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Höher als alle anderen: Anderson Lucoqui (3. v. l.) überzeugte als Linksaußen und legte Fabian Klos (l.) das 1:0 auf. - © Christian Weische
Höher als alle anderen: Anderson Lucoqui (3. v. l.) überzeugte als Linksaußen und legte Fabian Klos (l.) das 1:0 auf. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Arminia-Linksaußen Lucoqui kriegt auf die Socken und überzeugt

Der 21-jährige Sommerzugang überzeugt auf einer neuen Position. Für ihn hatte die neue Spielphilosophie von DSC-Coach Neuhaus den Ausschlag gegeben. Einige Fans widmeten den Sieg Jeff Saibene

Jan Ahlers
17.12.2018 | Stand 17.12.2018, 09:12 Uhr

Kiel. Zunächst war da kollektive Erleichterung beim DSC. Dann die Überraschung ob des derart guten, konzentrierten und aus Gegnerperspektive ekligen Auftritts der Bielefelder. Und für manche Anhänger waren ob des 2:1-Erfolges über Holstein Kiel sogar genug Zutaten gegeben, um daraus in sozialen Netzwerken wilde wie unsinnige Verschwörungstheorien um einen herbeigeführten Trainerwechsel der Mannschaft zu dichten. Nüchtern betrachtet gab es dazu wenig Anlass. Arminia bewies beim Debüt von Uwe Neuhaus schlichtweg, dass ihnen Gegner liegen, die einen gepflegten und riskanten Ball spielen. So verbesserten die Blauen, unter anderem dank des Antriebs von Anderson Lucoqui auf dem linken Flügel, die guten Ansätze des Auswärtsspiels bei ähnlich offensivstarken Paderbornern, das mit einem unglücklichen 2:2 geendet war. „Eigentlich wurde dieser Sieg, auf den wir nun richtig lange warten mussten, nur um zwei Wochen verschoben", sagte Lucoqui. „Wir hätten die drei Punkte schon vorher verdient gehabt." "Ich habe auf die Zähne gebissen, bis die Luft raus war" Er hatte mit unbändigem Einsatz und guter Balance Gegenspieler Jannik Dehm an seine Grenzen gebracht und die auffällige Leistung mit der Vorarbeit zum 1:0 gekrönt. Vom Tor selbst bekam Lucoqui nur wenig mit – erst Torschütze Fabian Klos überbrachte ihm die freudige Botschaft. „Kurz nach meinem Zuspiel hatte ich einen heftigen Schlag auf den Oberschenkel bekommen", erklärte der nominelle Linksverteidiger. „Dann lag ich erst mal am Boden." Später bekam der schmale Dribbler nochmals hart auf die Socken. „Jeder Zweikampf war am Ende schmerzhaft", erinnerte er sich. „Ich habe auf die Zähne gebissen, bis die Luft raus war." Es waren, wie von Neuhaus angekündigt, die kleinen Veränderungen, die bei Arminia Bielefeld fruchteten. Julian Börner zeigte am Wochenende nach seiner Suspendierung eine starke Leistung, korrigierte seinen Fehler vor dem 1:1-Ausgleich kurz darauf höchstpersönlich. Andreas Voglsammer war omnipräsente Anspieloption und Pressingmaschine zugleich und Lucoqui zwang wie auch Keanu Staude den Gegner dazu, das Risiko zu minimieren: Fehler im KSV-Spielaufbau bestrafte der DSC konsequent mit schnellen Gegenstößen. Das kleine Manko an der Ostsee blieb die schwache Chancenverwertung, doch im Unterschied zu den vergangenen Wochen wurde die Fahrlässigkeit nicht bestraft. "Dass es so schnell funktioniert, hätte kaum einer gedacht" Ja, selbst das Spielglück war der Arminia in den kurzen, aber intensiven Drangphasen von Holstein Kiel wieder hold – es hatte in den vorherigen Partien meist den Gegner begünstigt. „Wir haben aber auch eine andere Spielphilosophie an den Tag gelegt, das war spürbar", so Lucoqui. „Dass es so schnell so gut funktioniert, hätte kaum einer gedacht." Tatsächlich zeigten das beibehaltene 4:4:2-System als auch die vorhandenen Parallelen zum Spiel in Paderborn ebenso, dass es in Kiel auch die Stärken aus der Saibene-Amtszeit waren, die Neuhaus mit gezielter Motivation zurück in das Bewusstsein einer offenkundig intakt hinterlassenen Mannschaft brachte. Und so fasste es ein Fan, der für seinen Kommentar im Netz viel Zustimmung erhielt, treffend zusammen: „Das waren auch deine drei Punkte, Jeff."

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