Noch bis in die Abendstunden war der Boulevard-Ausgang des Bahnhofs dicht. Auf der rechten Treppe harrten die bereits kontrollierten Zuginsassen aus und warteten auf die Rückfahrt, auf der linken diejenigen, die die Überprüfung noch vor sich hatten. - © NW
Noch bis in die Abendstunden war der Boulevard-Ausgang des Bahnhofs dicht. Auf der rechten Treppe harrten die bereits kontrollierten Zuginsassen aus und warteten auf die Rückfahrt, auf der linken diejenigen, die die Überprüfung noch vor sich hatten. | © NW

Bielefeld Krawalle von St.-Pauli-Fans: Das sind die Ergebnisse der Polizei-Ermittlungen

Großeinsatz am Bielefelder Hauptbahnhof: Beamte identifizieren erste dringend Tatverdächtige. Pauli-Fanszene meldet sich zu Wort

Dennis Rother
Jan Ahlers

Bielefeld. Die außergewöhnlichen Szenen am Bielefelder Hauptbahnhof am Sonntag haben für etliche "Teilnehmer" ein Nachspiel. Es geht um Landfriedensbruch, Körperverletzung und Beleidigung, so die Polizei. Zudem konfiszierten die Beamten eine Vielzahl an Gegenständen, die auf enorme Gewaltbereitschaft schließen lassen. Unterdessen gibt es auch erste Stimmen aus dem Fan-Lager des FC St. Pauli. Wie berichtet, rückte die Polizei aus Land und Bund wegen Ausschreitungen von Paulianern am Meller Bahnhof mit einem Großaufgebot aus. Fans wurden eingekesselt, Hunderte wurden kontrolliert. Die Aktion dauerte Stunden. Wie Bundespolizeisprecher Carsten Bente nun mitteilt, wurden noch vor Ort 18 "dringend tatverdächtige" Personen identifiziert. Sie sollen an den Krawallen direkt beteiligt gewesen sein. Bei ihnen waren die Indizien offenbar so eindeutig, dass auf Videomaterial vom Meller Bahnhof gar nicht zurückgegriffen werden musste. Dessen Auswertung folge laut Bente aber. Weitere Strafanzeigen dann mutmaßlich ebenso. Schlaghandschuh und Sturmhaube Gegen die 18 Personen werde wegen Landfriedensbruchs ermittelt. Zwei von ihnen müssen sich zusätzlich wegen des Vorwurfs der Beleidigung verantworten, einer zusätzlich wegen Körperverletzung. Bei den Überprüfungen am Boulevard stellten die Einsatzkräfte auch etliche gefährliche Gegenstände sicher. Gegenstände, die ein Fan, der nur zum Fußballschauen ins Stadion geht, in keiner Weise benötigt. Carsten Bente berichtete etwa von Sturmhauben, von Gebissschutz "wie bei Boxern" oder von Quarzsandhandschuhen. Das sind Handschuhe, die am Handrücken und im Bereich der Knöchel mit Protektoren aus feinem Quarzsand versehen sind. Mit ihnen wirken Faustschläge ähnlich wie beim Einsatz von Schlagringen deutlich stärker. Pfefferspray ohne Vorwarnung? Was genau am Sonntagmorgen im Regionalzug und am Meller Bahnhof passiert ist, das beschäftigt auch die Fan-Szene der Paulianer, logisch. Die Darstellung der Polizei halten etliche für überzogen, berichten sie etwa auf Twitter. Der St.-Pauli-Blog „Magischer FC" veröffentlichte zudem noch am Abend eine eigene Einschätzung, in der sich der Verfasser auf Augenzeugenberichte beruft. „Was genau den Polizeieinsatz in Bielefeld verursacht hat, wissen wir nicht zu 100 Prozent", heißt es dort. Es habe „Pfeffer" ohne Vorwarnung gegeben – also den plötzlichen Einsatz von Pfefferspray seitens der Polizei. „Auch eine spätere Weigerung, Personalien abzugeben, wurde laut Augenzeugen mit Pfeffer für alle beantwortet." Kritik an Beamten und Klub Das rigorose Einschreiten der Polizei wird überdies kritisiert. Es müsse schon "verdammt viel vorfallen, damit man auch nur annähernd eine solche Maßnahme als verhältnismäßig bezeichnen könnte. Deutlich mehr als Rauchen im Zug allemal." Auch der eigene Verein kommt nicht gut weg. „Da stehen Funktionäre unseres Vereins unter der Tribüne, da ist die sportliche Leitung informiert", heißt es. Dennoch habe es die Social-Media-Abteilung nicht geschafft, über ihre Kanäle die Anhänger angemessen zu informieren. „Stattdessen dann noch ein Halbzeit-Tweet, wo noch der tolle Support der mitgereisten Rabauken gefeiert wird." Spät reagierte der Klub selbst dann mit einer kurzen Mitteilung. Auch die Spieler symbolisierten ihren Zusammenhalt, indem sie bei der Siegesfeier vor dem Gästeblock mit ihren Armen ein Kreuz bildeten – eine Solidaritätsgeste in Richtung der „Ausgesperrten", die die Partie nicht verfolgen konnten.

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