In der Kritik: Arminias Cheftrainer Jeff Saibene versucht, die 0:1-Niederlage gegen Duisburg zu erklären. - © Christian Weische
In der Kritik: Arminias Cheftrainer Jeff Saibene versucht, die 0:1-Niederlage gegen Duisburg zu erklären. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Saibene soll in Paderborn auf der Trainer-Bank sitzen

Der krisengeplagte Zweitligist macht vorerst mit dem Trainer weiter. Sportchef Arabi nimmt den Coach und seine Assistenten aber in die Pflicht

Philipp Kreutzer

Bielefeld. Die Frage war nicht ob, sondern wann das Thema aufkommen würde. Es dauerte am Freitag nach Abpfiff des mit 0:1 verlorenen Heimspiels von Arminia Bielefeld gegen den MSV Duisburg nur wenige Minuten, bis der erste DSC-Kicker von einem Medienvertreter mit der Frage nach Trainer Jeff Saibene konfrontiert wurde. Kontroverse Diskussion Tom Schütz, mit 30 Jahren einer der erfahrensten Arminia-Profis, hatte damit gerechnet – und wehrte sie kategorisch ab: „Der Trainer ist die ärmste Sau. Ich antworte darauf nicht. Ihr Journalisten könnt darüber sprechen, aber wir Spieler müssen über unsere Leistung sprechen. Und die war schlecht." Nach acht sieglosen Pflichtspielen in Serie ist das Thema aber längst nicht nur in den Medien präsent. Sondern wird genauso unter den DSC-Anhängern kontrovers diskutiert. Auf der Tribüne, in der Kneipe, im Netz. Auch Julian Börner weiß: In Negativserien wie der aktuellen wird bei fast jedem Profifußballklub der Welt eine Trainer-Debatte geführt – unabhängig davon, ob diese berechtigt ist. Der Mannschaftskapitän betonte: „Arminia kann froh sein, mit Jeff Saibene wirklich einen sehr, sehr guten Trainer zu haben. Es wäre einer der größten Fehler, seit ich hier bin, wenn man Jeff am Montag die Hand gibt und Auf Wiedersehen sagt." „Es ist zu einfach, es an einer Person festzumachen" Das wird aller Voraussicht nach vorerst auch nicht passieren. Geschäftsführung und Gremienmitglieder analysierten die Lage über das Wochenende. Sie taten das ruhig und besonnen, statt in Hektik zu verfallen. Das vorläufige Ergebnis: Jeff Saibene soll den DSC als Cheftrainer ins OWL-Derby am Freitag um 18.30 Uhr beim SC Paderborn führen. Am Montag werden die Gespräche fortgesetzt. „Es ist zu einfach, es an einer Person festzumachen", sagte Sportchef Samir Arabi, „man muss doch mal weiter gucken als zu sagen, der oder der muss raus." Schließlich habe es eingangs dieser Saison in der jetzigen personellen Konstellation funktioniert. Aus den ersten sieben Punktspielen holte Arminia zwölf Punkte. Mit Blick auf die erschreckende Ausbeute von nur einem Zähler aus den jüngsten sieben Zweitliga-Begegnungen und fünf verlorene Heimspiele in Folge betonte Arabi aber: „Es gibt Sachen, die wir schleunigst verändern müssen. Man muss überlegen, warum man nicht auf das Leistungsmaximum kommt." Auf die „Stellschrauben", an denen gedreht werden müsse, mochte der Sportchef nicht konkreter eingehen. Zwischen Trainer und Mannschaft soll es – wie die Äußerungen von Schütz und Börner nahelegen – weiterhin stimmen, gelegentliche Spannungen zwischen Kickern sind gerade in schwierigen Zeiten nicht ungewöhnlich. Arabi führte noch am Freitag und genauso nach dem Auslaufen am Samstag Gespräche mit Saibene und dessen Assistenten. Dass es vorerst gemeinsam weitergehen soll, verdeutlichen auch diese Aussagen des Sportchefs: „Wir haben zusammen analysiert, um in Paderborn erfolgreich zu sein." Und: „Das Problem ist vielschichtig, und das Trainerteam muss es richten." "Wir dürfen nicht jammern, sondern müssen weiterarbeiten" Saibene selbst gab sich bei aller Enttäuschung kämpferisch. „Wir dürfen nicht jammern, sondern müssen weiterarbeiten und hoffen, dass das Glück auf unsere Seite kippt", sagte er mit Blick auf die ungenutzten Torchancen gegen Duisburg. Kritik an seiner Maßnahme, für die letzten 20 Minuten Voglsammer statt und nicht neben Klos einzusetzen, erwiderte der Trainer so: „Es gab die Überlegung, einen zweiten Stürmer zu bringen und alles auf eine Karte zu setzen. Aber wir haben uns für einen Positionswechsel entschieden, weil wir im 4-5-1 sehr wenig zugelassen haben und Fabi sehr viel gelaufen ist." Doch der Plan, zu null zu spielen und der verunsicherten Mannschaft so nach dem 1:1 in Ingolstadt ein weiteres Stückchen neuen Selbstvertrauens zu ermöglichen, ging nicht auf. Nach einer Fehlerkette führte Engins Treffer in der 82. Minute zur Niederlage. Jeff Saibene soll offenbar dennoch mindestens eine weitere Chance erhalten.

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