Ernste Lage: HSV-Trainer Hannes Wolf blickt finster auf das Geschehen in der Schüco-Arena. - © imago/Nordphoto
Ernste Lage: HSV-Trainer Hannes Wolf blickt finster auf das Geschehen in der Schüco-Arena. | © imago/Nordphoto

Hamburger SV Ein Dino in personeller und finanzieller Not

Bielefeld. Als die Aufstellung des HSV die Runde machte, war die Verwunderung groß. „Was ist mit Lasogga?", lautete die meistgestellte Frage. Selbst die Hamburger Reporter waren überrascht, dass der Stürmer im Aufgebot der Gäste fehlte. Die Wade des torgefährlichsten HSV-Spielers „hatte zugemacht", wie Trainer Hannes Wolf im Fußball-Jargon später aufklärte. Neben Aaron Hunt (Muskelfaserriss) vermissten die Hanseaten damit in Pierre-Michel Lasogga einen weiteren Leistungsträger im schwarz-weiß-blauen Duell auf der Alm. Im Hinspiel hatte Lasogga beim 3:0-Erfolg zwei Mal selbst getroffen und das dritte Tor vorbereitet. Erst Mittwoch war er mit zwei Toren Sieggarant des als Bundesliga-Dino betitelten HSV beim 2:1 gegen Sandhausen. Selbst der vergleichsweise hochwertig besetzte Bundesligaabsteiger kann solche Ausfälle nicht einfach wegstecken. Da während des Spiels mit Gideon Jung noch ein Stützpfeiler die Partie vorzeitig beenden musste, Tatsuya Ito „überall Prellungen" (HSV-Coach Wolf) beklagte, überlagerten die personellen Sorgen vor dem DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg am Dienstagabend die Enttäuschung über die 0:2-Niederlage in Bielefeld. Die schienen die Verantwortlichen schnell abhaken zu wollen. Hannes Wolf sprach von einem „gebrauchten Tag. Wir haben uns mit Händen und Füßen gewehrt, aber es ist zu viel gegen uns gelaufen". Zum einen der Platzverweis gegen Gotoku Sakai nach zwölf Minuten, zum anderen das umstrittene Führungstor der Arminen durch Andreas Voglsammer wenig später. Über den Platzverweis mochten die Hamburger nicht streiten. Das 1:0 hätte aus Wolfs Sicht allerdings nicht gegeben werden dürfen, stattdessen die Gelbe Karte für Voglsammer wegen eines Fouls. Beide Szenen bewertete Wolf als „Momente, die im Fußball alles verändern können". In diesem Fall zum Nachteil des HSV. Trotz des unglücklichen Spielverlaufs und der personellen Misere gab sich Wolf kämpferisch: „Wir werden am Dienstag eine Mannschaft aufbieten, die gegen Nürnberg gewinnen kann." Ein Sieg im Pokal täte vor allem finanziell gut. Der hoch verschuldete Klub muss im September eine Fan-Anleihe in Höhe von 17,5 Millionen Euro zurückzahlen. In Ermangelung anderer Quellen bittet der HSV erneut seine Anhänger um Hilfe, um die Auszahlung bis 2026 zu verlängern. Trotz sechs Prozent Zinsen eine gewagte Anlage. Im Wertpapierprospekt wird ausführlich über Risiken aufgeklärt. Sollte der HSV den Aufstieg verpassen, könnte die Existenzs des Klubs bedroht sein. Im Fall einer Insolvenz ist das Geld der Fans weg.

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