 in die Hauptstadt holte. Dort hat nämlich auch er seine zweite Heimat gefunden.

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