Sein Amt ist unsicher: Trainer Jeff Saibene weiß, dass er nach sechs Niederlagen in Folge keine weiteren Negativerlebnisse mehr einstreuen darf. - © Christian Weische
Sein Amt ist unsicher: Trainer Jeff Saibene weiß, dass er nach sechs Niederlagen in Folge keine weiteren Negativerlebnisse mehr einstreuen darf. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Jeff Saibene in Not - "Wir wollen nicht, dass er gehen muss"

Nach der unglücklichen 1:2-Niederlage gegen St. Pauli wächst die Bedeutung des Spiels in Ingolstadt gerade für den Trainer

Peter Burkamp

Bielefeld. In der Nachspielzeit waren alle heimischen Zuschauer auf den Beinen, als wollten sie irgendwie aktiv mithelfen, den Ball zum Ausgleich ins Pauli-Tor zu befördern. Auf dem Platz versuchte die Mannschaft alles, riskierte viel. DSC-Torwart Philipp Klewin befand sich längst im gegnerischen Strafraum. Dessen Gegenüber Robin Himmelmann verhinderte mit einer Glanzparade das 2:2 durch Patrick Weihrauch. Dann war das Spiel aus. Die fünfte Liga-Niederlage in Folge besiegelt. Nach Momenten der Enttäuschung und Starre näherten sich die DSC-Profis vorsichtig der Südtribüne und den verbliebenen Fans. Die womöglich erwarteten Pfiffe blieben jedoch aus. Stattdessen gab es Anfeuerungsrufe und Beifall. Trotz der Enttäuschung über die 1:2-Pleite honorierten die Zuschauer die Leistung der Mannschaft, die kämpferisch tadellos war. St.-Pauli-Trainer Markus Kauczinski sprach später von einem Spiel „auf Augenhöhe", dass Arminia „unter Wert geschlagen" worden sei und einen Punkt verdient gehabt hätte – übrigens gegen den neuen Spitzenreiter der 2. Liga. Saibene gibt sich cool - und will nicht aufgeben Doch was zählt das Lob des gegnerischen Trainers: Der erhoffte Befreiungsschlag gelang nicht, die Bedeutung der Auswärtsaufgabe in Ingolstadt am Sonntag wird immer größer. „Nächste Woche haben wir ein brutal wichtiges Spiel, das dürfen wir auf keinen Fall verlieren", unterstrich Julian Börner, wie prekär die Situation der Bielefelder ist. Jeff Saibene ist sich bewusst, dass er ein Trainer auf Abruf ist. „Wenn man viele Spiele verliert, steht der Trainer zur Debatte. Ich weiß, dass das zum Geschäft gehört, aber es lässt mich komplett kalt." Der Coach versucht, den Druck nicht an sich heranzulassen. Sollte es sein letztes Spiel werden, „dann ist es so. So ist das Leben", meinte er. Wenn Saibene, der sich während seiner Zeit in Bielefeld großen Kredit erarbeitet hat, sagt, seine Situation interessiere ihn nicht, dann bedeutet das vor allem, dass er nicht aufgibt. Saibene: "Ich habe ein gutes Gefühl" Die 90 Minuten plus Nachspielzeit gegen St. Pauli haben ihm trotz der Niederlage Mut gemacht. „Wir haben Kampf und Leidenschaft gezeigt. Wie die Mannschaft aufgetreten ist, hat mich an alte Zeiten erinnert. Ich habe ein gutes Gefühl", sagte Saibene. Bis auf wenige Szenen zu Beginn und Ende kontrollierten die Gastgeber vor fast 22.500 Zuschauern den ersten Durchgang souverän. Neben dem 1:0 durch Keanu Staudes Volley-Abnahme von der Strafraumgrenze (7. Spielminute) erspielten sie sich weitere Tormöglichkeiten. Analog zum Heimspiel gegen Fürth kippte das Spiel nach der Pause nachdem die Arminen zunächst selbst eine gute Torchance hatten. Pauli-Keeper Himmelmann parierte einen Schuss von Staude. Beinahe im Gegenzug gipfelte eine Fehlerkette in der Defensive in einem berechtigten Foulelfmeter (Salger an Duziak). Marvin Knoll glich aus. Dass vor dem 2:1 der Hamburger eine klare Abseitsposition zu erkennen war – nur für das schwache Schiedsrichtergespann um Benedikt Kempkes nicht –, passte zur aktuellen Situation der Arminen. „Das ist umso bitterer", meinte Julian Börner. "Der Trainer ist doch die ärmste Sau" Der Mannschaftskapitän brach nach dem Spiel eine Lanze für Jeff Saibene. „Der Trainer ist doch die ärmste Sau. Wir wollen nicht, dass er gehen muss, und sind noch lange nicht soweit, dass wir ihn in Frage stellen." Nicht nur der Trainer, auch der Mannschaftskapitän fühlte sich durch die gezeigte Leistung ermutigt: „Wir waren füreinander da, haben füreinander gekämpft. In puncto Einstellung muss ich allen ein Kompliment machen. Das müssen wir jetzt Woche für Woche zeigen." Das Wort Schicksalsspiel wollte Samir Arabi nicht benutzen. Arminias Sport-Geschäftsführer hat klare Erwartungen für die nächste Zeit: „Es kommen jetzt extrem wichtige Spiele, und es ist Aufgabe der Mannschaft zusammen mit dem Trainerteam, auf dem Guten aufzubauen und die Fehler abzustellen."

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