Stimmt sich schon einmal ein: Ein kleiner Teil des DSC-Behinderten-Fanclubs "Arminen-Schmiede" feiert sich um 5.45 Uhr kurz vor der Abfahrt gen Benidorm. Das ZDF ist dieses Mal komplett dabei, dreht Beiträge. Rechts Kameramann Christian Reuter. - © Andreas Zobe
Stimmt sich schon einmal ein: Ein kleiner Teil des DSC-Behinderten-Fanclubs "Arminen-Schmiede" feiert sich um 5.45 Uhr kurz vor der Abfahrt gen Benidorm. Das ZDF ist dieses Mal komplett dabei, dreht Beiträge. Rechts Kameramann Christian Reuter. | © Andreas Zobe

Bielefeld Arminia-Fans kommen im TV ganz groß raus

Ab ins Trainingslager: Seit 2004 ermöglichen die von Bodelschwinghschen Stiftungen der Arminia-Schmiede eine besondere Tour. Eine Woche lang gehen die behinderten Anhänger auf Tuchfühlung zu ihren Idolen - dabei werden sie beobachtet

Bielefeld. Sie sind die vielleicht kultigste Truppe rund um Arminia Bielefeld. Die Fans der Arminen-Schmiede. Alle haben ein Handicap, lieben den DSC, halten zusammen - und sie sind im deutschen Fußball der größte Behindertenfanclub. Wer sie einmal erlebt, vergisst sie nicht - weder Ulf noch Ömer noch Fabian noch den Brinkmann-Fan "Micki". Ulf ist bekannt, weil er am Ende jedes Trainingslagers traditionell zu Schlagermusik ein Tänzchen wagt, umringt von den Profis, die dann, in Erinnerung an den beliebten David Ulm und die Fangesänge auf der Alm, statt "Ulm, Ulm, Ulm" lauthals "Ulf, Ulf, Ulf" brüllen. Das gehört dazu, ist Kult. Kult ist auch, dass Ulf dann nur zu gerne beweist, dass in einen echten Kerl aber so richtig viele Liter Sprite hineinpassen. Auch Ömer sorgte schon für besondere Momente, so, als 2016, als es noch in die Türkei und nicht nach Spanien ging, die Feldjäger vor dem Hotel standen. Aufgefallen war, dass Ömer keinen Wehrdienst geleistet hatte. Als aber klar war, dass der Fan ein Handicap hat, zogen die türkischen Feldjäger wieder ab. Von Bethel über Amsterdam nach Benidorm Diese bunte Truppe hat sich nun am sehr frühen Montagmorgen auf den Weg gemacht - erst in die Neue Schmiede, dann mit dem Bus nach Amsterdam, von hier mit dem Flieger nach Alicante und weiter nach Benidorm. Dorthin, wo die Arminen-Profis schon seit Sonntag sind und alles geben müssen für den Klassenerhalt. 790 Euro kostet die Reise, die von Bethel seit 2004 angeboten wird - immer ins Wintertrainingslager, und manchmal auch ins Sommertrainingslager. Zusammen sind es fast 20 Reisen dieser Art. Bethel schießt aus Spenden vorab etwas dazu, senkt den Preis deutlich unter die 1.000-Euro-Grenze. Die 790 Euro teilen sich meistens der Fans und der entsprechende unterstützende Dienst. Gut angelegtes Geld, finden die Fans. Dieses Mal sind sie mit 20 Leuten und fünf Betreuern unterwegs, so viele waren es nur selten bisher. Mit dabei: ein Fernsehteam des ZDF. Stephanie Schmidt aus Bochum und ihr Team hatten bereits 2018 über Bethel gedreht - "ich war so angetan, dass ich noch etwas machen wollte". Nun also eine Woche mit den Fans der Arminen-Schmiede im Trainingslager. Herauskommen sollen fünf Berichte: drei Teile für das morgendliche "Volle Kanne" (erster Teil am 18. März ab 9.30 Uhr) sowie ein zehnminütiger Beitrag (für "Mensch - das Magazin") und ein 28-minütiger Film für ein Reiseformat. Eine aufregende Woche steht bevor Den Fans steht also eine aufregende Woche bevor. Immerhin schlafen sie im selben Hotel wie ihre Stars, das Fernsehen ist dabei, es gibt Ausflüge, Trainingsbesuche und natürlich werden auch die Testspiele ganz genau beäugt: Was taugt das Team? Was der neue Trainer? Wie schlägt sich der alte neue Armine Yabo? Und: "Bestimmt werden wir auch mal wieder mit den Spielern sprechen können", sagt Fabian voller Vorfreude. Er, ein alter Hase, weiß, was jedoch auch wichtig ist im Trainingslager: "Wir dürfen die Spieler natürlich nicht nur vollquatschen, die müssen sich ja auch konzentrieren - nicht, dass die am Ende noch absteigen." Dennoch hofft er, dass sein Idol und Namensvetter, Fabian Klos, einmal kurz Zeit für ihn hat. Und er ist selbstbewusst, sagt: "Das sind doch auch nur Menschen, genauso wie wir alle." Rekordtorschütze Klos hatte im Mai dem sterbenden Peter, einem der Fans aus der Schmiede, einen Traum erfüllt: Er besuchte ihn am Sterbebett - alleine, nur für Peter. Jeder hat seinen kleinen Traum Und so hat jeder seinen kleinen Traum, der hier vor der Schmiede um 5.45 mit in den Bus einsteigt. "Micki" will unbedingt mit Tom Schütz ein wenig reden, denn sein großes Idol, Ansgar Brinkmann, ist ja nicht mehr dabei. Schade, findet der Trainingslager-Routinier, und sagt: "Der Ansgar, der ist echt humorvoll und für mich noch immer unser weißer Brasilianer." Alle sind erleichtert, als endlich jeder Ausweis gesichtet und alles in den Brustbeuteln der bunten Reisegruppe untergebracht und verstaut ist. Koffer ab in den Bus, Reisegruppe auch - ab geht's. Standesgemäß, denn auch der Bus trägt schwarz-weiß-blau. Auch die, die zurückbleiben, finden das Bethel-Angebot super. Für ihren Angehörigen, aber auch für sich selbst. So sagt Ilona Röhricht, Mutter von Sven: "Das ist auch für uns eine Erleichterung, Sven lebt bei uns - und das ist auch anstrengend." Der Bruder von Ulf bemüht sich, das frühe Bringen positiv zu sehen. Er, Führungskraft eines IT-Unternehmens, versucht, das müde Gesicht zu einem Lächeln zu quälen und sagt: "Da bin ich ja endlich mal richtig schön früh im Büro."

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