Die Uhr tickt weiter: DSC-Trainer Jeff Saibene stärkte in Paderborn seine eigene, zuletzt nicht unumstrittene Position. - © Christian Weische
Die Uhr tickt weiter: DSC-Trainer Jeff Saibene stärkte in Paderborn seine eigene, zuletzt nicht unumstrittene Position. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Saibene greift jetzt härter durch

Der Trainer verleiht seiner Mannschaft in Paderborn mit dem vertrauten taktischen System Sicherheit.

Philipp Kreutzer

Bielefeld. Die Stimmung war zwar nicht übermütig, etwas fröhlicher als in den Tagen zuvor ging es bei der Weihnachtsfeier von Arminia Bielefeld am Samstag aber doch zu. Die von Leidenschaft und Mut geprägte Vorstellung der Mannschaft am Abend zuvor beim hochverdienten 2:2 in Paderborn ermöglichte den Spielern selbst genauso wie den Mitarbeitern der Geschäftsstelle und den Gremienvertretern vorsichtige neue Zuversicht. Trotz des späten Gegentreffers und des knapp verpassten Endes der Sieglosserie hat der Auftritt in Paderborn das Potenzial zum Startpunkt einer neuen Saisonphase. So wünscht es sich Jeff Saibene jedenfalls. „Das soll der Anfang dafür sein, dass wir das Jahr jetzt noch mehr oder weniger positiv beenden", sagte der Trainer. Für nun womöglich verbesserte Aussichten für die bis Weihnachten verbleibenden Spiele gegen Sandhausen (9. Dezember), in Kiel (14. Dezember) und gegen Heidenheim (22. Dezember) schuf Saibene selbst wesentliche Voraussetzungen. Der Trainer kehrte vor dem Spiel in Paderborn trotz diverser Ausfälle wegen Verletzungen sowie der Gelbsperre von Cédric Brunner zu jener Konsequenz zurück, mit der er sich zu Beginn seiner Tätigkeit in Bielefeld im März 2017 Respekt verschafft hatte. Anfangs scheute sich der Trainer nicht, den vermeintlich unantastbaren Torjäger Fabian Klos auf die Bank zu setzen, jetzt verzichtete Saibene auf Stephan Salger. Der 28-jährige Innenverteidiger, schon seit 2012 bei Arminia und damit eines der Gesichter des DSC, war zuletzt an mehreren Gegentoren beteiligt. „Ich hatte das Gefühl, dass Stephan der Mannschaft nicht helfen kann" „Ich fand ihn in den letzten Wochen ungenügend", wählte der Coach sehr klare Worte, „ich hatte das Gefühl, dass er der Mannschaft nicht helfen kann." Saibene nahm nur 17 Profis mit nach Paderborn, der 18. Kaderplatz blieb frei. Die unmissverständliche Botschaft nicht nur an Salger, sondern an alle Spieler: Es geht strikt nach Leistung. Eigentlich nichts Neues für Fußballprofis, sollte man meinen. Doch offenbar bedurfte es eines erneuten klaren Hinweises. Mit der auf diese Weise verdeutlichten Autorität stärkte der Trainer zugleich die eigene, zuletzt nicht mehr vollkommen unumstrittene Position. Ein anderer Handgriff, der sich ebenfalls positiv auswirkte: Saibene wählte nach den taktischen Experimenten der Vorwochen inklusive der sehr defensiven Ausrichtung beim 0:1 gegen Duisburg wieder das ohnehin von ihm bevorzugte 4-4-2-System, ließ wie früher hoch verteidigen, aggressiv pressen und richtete sich insgesamt nicht zu sehr nach dem Gegner. Seine Mannschaft fühlte sich damit spürbar wohler – zum Beispiel Stürmer Andreas Voglsammer, der zuletzt drei Mal in Folge auf der Bank gesessen hatte und in Paderborn nach mehr als zweimonatiger Flaute wieder traf. „Unbezahlbare Momente" Auch den Fans gefiel die Rückkehr zu Bewährtem, deshalb feierten sie den Trainer trotz des verpassten Sieges mit Sprechchören. Vom unerwarteten Vertrauensbeweis sichtlich bewegt, sprach Saibene von „unbezahlbaren Momenten". Fabian Klos war kurz vor seinem 31. Geburtstag am Sonntag ebenso „froh und stolz" über den Auftritt. „Jetzt geht es darum", sagte Arminias Rekordtorjäger, „bis Weihnachten so weiterzuspielen."

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