Enttäuscht: Konstantin Kerschbaumer, beim 0:4 gegen Sandhausen zeitweise Kapitän, war in dieser Saison selten zufrieden. - © Imago/Jan Huebner
Enttäuscht: Konstantin Kerschbaumer, beim 0:4 gegen Sandhausen zeitweise Kapitän, war in dieser Saison selten zufrieden. | © Imago/Jan Huebner

Arminia Bielefeld Kerschbaumer ist von Arminias Talfahrt überrascht

Vor dem Wiedersehen mit den Ex-Kollegen am Sonntag spricht der Kicker des FC Ingolstadt über die Krisen seines aktuellen und seines früheren Vereins. Über die Lage in Bielefeld informiert ihn ein guter Freund

Philipp Kreutzer

Bielefeld. Tabellenschlusslicht gegen den 14.: Eine solche Konstellation hatte auch Konstantin Kerschbaumer vor dieser Saison für das Duell seines aktuellen Klubs FC Ingolstadt mit seinem Ex-Verein Arminia Bielefeld am 13. Spieltag nicht erwartet. „Ich bin davon ausgegangen, dass beide weiter oben angesiedelt sein würden", bestätigt er vor dem Aufeinandertreffen der Mannschaften am Sonntag in Ingolstadt (Anstoß: 13.30 Uhr), „aber da sieht man wieder: Der Fußball ist einfach unberechenbar." Unerwartet kam vor allem, dass sich die Ingolstädter in dieser Spielzeit derart schwertun. Schließlich haben sie nach dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV mit 22,2 Millionen Euro den Kader mit dem dritthöchsten Gesamtmarktwert der 2. Liga vorzuweisen. Finanziell steht der FCI vergleichsweise gut da, deshalb konnten es sich die Bayern ja auch leisten, dem FC Brentford in diesem Sommer eine Ablösesumme von 900.000 Euro für Kerschbaumer zu überweisen. Der englische Zweitligist hatte den inzwischen 26-Jährigen in der vergangenen Saison an Arminia ausgeliehen. Beim DSC, mit 18,75 Millionen Euro Sechster in der Gesamtmarktwert-Tabelle der 2. Liga, hatte der flexibel einsetzbare eine sehr gute Saison. Mit acht Treffern und sechs Torvorlagen trug er maßgeblich zum Erreichen des vierten Tabellenplatzes bei. Mit einigen Ex-Kollegen wie seinem Landsmann Manuel Prietl, zu dem in seiner Zeit beim DSC eine Freundschaft entstand, steht der Österreicher weiter in Kontakt. Thema in diesen Gesprächen ist auch die aktuelle sportliche Krise der Arminia. „Es ist für mich überraschend, dass es nicht mehr läuft", sagt er, „der Saisonstart war gut, die Mannschaft ist gefestigt. Ich dachte, dass sie eher vorn mitspielen. Aber es ist vielleicht so ähnlich wie bei uns: Du verlierst ein Spiel unglücklich, dann noch eines und fängst an, nachzudenken, hast weniger Selbstvertrauen und kommst in eine Negativspirale." Zu Ursachen für Arminias Talfahrt möchte sich Kerschbaumer nicht äußern Über mögliche Ursachen für die Bielefelder Talfahrt mag „Kerschi" sich aus der Distanz nicht äußern, „dafür bin ich zu weit weg". Was die Krise beim FCI betrifft, sagt er: „Wir hatten im Sommer einen Umbruch, und es war klar, dass das Zeit braucht. Aber es war nicht klar, dass wir in so schlechte Ergebnisse hineinschlittern. Ich glaube, es sind viele kleine Dinge, die eine Rolle spielen. Wir hatten den Trainerwechsel von Stefan Leitl zu Alexander Nouri, und mit den beiden Unentschieden zuletzt stimmt der Trend. Aber uns ist bis heute nicht so ganz klar, woran es gelegen hat." Ob bei Leitl oder Nouri: Gespielt hat Kerschbaumer beim FCI bisher immer, wenn es möglich war. Nur die Partie gegen Köln verpasste er wegen einer gelb-roten Karte im Spiel zuvor gegen St. Pauli. Je zwei Tore und Vorlagen stehen aktuell für ihn zu Buche. Über seine eigenen Leistungen sagt er: „Am Anfang war es gut, dann weniger und zuletzt wieder okay. Aber wir sind Letzter, da kann man nicht davon ausgehen, dass man vor Selbstvertrauen strotzt." Die Partie am Sonntag werde ein „heißes und enges" Spiel, glaubt Kerschbaumer. „Wir nehmen das als Herausforderung, da jetzt herauszukommen", betont er, „und wenn wir das schaffen, dann ist das etwas, was jeden von uns weiterbringen wird." Kerschbaumer sagt das als Spieler des FC Ingolstadt. Es ist aber ein Satz, den er zurzeit genauso gut auch immer noch als Profi von Arminia Bielefeld sagen könnte.

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