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Mittendrin: Arminias Psychologe Ingo Goetze (3. von links) begleitet die Spieler beim Training und führt Gespräche. - © Wolfgang Rudolf
Mittendrin: Arminias Psychologe Ingo Goetze (3. von links) begleitet die Spieler beim Training und führt Gespräche. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Psychologe Ingo Goetze hat immer ein offenes Ohr für die DSC-Profis

Der Fachmann ist mit ins Trainingslager gereist. Seit dem 1. Oktober arbeitet er mit den Bielefelder Kickern und möchte helfen, ihre Ressourcen zu entwickeln

Peter Burkamp
19.01.2019 | Stand 19.01.2019, 19:56 Uhr

Benidorm. Wenn die Trainer eine Übungseinheit eröffnen, stellt sich Ingo Goetze zur Gruppe. Er verfolgt die Ansagen der Coaches, später gesellt er sich gelegentlich zu den Spielern, beobachtet die Trainingseinheiten sonst aufmerksam vom Rand aus. Beim Mittagessen im Hotel mischt er sich unter die Mannschaft. Der 39-Jährige hat immer ein offenes Ohr für die Spieler. Er geht aber auch aktiv auf sie zu, wenn er meint, dass er helfen kann. Seit dem 1. Oktober haben Arminias Fußballprofis einen Psychologen im Team. Nicht nur in der Krise im Einsatz Er kam nicht in der Krise, oder explizit für Krisensituationen. Nach der erfolgreichen Saison 17/18 hat sich die Klubleitung entschieden, einen Psychologen dazuzunehmen. „Die Idee war, sich nach einer positiven Saison weiterzuentwickeln", sagt Goetze. Der Diplom-Psychologe, der über langjährige Erfahrung, zuletzt in den Nachwuchsbereichen von Werder Bremen und Bayer Leverkusen (bis zum 30. Juni 2018) verfügt, erfuhr davon und bewarb sich. Nach mehreren Gesprächen mit dem Trainerteam und mit dem Mannschaftsrat einigte man sich auf eine Zusammenarbeit. „Ich bin kein Wunderheiler", sagt Goetze, der eine 60-Prozent-Stelle hat und hauptsächlich rund um die Spiele vor Ort ist. Seine Aufgabe sieht er darin, für die Profis da zu sein, wenn sie selbst Bedarf spüren, was vorkommt. „Ich behalte mir aber auch vor, sie selbst anzusprechen, wenn mir auf dem Platz oder zwischendurch etwas auffällt", sagt Goetze. Mehr Akzeptanz für Psychologen im Fußball Wenn Spieler mit ihm Kontakt aufnehmen, erfährt davon niemand. Spricht er die Profis auf dem Platz an, „sieht das natürlich jeder. Diese Vorgänge sollten zur Normalität werden." Der Trainer bleibe immer die wichtigste Ansprechperson. In den Gesprächen stelle er selbst Fragen, bringe Gedanken ins Spiel, die noch nicht gedacht worden seien und versuche Horizonte zu öffnen, um die Spieler dazu zu bringen, ihre eigenen Ressourcen zu nutzen. Dass er selbst aus dem Fußball kommt, als Nachwuchstrainer Erfahrungen gesammelt hat und den A-Schein besitzt, sei durchaus von Vorteil, meint Goetze. Grundsätzlich werde die Akzeptanz von Psychologen im Fußballbetrieb immer größer. Viele Erst- und Zweitligisten arbeiten mit eigenen oder externen Fachleuten zusammen. In den Nachwuchsleistungszentren sind sie sogar seit Kurzem verpflichtend. "Ressourcen herauskitzeln" Arminia beschäftigt in diesem Bereich schon seit einigen Jahren Lea Notthoff. „Lea macht eine tolle Arbeit. Ich kenne sie schon länger", sagt Goetze, der mit seiner Lebensgefährtin und einem gemeinsamen Sohn in Mülheim lebt. Er versteht sich nicht als Krisenmanager. „Ich versuche mich einzubringen, unabhängig von der Niederlage und warte nicht darauf, dass etwas passiert." Er wolle eher versuchen, aus jedem einzelnen Spieler Ressourcen herauszukitzeln. Bei seiner Arbeit ist es Goetze wichtig, dass die andere Person mitmacht, um aus sich selbst heraus Verhaltensweisen zu ändern. „Es muss passen. Ich bin nur ein kleines Rad in dem Gesamtwerk." In seiner Arbeit mit den Spielern gehe es langfristig darum, dass sie sich und ihre Möglichkeiten kennenlernen. Goetze ist davon überzeugt, dass Menschen bis ins hohe Alter lernen können. „Hinter selbst entwickelten Verhaltensänderungen hängen Leistungsspitzen, da haben viele keine Ahnung, dass sie sie besitzen." Die Ligaauftritte erlebe er natürlich auch emotional und freue sich, wenn die Mannschaft ein Tor schieße. Er achte aber auch darauf, wie sich Spieler verhalten, mit denen er gerade zusammenarbeitet. „Dann schaue ich, wie sie miteinander reden. Was haben sie für eine Gestik und Mimik." Und aus diesen Eindrücken könnte schon wieder das nächste Gespräch entstehen.

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